Also man kann sich schon darüber streiten, ob man dieses Buch wirklich braucht. Zuerst einmal fällt es nämlich auf, dass es extrem groß und schwer ist, so schwer, dass es einem kleinen Krafakt gleichkommt, es aus dem Bücherregal auf einen Tisch zum Lesen zu legen. Wobei nur besonders flexible Regalsysteme überhaupt Platz für dieses Format bieten.
Dann fällt einem auf, dass sich der Text in diesem Buch doch sehr in Grenzen hält. Die meisten Seiten bestehen aus (natürlich) großformatigen Zeichnungen der Bilder von römischen Vasen, wobei diese in der Regel mit nur wenigen Farben auskommen. Die Zeichnungen machen sogar manchmal einen etwas idealisierten - und damit schematischen - Eindruck. Einige bieten auch einen Einblick in die Mythologie der Antike, aber nicht alle haben eine wirklich spannende Geschichte zu erzählen.
Sehr spannend ist aber das Unternehmen an sich. Der, der diese Sammlung zusammengetragen hat, ist Sir Hamilton, Botschafter Englands am Hof von Neapel zu Napoleons Zeiten. Und dieser Herr stand Mitten im damaligen Zeitgeschehen. Nicht nur, weil um ihn herum der Krieg England gegen Frankreich tobte, nein, er war auf auf durchaus persönlicher Ebene in die Weltgeschichte involviert. Seine Frau, Lady Hamilton, eine nicht gerade standesgemäße Heirat, war nicht nur eine der großen Schönheiten ihrer Zeit. Sie war auch die Geliebte Admiral Nelsons, der dem Empire die Herrschaft über die Meere bewahrte.
Sir Hamilton selbst hat dies alles mit der Würde eines Gentlemen ertragen. Er hat sich mit Vulkanen und Geologie beschäftigt und daraus ein ebenfalls berühmtes Buch gemacht. Und schließlich hat er auch die besonderen Schätze der Landschaft um Neapel gesammelt, nämlich die antiken Vasen, die dort ausgegraben werden konnten. Mit als erster hat er diese in einem Buch dokumentiert.
Und so, als schönes Buch im Bücherregal (wenn es denn passt), als Andenken an einen wahren Gentleman und als eines der ersten Bildbände zum Thema Archäologie in der Geschichte dieser spannenden Wissenschaft lohnt sich der Erwerb dieses Werkes dann doch - jedenfalls für die Biblophilen unter uns. Ein Lob auch an den Taschenverlag für den Mut zu dieser Ausgabe.