Ich erspare mir Einzelheiten zur Person Syd Barrett und komme gleich zu "Crazy Diamond". Die Box enthält die beiden Solo-Alben "The Madcap Laughs" und "Barrett" (beide 1970) sowie die 1988er Collection "Opel" plus bislang unveröffentlichte Alternativ-Versionen zu vielen Songs. Wer das erste Floyd-Album ("The Piper At The Gates Of Dawn") hat und noch nie etwas von Syd Barrett solo gehört hat, dem sei gesagt, daß seine Solo-Scheiben alles andere als ausgereift sind. Barrett war zu dieser Zeit schon nicht mehr in der Lage zusammenhängend aufzunehmen oder gar zu schreiben. Daß seine Ex-Kollegen David Gilmour, Roger Waters und Richard Wright (alle bei Pink Floyd) ihn dennoch ins Studio zerren konnten und ihm Material für drei Alben entringen konnnten, ist mehr als bemerkenswert. Sie treten, zusammen mit Mitgliedern der "Soft Machine", auch als Studiomusiker auf. Hin und wieder kommt ein Hauch von Floyd-Atmosphäre a la "Piper" auf - aber meist sind die Lieder im puren Syd-Stil: Gitarre und Gesang. Es sind einige Perlen unter den Songs, unbestritten. "Gigolo Aunt", "Baby Lemonade", "No Man`s Land", "Maisie" uva. Man sieht, was der Meister noch alles hätte leisten können, wäre er nicht so sehr auf seinen LSD-Trips hängengeblieben. Fazit: Der komplette Barrett in einer Box, mal abgesehen vom "Bob Dylan Blues", der nur auf der kürzlich erschienen "Best Of" enthalten ist - für Liebhaber der frühen Floyd ein absolutes Pflicht-Teil!