Die Doppel-CD gibt uns einen Live-Mitschnitt eines Konzerts mit Wes Montgomery im April 1965 in Paris. Er spielt hier mit seinem Quartet, Harold Mabern (p), Arthur Harper (b), Jimmy Lovelace (dr), auf den letzten drei Titeln stösst noch Johnny Griffin (ts) mit dazu. Das Bemerkenswerte ist, daß hier Straight Jazz von einer kleinen Combo gespielt wird, anders als bei Montgomery's Plattenaufnahmen zu der Zeit. Montgomery war ursprünglich von Riverside und seinem Produzenten Orrin Keepnews gefördert worden und hatte dort den größten Teil seiner Platten aufgenommen. Im Dezember 1963 starb der operative Chef von Riverside, Bill Grauer, und Keepnews konnte das Label nicht mehr halten, es ging in Konkurs. Wes Montgomery wechselte zu Verve, dort hatte allerdings schon lange nicht mehr Norman Granz, sondern Creed Taylor das Sagen, und so produzierte Montgomery zwischen 1964 und 1966 eine Reihe von ziemlich kommerziellen Alben, meist mit großen Orchestern unter dem Arrangeur Don Sebesky. Es sollte noch schlimmer (oder besser?) kommen: 1967 folgte er Creed Taylor zu A&M, und nahm dort 3 der meistverkauften Alben der Jazzgeschichte auf ("A Day in the Life", "Down Here on the Ground", "Road Song"), allerdings auf Kosten der Musik: simpelster Pop, keine Improvisation, viel Streicher und Woodwind-Gebläse im Hintergrund. Montgomery sah sich schon zu seiner Verve-Zeit vielen Vorwürfen von Jazzfans ausgesetzt, verteidigte seinen "Ausverkauf" mit ökonomischen Notwendigkeiten (er hatte schliesslich eine Familie zu ernähren) und zeigte auf Live-Auftritten wie diesem hier, daß er es noch konnte - und wie!
Das ist absolut feiner Jazz vom letzten großen Innovator der Jazzgitarre.