"Concert by the Sea" wurde Erroll Garner's größter Erfolg und war lange Zeit das meistverkaufte Jazz Piano Album aller Zeiten (heute dürfte dieser Titel an Keith Jarrett gehen).
Garner ist nicht jedermanns Sache. Zu spezifisch und zu wenig wandlungsfähig ist sein Stil. Obwohl - wenn einer seinen originären Stil gefunden hat, warum sollte ihn wieder verlassen? Wenn Erroll Garner spielte, erkannte man ihn schon nach wenigen Noten. Die Linke hält den Rhythmus mit Akkorden (meistens) gleichmäßig, fast wie ein Bass oder eher eine Rhythmusgitarre, die Rechte mit dem Melodiestatement oder der Improvisation hinkt immer ein wenig hinterher - mit dieser Zeitverzögerung baut er eine Spannung auf, die wesentlich zum Swing seines Spiels beiträgt. Und obwohl er keine rasenden Läufe a la Art Tatum spielt: Hört man genau hin, erkennt man eine bemerkenswerte Virtuosität in seinem Spiel, in dieser scheinbar so einfachen Grundstruktur.
Die Aufnahmen wurden im September 1955 live vor Publikum in einer ehemaligen Kirche in Carmel, California, eingespielt, mit Erroll Garner (p), Eddie Calhoun (b) und dem vorzüglichen Denzil Best (dr). Obwohl die Akustik gut gewesen sein muss, sind die Aufnahmen technisch nicht so gut, wie sie sein könnten, und Columbia bearbeitete die Tapes fast zwei Wochen, um einen halbwegs zufriedenstellenden Master hinzubekommen. Und ja: Es sind nur etwa 40 Minuten Musik, also nur etwas mehr als die Hälfte von dem, was man heute auf eine CD bekommt.
Sei's drum: Unzweifelhaft Erroll Garner's bestes Album. Und wer nur ein einziges Album von ihm besitzen möchte, der ist mit "Concert by the Sea" gut bedient.