So oft habe ich sie schon gehört, die zwölf Concerti grossi op.6 - in den unterschiedlichsten Fassungen. In diese Einspielung habe ich mich aber auf Anhieb verliebt. Was die "Academy of Ancient Music" unter Andrew Manze hier präsentiert, ist wirklich herausragend, ist Musikantentum auf höchstem Niveau!
Obwohl nicht unbedingt ein Anhänger „barockauthentischer“ Werkinterpretationen, hat mich diese Aufnahme in keinem Moment durch übergroße Originaltreue gelangweilt, die andere Interpreten leider so oft an den Tag legen (Harnoncourt-Fans mögen mir bitte verzeihen).
Mit großem Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail wird hier gespielt - präzise sitzen die Phrasierungen, werden die Tutti-Ripieno-Dynamik herausgearbeitet und die Tempi ausgelotet. Die oft so kritische "Leere" langsamer Barocksätze, die Aneinanderreihung modulatorischer Kadenzen - Manze und seiner "Academy" gelingt das Kunststück, sie mit den recht flott interpretierten, schnellen Sätzen zu der berauschenden Farbpalette einer Musikepoche zu verschmelzen, die wir so gut zu kennen glauben. Am besten gelungen ist ihnen das vielleicht im 11. Konzert in A-Dur (HWV 329). Das abschließende Allegro schwelgt ganz und gar in einem Gefühl, dessen glaubwürdige Darstellung mich bei der ganzen CD am meisten fasziniert hat: das der überschäumenden, barocken Lebensfreude. Wer so musizieren kann, muss sehr viel davon in sich tragen.