Die Centenary-Edition ist - gerade ein der nur wenige Euro mehr kostenden gebundenen Ausgabe - ein mehr als faires Angebot... und für alle Freunde (und solche, die es noch werden wollen) von Conan dem Cimmerer eine absolut lohnenswerte Anschaffung!
Mit dieser Edition liegen sämtliche von Robert E. Howard verfassten Originalgeschichten um Conan den Barbaren in einem Band vor. Die Aufmachung ist edel, schweres Papier, klarer Druck, stimmungsvolle Bilder und eine direkt nach Howards Angaben gezeichnete Karte. Letztere ist zwar nicht so wahnsinnig schön, aber entspricht wohl am ehesten der Originalversion. Abgerundet wird dieser fast 1000 Seiten starke Wälzer durch zwei Essays über Conan und seine Welt aus der Feder von Howard und einer sehr lesenwerten Kurzbiographie, in welcher die Chronologie der Conan-Stories besonders Gewicht haben. Etwas verwirrend mag für den einen oder anderen Leser sein, dass die Geschichten hier in der chronologischen Reihenfolge abgedruckt sind, in welcher sie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden - und diese Reihenfolge ist eben nicht chronologisch zum Leben Conans. So ist er in der ersten Story bereits um die 40 und König von Aquilonien, während er in der dritten Story ein umherziehender Dieb von knapp 20 Jahren ist. Eine kurze Einleitung zur chronologischen Einordnung der Geschichten in das Leben Conans wäre für manche Leser sicherlich schön gewesen, es tut aber dem Spaß keinen wesentlichen Abbruch.
Zu den Geschichten selbst - ich denke, dass jeder, der Fantasy mag, diese Stories kennen sollte. Schließlich gelang es Robert E. Howard hiermit vor mittlerweile fast 90 Jahren (Conan entstand um 1930 herum), zahlreiche der wesentlichen Eckpfeiler dieses Genres (und natürlich ganz besonderes die Eckpfeiler des Untergenres der Heroic Fantasy) zu definieren. Standarts, welche auch heute noch immer wieder verwendet werden (sei es in Filmen, Büchern, Rollenspielen oder Computerspielen) finden sich hier bereits exakt wieder - kein Wunder also, dass so viele namhafte Autoren und Regisseure Robert E. Howard und Conan als wesentliche Inspiration nennen!
Erstaunlich ist dabei insbesondere, wie gut, originell und mitreißend sich Howards Geschichten auch noch nach all der Zeit lesen - die Stories sind episch, wild, gradlinig und haben dennoch stets eine ganz besondere Note, eben dieses gewisse Etwas, welches den zahllosen Nachahmern nur allzu häufig fehlte.
Mag also sein das Heroic Fantasy in den Augen vieler ein relativ plattes und eindimensionales Genre ist - allerdings muss man dann auch einräumen, dass es gerade dann eine wirkliche schriftstellerische Leistung ist, dieses dann trotzdem mitreißend und unterhaltsam zu schreiben! Genau dies gelang Howard, und man merkt seinem Stil an, dass er zwar schlichtweg gradlinige Unterhaltung bieten will, seinen Stories aber durchaus literarisch anspruchsvoll zu Papier bringen kann. Gerade im englischen Original liest sich dies großartig, und manchmal wird man auch an den unnachahmlichen Schreibstil von H.P. Lovecraft (mit dem Howard eine tiefe Brieffreundschaft hatte, beide waren große Fans von einander) erinnert... auch wenn die Conan-Saga natürlich inhaltlich anders ist als Lovecrafts Kosmos gibt es eine interessante Schnittmenge, und beide machten in ihren Stories Anspielungen auf die Schöpfung des anderen.
Alles in allem also ein kolossaler Band, den sich jeder Fantasy-Fan in die Sammlung stellen sollte.