Igor Stravinsky attestierte einst, dass, wer ein Konzert Antonio Vivaldis gehört habe, alle gehört habe. Diese einmalige Box beweist das Gegenteil.
Vivaldi komponierte unzählige Konzerte, die meisten für Violine und Streicher, von denen leider etliche verloren gegangen sind. Die markantesten (mit Ausnahme der Quattro stagioni), sind auf dem vorliegenden Set vereint. Alle Konzerte zeichnen sich durch anspruchsvolle Eingangssätze, tiefsinnige, langsame Sätze und locker leichte Finals aus. Jedes Konzert ist liebenswürdig, keines langweilig
Die CDs 1 und 2 bieten einen Überblick über die Konzerte mit verschiedensten Besetzungen, z. B. für zwei Mandolinen, für Viola d'amore und Laute oder Fagott und Oboe. Vivaldi liebte das Experimentieren. Auch seine teils unkonventionellen Satzanlagen beweisen das. Jedes dieser Konzerte ist virtuos und erhebt hohen künstlerischen Anspruch, die Orchsterritornelle sind bezaubernd, die klangliche Varianz sucht ihresgleichen.
Auf den CDs 3 und 4 sind die Violinkonzerte aus L'estro armonico vereint. Es ist schon überraschend und erstaunlich zugleich, dass keines von Vivaldis Konzerten dem anderen gleicht. Vor allem die Konzerte in Molltonarten kommen nah in die technische und melodische Prägnanz Bachs heran. Violinkonzerte mit einem, zwei oder vier Solostreichern sind zu gleichen Teilen vertreten. Vivaldi legt seinem Experimentieren kein Zaumzeug an.
Die letzte CD schließlich gibt eine Auswahl aus Vivaldis immensem Corpus an Flötenkonzerten. La tempesta di mare, La notte und das F Dur Konzert RV 435 sind hier freilich die Highlights. Was Vivaldi aus der Traversflöte alles herausholt, ist ungeheuer befriedigend. Alle Konzerte strotzen vor Vitalität und Ausdruck.
Die Interpretation des English Concerts unter der Leitung der Koryphäe Trevor Pinnock ist ohne Frage ungeheuer gut gelungen. Pinnock ist schon allein deswegen meine erste Anlaufstelle im Bereich der Alten Musik, da er mit seinem English Concert stets auf aussagekräftigen Originalinstrumenten musiziert. Pinnocks nüchterner Stil, bei dem er sich viel Zeit lässt, tut diesen strengen Konzerten gut.
Fazit: Eine wirklich lohnende, umfangreiche Anschaffung für jeden Freund barocker Orchestermusik mit einer ausgezeichneten Klangqualität.