Überraschend viele bekennende Bluesfans haben zu T-Bone Walker ein gespaltenes Verhältnis. Wenige werden seine überragende blueshistorische Bedeutung in Abrede stellen wollen, mit seiner Musik jedoch wissen sie nicht so recht etwas anzufangen. Doch können die Generationen seiner Anhänger - unter ihnen alte Gitarrengiganten wie BB King, Gatemouth Brown, Buddy Guy und jüngere Helden wie Ronnie Earl, Junior Watson und Duke Robillard - wirklich irren? Ich möchte diesen Großmeister des Blues wirklich jedem wärmstens ans Herz legen, den das Genre irgendwie berührt.
Als einer der einflussreichsten Gitarristen aller Zeiten machte er Licks populär, die heute noch fast jeder Bluesgitarrist spielt. T-Bone ist unverkennbar. Sein schöner Ton und unbeirrbares Timing, sein staubtrockenes, herrlich swingendes, vibratoloses Singlenote-Spiel, die fetten, perfekt gesetzten Akkorde, dazu die warme Croonerstimme.... Hat man sich erst mal reingehört, ist diese Kombination kaum zu schlagen.
Für mich ist 1950-54, die Imperial Recordings Phase, T-Bones beste Zeit. Seine wichtigsten Aufnahmen mag er in den 40ern gemacht haben, auf seinem künstlerischen Höhepunkt war er jedoch in den frühen 50ern angekommen. Als Künstler voll ausgereift, spielt er hier mit großartigen Bands sparsamere Arrangements als zur vorherigen Black & White Phase. Die Aufnahmequalität ist fast durchgängig Klasse, und das Songmaterial.... Eine Perle nach der anderen! "Party Girl", "Blues is a woman", "Here in the dark", "Im Still in Love with you" (herrlich schnulziges Duett mit Baby Davis), "Look me in the eye", "I'll always be in love with you". Einige der hier vertretenen Songs haben sich zu Klassikern gemausert und werden heute noch gespielt - "Cold, Cold Feeling", "The Hustle is on", "Tell me what's the reason" und das Instrumental "Strollin with Bone". Nach Imperial ging's für T-Bone gesundheits- und karrieremäßig bergab. Die in den folgenden 5 Jahren eingespielten Aufnahmen gaben gerade genug Material für eine LP, die 1960 veröffentlichte und in meinen Augen gute, aber etwas überschätzte "T-Bone Blues" (Atlantic). Nie wieder würden seine Aufnahmen eine so harmonische Balance zwischen Stil, Musikern, Sound und Material erreichen wie auf Imperial.
Für mich ist diese kleine 2 CD Box eine meiner "desert island records" - eine Scheibe, die auf die unbewohnte Insel unbedingt müsste. Volle Punktzahl für diesen Must Have.