Frühjahr 1981. Friedrich Gulda spielt in den Opernhäusern von München, Mailand und Paris in jeweils drei Konzerten sämtliche Mozart-Sonaten. Das Publikum kommt aus dem Staunen nicht heraus. Diese Stücke standen immer im Schatten der Beethoven-Sonaten, und Gulda führte hier mal eben wie selbstverständlich vor, dass es sich bei den Mozart-Sonaten um einzigartige Kunstwerke handelt, die keinerlei Vergleich zu scheuen brauchen. Erreicht hat Gulda dies mit ebensoviel Liebe zur Musik wie mit einer Ernsthaftigkeit und Impulsivität, die anderen Mozart-Interpreten bis damals unbekannt war. Wie immer musizierte Gulda in diesen unvergesslichen Konzerten, als ob es bei jedem Takt um Leben oder Tod ginge. Mehrfach musste er, um seine eigene Energie und innere Anteilnahme in den Griff zu bekommen, zwischen einzelnen Sätzen aufspringen und auf der Bühne hin- und herlaufen. In vollständiger Ergriffenheit hofften damals alle Konzertbesucher auf eine baldige Schallplattenveröffentlichung, denn man wusste, dass Gulda im eigenen Studio die Sonaten komplett eingespielt hatte. Erst mehrere Jahre nach Guldas Tod kam es kürzlich zur Veröffentlichung. Kurioserweise sind die Originalbänder verschollen, die jetzt publizierten Bänder sind die digital aufbereiteten Audio-Cassetten (!) des Aufnahmeleiters, die sich in dessen Nachlass fanden. Dem nunmehr erzielten Klang tut dies keinen Abbruch, der Sound ist hervorragend. Um zum Ende zu kommen: Es gibt keinen Musikfreund, der diese Aufnahmen nicht unbedingt in seiner Sammlung haben müsste. Sternstunden.