Hier fällt mir zur Einleitung ein bekannter Witz ein:
Bill Gates und sein neu eingestelltes Mathe-Genie irren nach einen Flugzeugabsturz durch die Steppe Afrikas, als plötzlich ein Löwe auf Sie zustürzt. Das Mathe-Genie errechnet, dass er egal was er macht, spätestens in 17.4 sek vom Löwe angefallen wird und breitet sich darauf vor seinem Schöpfer zu begegnen. Verdutzt beobachtet er aber seinen Chef, der sich in den vermeidlichen letzten Sekunden seines Lebens die Stiefel auszieht. Darauf er: "Was soll das? Wir können nicht entkommen! Wir können nicht schneller laufen als der Löwe!" - Darauf Bill: "Ich muss auch nicht schneller laufen als der Löwe. Ich muss nur schneller laufen als DU!"
Unter diesen Tenor könnte man Tom Gilbs Werk "Competitive Engineering" zusammenfassen, der postuliert - 'Wir müsssen nicht überall die modernste Technologie, die höhste Prozessreife und sämtliche Standards etablieren, um erfolgreich zu sein. Wir müssen (sollten) nur einfach überall ein Schritt weiter sein als unsere Konkurrenz!'
Am Besten gefiel hierbei mir sein 'Doughnut' Diagramm, dass illustriert - wenn System eine bestimmte Performance überschreitet, befindet man sich sogar im 'Survival Level'!! Denn auf dem Olymp gibt es leider nur sehr wenige Kunden. - "Nur die Besten arbeiten mit den Besten zusammen, jemand der zweitklasssig ist, wird sogar nur mit Leuten zusammenarbeiten, die drittklassig sind!" (ehem. Mircosoft Mitarbeiter). Die Elite ist selten und es werden Aufwendungen betrieben, die in keinen Verhältnis zur Wertschöpfung stehen, entweder weil zuviel oder zu wenig ('Survival Level' Resource). Als Letzter wird man vom Löwen gefressen und wenn man zu weit nach vorne bewegt. Also immer schön bei der Herde bleiben, wie in der Natur ;-).
"Competitive Engineering (CE) is about technological management, risk control, and breakingthrough improvement in complex business systems, projects and processes. It is system engineering, with application to all forms of planning, requirements specification, design and project management. It also applies management of organizations, both top management and technical management."
Zur Darstellung der Konzepte hat Gilb eine formalistische Sprache entwickelt - Planguage (ein Kompositum aus Plan und Language) - die nur aus schlappen 637 sog. Tags besteht. Mit ihr versucht der Autor Prozesskontrolle, Anforderungen, Funktionen, Leistungen, Bereiche der Messung, Ressourcen, Budget, Kosten, Ideen, Entwürfe, Spezifikationsqualitätskontrolle, Einflussabschätzung und evolutionäres Projektmanagement zu einen einheitlichen Konzeptraum zusammenfassen, mit dem die Stakeholder, Solution Provider und Subject Matter Experts untereinander auf genormte Art und Weise kommunizieren können, um ihre Ziele zu erreichen. Insider wissen, dies geht u.a. auch d' accourd mit der Intention der Best-Practice Modellen von CMMI und SPICE.
Tja, natürlich hat die Sache wie immer ein paar Hacken:
1) Der Kompetenzanspruch an die Mitarbeiter Planguage anzuwenden ist doch erschreckend hoch. - Expertenlevel in System, Requirements, Business und Software Engineering! Das sich genügend Experten in einem Unternehmen zusammenfinden, dass groß genug ist um Planguage sinnvoll zu praktizieren, halte ich in der nahen Zukunft für unwahrscheinlich. Mir fallen auf Anhieb in der deutschen Großindustrie auch nur zwei Unternehmen ein, die absehbarer Zeit das Zeug dazu hätten - Siemens und BOSCH. Weil mir bekannt ist, dass diese Unternehmen nahzu brutal ihre konzernweite Prozessreife vorantreiben.
2) Die Idee unternehmensweite Konzepträume mittels einer formalen Sprache wie der in einer symbolischen Ausrollung (Text[Tags]) von Planguage durchzuführen, gilt in den letzten Jahren leider schon wieder als Out. Der aktuelle Trend geht mehr dahin die konnektivistische Verbindung der Tags aka Merkmale von Konzepten in IT Systemen abzubilden und zu verbinden - Stichwörter bidirektionale Traceability, Ontologie, Wissensinfrastruktur, semantische Netze, Message-, Service- und Ereignisorientierung. Nicht nur in Unternehmenslösung, sondern auch im e-Government, e-Science, e-learning etc. auch als Basis für Automationsprozesse.
3) Gerade in den letzten Jahren sind Wissensinfrastrukturen aufgetaucht, die sowohl noch tiefgründiger aber auch zusammenfassender aufgebaut sind als Planguage, insbesondere in der e-Science Community.
Trotz Allem kann ich die Aspekte, die Hr. Gilb zur Konzeption selbst anführt, auch nur Jedem ans Herz legen, der das ganz große Big Picture bauen will. Das Werk ist für ein Elsevier Buch mit Vorkenntnisse noch relativ locker zu lesen.
Fazit: Expertenbuch! Als solcher kaufen!