Gut, dass man einmal sechzehn ist. Vielleicht bekommt man in der Zeit dieses Album von einem Schulfreund in die Hand gedrückt, mit den wärmsten Empfehlungen und den grössten Erwartungen. Zuhause findet man es dann vielleicht gerade mal interessant, hört es sich ein paar mal an, bis Alben von Public Enemy oder den Dead Kennedys einfach mehr begeistern. Gut, dass man nur einmal sechzehn ist. Manchmal müssen einfach zwanzig Jahre vergehen, unzählige Musikrichtungen gehört sein, tausenden Platten gekauft werden, nur um am Ende doch wieder Radio zu hören. Wenn dort plötzlich "Computerlove" in der englischen Version auftaucht und man die unzähligen Keyboard-Lines und Synthie-Melodien am Ende des Liedes sich auftürmen hört, weiss man erst, was damals mit sechzehn so alles hätte sein können.
Wenn ich mir das Album heute anhöre, weiss ich es plötzlich zu würdigen. Erkenne die Einzigartigkeit dieses zeitlosen Sounds, an dem auch all die Jahre Techno spurlos vorüber ziehen. Dieser ungewöhnliche, aber sehr hypnotische Mix aus Sterilität und Wärme, scheint kaum vereinbar und ist daher nur um so erstaunlicher.
Plötzlich möchte man nicht 1990 sechzehn gewesen sein, sondern 1980 um vielleicht doch inmitten von Bands wie The Police oder Queen auf etwas wie Kraftwerk gestossen zu sein. Wie weltverändernd muss solch ein Moment sein? Möchte man sich danach nicht auch sofort einen TX816, Minimoog und Atari ST kaufen um sich auf die Jagd nach der perfekten, elektronischen Melodie zu machen. Ich bin davon ebenso überzeugt, wie von der Tatsache, dass Kraftwerk auf diesem Album mehrfach fündig geworden sind.
Alleine die Tatsache, dass Kraftwerk mir diese gedankliche Zeitreise ermöglicht hat, auch noch so verspätet, lässt mich das Album um so mehr schätzen. Obwohl wir doch längst in einer Zeit leben, die 1981 als Science-Fiction bezeichnet worden wäre, erscheint mir diese Musik unserer Zeit immer noch voraus zu sein. Damals hätte mir die LP sicher ungemein Lust auf die Zukunft gemacht, heute dagegen eher auf die Vergangenheit.