Zu aller erst: Filmbewertungen sind und bleiben subjektiv.
Sicher gibt es den Einen oder Anderen der diesen Film ganz großartig findet. Wer aber -zurecht- hohe Ansprüche an dem Film, ob der starken literarischen Vorlage, hat, der wird (denke ich) mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ebenso enttäuscht vom Remake sein, wie ich.
Es gibt gleich mehrere Kritikpunkte die ich hier anführen möchte.
Der für mich Wichtigste ist wohl, dass dem Remake jedwede puristische Spiritualität, für die ich Conan so liebe, entzogen wurde. Die kläglichen Versuche einige der Botschaften aus Robert E. Howards Geschichten einzubringen, wirken deplatziert, erzwungen und vollkommen überflüssig, angesichts der Tatsache, dass der Conan dieser Geschichte, diese Werte weder glaubhaft verkörpert, noch selber über sie spricht. Das funktionierte in der Verfilmung von 1982 meiner Meinung nach deutlich besser. Dialoge und Handlung waren damals einfach und scheinbar oberflächlich, entpuppen sich aber als durchaus tief gehend. Bei dem Remake ist es genau anders herum. Dialoge und Handlung versuchen durch Tiefe zu glänzen, sind aber in Wahrheit hohl und ohne Essenz.
Des weiteren ist da noch die Musik von Tyler Bates, von dem ich offen gestanden mehr erwartet habe. Meiner Meinung nach gelingt es ihm kaum die Emotionen der jeweiligen Szene zu unterstützen oder sie gar zu intensivieren. Auch als Standalone taugt der Soundtrack wenig. Die Lieder plätschern so vor sich her, ohne das man sie dem Film tatsächlich zuordnen kann. Wie auch. Der Film ist ja beinahe schon nur eine lange Aneinanderreihung von stupiden Actionszenen. Wer weiß da schon ob Lied X zu Kampfszene Y oder Z gehörte. Vor allem, da Lied X ohnehin wie Lied A, B und C klingt.
Das bringt mich auch gleich zu dem dritten Kritikpunkt. Die Action-Sequenzen:
Ich will es kurz machen.... Die Kampfszenen haben frappierende Ähnlichkeit, mit dem Aufbau eines typischen Hack 'n Slay-Computerspiels. Denn ganz gleich wo unser Held auch hingeht; es tauchen aus dem Nichts ganze Heerscharen von Gegnern auf, die sich bereitwillig auf möglichst spektakuläre Art und Weise von unserem Heroen ins Jenseits befördern lassen. Am Ende des Massakers, wartet dann auch gleich der Endgegner der Szene, den es zu besiegen gilt. Ist der fiese Zwischengegner beseitigt, geht es dann auch schon zum nächsten Setting, wo erneut böse Buben vom Himmel fallen und ein weiterer Boss auf sein Ticket in die Unterwelt wartet.
Natürlich ist Conan schon immer überaus brutal gewesen - sowohl in den Büchern, als auch in der Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger. Folglich habe ich nicht erwartet, einen Gänseblümchen-Film zu sehen. WAS ich aber erwarte, selbst von Actionfilmen auf fiktionaler Basis, ist, dass sie ihrer eigenen Filmlogik treu bleiben. Und eben dies ist der vierte große Kritikpunkt.
Diese Neuverfilmung tut genau dies nicht.
Ich will das anhand einiger WENIGER Beispiele konkretisieren:
SPOILER!
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Da folgt die "holde Jungfrau" ihrem Retter an einer steinigen Küste in eine Höhle um sich ihm darzubieten, ehe sie mit dem vor Anker liegenden Schiff verschwindet. Doch der Akt scheint die Welt in ihren Grundfesten erschüttert zu haben, denn als sie sich auf den eigentlich kurzen Rückweg zum Schiff macht, steht da plötzlich ein gewaltiger Wald, in dem sie, oh Wunder, von der bösen Schurkin prompt festgesetzt und entführt wird. Als reichte das nicht, taucht auch plötzlich Conans Pferd wieder auf, dass er einige Szenen zuvor bei seiner Flucht vor dem Bösewicht, der vorab jede Gelegenheit sich des Barbaren zu entledigen, konsequent abgelehnt hat, auf einer einsamen Klippe hatte stehen lassen.
Dann wäre da noch die magiekundige Tochter des Schurken, die dem armen Conan mit ihrer finsteren Magie ordentlich einheizte, im Showdown aber plötzlich all ihre Zauberfähigkeiten verloren zu haben schien - da war wohl das Mana alle....
Oder das gewaltige Schiff, des Bösewichts, dass auf den Rücken von mutmaßlich 20 Elefanten über das Land geschleppt wurde. Soweit so gut, doch fragt man sich, wozu dann noch die Hundertschaften an Sklaven dienten, die das Schiff scheinbar an zwei mächtigen Tauen durch die Pampa zogen. Laufen die Elefanten dadurch schneller? Wohl kaum.
Bleiben wir gleich bei dem Schiff, dessen Mast gefühlte 50 Meter in den Himmel ragte und dem es dennoch gelingt einen Überraschungsangriff auf ein Kloster zu starten, von dessen Mauern man Meilen in die Landschaft hätte spähen können. Dazu sei noch gesagt, dass dieses sinnfreie Gefährt mit dem Bug voran (VOR dem sich ja noch Hunderte von Sklaven an nutzlosen Seilen festhielten) "plötzlich" durch die Klosterwand hindurch bricht ....
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SPOILER ENDE
Wie mein Vorredner schon erwähnte überzeugten auch die 3D Effekte, nicht einmal im Ansatz. Unscharf und viel zu zwei-dimensional. Eben wie ein Pop-Up-Kinderbuch.... Fast schon symptomatisch für unsere Zeit, in der man mit allen Mitteln versucht, die fette 3D-Kuh zu melken. Mein Tipp: informiert euch z.b. bei Wiki, ob ein Film tatsächlich mit 3D-Kammeras gefilmt wurde, wie z.B. Avatar, oder ob es nur auf 3D hochgerechnet wurde. Auf Letzteres kann man nämlich in 95% der Fälle, guten Gewissens verzichten.
Es gibt aber auch positives anzumerken. Was mir an diesem Conan sehr gut gefiel, waren die CGI-Landschaften, die ein ansehnliches und glaubhaftes Hyboria schufen. Und dann wäre da auch noch Jason Momoa (bekannt aus Stargate Atlantis oder Game of Thrones), der mir als Conan durchaus sympathisch war. Auch wenn viele kritische Stimmen der Meinung sind, er wäre nicht muskulös genug für einen Barbaren - muss ich sagen das Conan nicht nur durch seine Kraft, sondern auch durch seine Wenigkeit so erfolgreich war. Nimmt man dies als Basis, ist die Besetzung mehr als treffend. Arnold Schwarzenegger war mir dahingehend einfach zu brachial.
Über die schauspielerische Leistung der Akteure, will und werde ich mich nicht auslassen, ohne den Film im O-Ton gesehen zu haben - obwohl ich doch sehr bezweifle, dass ich das jemals werde.
So, ich hoffe dem einen oder anderem damit weiter geholfen zu haben.
Der Kobold