Um in den Besitz und den Genuss sämtlicher Cartoons zu gelangen, die Zeichner Don Martin für das Magazin "MAD" ersonnen hat, kann man versuchen, die heimische "MAD"-Sammlung durch den Kauf von in Online-Auktionshäusern angebotenen "MAD"-Heften zu komplettieren. Man kann stattdessen aber auch einfach diesen schmucken Schuber kaufen.
Zwei Bände bieten auf rund 1200 Seiten ein Oeuvre, das im Laufe 30 langer Jahre entstanden ist und das wirklich seinesgleichen sucht: Martins berühmte lautmalerische Schöpfungen sind ebenso unverwechselbar wie seine Figuren mit ihren charakteristischen Knollennasen und Hammerzehen. Unvergesslich geblieben sind mir auch Namen wie "Feinbein" und "Fröhn", auf die Martin seine Charaktere gern getauft hat, und auch Überschriften wie "Neulich, bei den Räubern in den Abruzzen" sind mir in guter Erinnerung geblieben.
Der Verweis auf die Vergangenheit soll hier übrigens Folgendes bedeuten: Es ist lange her, dass ich eine Ausgabe von "MAD" gekauft habe. Dem Vernehmen nach ist das "MAD", das es heute an Kiosken zu kaufen gibt, auch nicht mehr das, was es einst war. Das wird zum Teil sicher auch daran liegen, dass der Chefredakteur des deutschen "MAD" längst nicht mehr Herbert Feuerstein heißt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Ära der legendären "MAD"-Zeichner längst zu Ende gegangen ist: Sergio Aragones, Al Jaffee und Mort Drucker (dessen Film-Parodien ich heiß und innig geliebt habe) dürften längst in Rente gegangen sein, Don Martin ist im Jahr 2000 im Alter von 69 Jahren an Krebs verstorben.
Die genannten Zeichner (und noch ein paar mehr) sind in meinen Augen nicht nur untrennbar mit "MAD" verbunden, sondern sie waren stets auch Garanten für Qualität und Unterhaltungswert. Tatsächlich habe ich schon beim ersten Blättern in "The Completely Mad Don Martin" erstaunt feststellen müssen, dass es sich beim Gros der mir bekannten Cartoons bereits um Nachdrucke handelte: Was ich in den frühen 80ern am Kiosk gekauft habe, ist zu einem sehr großen Teil lange zuvor entstanden. Ein nicht unwesentlicher Teil des mir bekannten Materials stammt tatsächlich aus den 50er und 60er Jahren. Womit etwas ganz Wesentliches auch bereits gesagt ist: Don Martins Cartoons sind in der Regel sehr zeitlos.
Don Martins Humor basiert, das stellen auch Gary Larson (der ein lesenswertes Vorwort verfasst hat) und andere Zeichner-Kollegen in ihren eingestreuten Beiträgen zu Martin und seinem Werk fest, vor allem auf Slapstick, und wer bei diesem Begriff unmittelbar an das bewegte Bild denkt, liegt so verkehrt nicht. Viele von Don Martins Strips arbeiten mit Mitteln, die man auch aus dem Kino kennt. So wechselt auch Martin z. B. zwischen verschiedenen Kameraeinstellungen, und erst im Wechsel zwischen Naheinstellung und Halbtotale ergibt sich dann auch die Pointe. Und natürlich liebt Martin Gags, wie wir sie aus ungezählten Schwarzweißfilmen aus Opas Klamottenkiste kennen: Der Scherzartikel-Klassiker "Spritzblume" ("Ga-spritzka!") etwa ist ein Motiv, das zu variieren Martin nie müde geworden zu sein scheint.
Bekennende Fans von Don Martin können nun mit diesem prächtigen Schuber Wiedersehen mit Feinbein, Fröhn und Co. feiern, und ein schöneres Widersehen ist kaum denkbar: Druck- und Papierqualität sind über jeden Zweifel erhaben, und deshalb ist auch der Preis, wenn vielleicht nicht unbedingt günstig, doch zumindest vertretbar. Wer die im gleichen Verlag erschienene Gesamtausgabe der Cartoons von Gary Larson kennt, darf beherzt zugreifen: Das Don Martin-Komplettwerk steht dem von Larson ausstattungstechnisch in nichts nach.
Der Spassprediger meint:
Don Martin und seine gesammelten Werke haben in "Running Press" einen würdigen Verleger gefunden: Die Aufmachung ist edel, das Papier hochwertig, und die Druckqualität fast durchgängig 1A. Allein einige der farbigen Reproduktionen fallen etwas ab (offenbar handelt es sich um farbige Faksimiles, die nicht auf den Original-Druckfilmen basieren). Da die farbigen Cartoons aber deutlich in der Unterzahl sind und eher die Ausnahme denn die Regel bilden, ist der Wermutstropfen wirklich sehr klein.