David Steidl- Rast: Common Sense, Die Weisheit, die alle verbindet- Sprichwörter der Völker; Claudius Verlag, September 2009.
Der katholische Christ, David Steindl-Rast bietet der Kirche eine Überraschung an. Überraschung deshalb, weil Sprache ein wichtiges Verständigungsmittel und Kriterium auf dem weltanschaulichen Markt darstellt.
Mitte der fünfziger und sechziger Jahre kam der Anstoß zur Erneuerung aus den großen Kirchen selbst, da die Notwendigkeit aktuell gewordener Reformen von innen her erkannt wurde.
Die römisch- katholischen Kirche stellte sich den aktuell gewordenen Fragen im 2. Vatikanischen Konzil mit Papst Johannes XXIII.
Den protestantischen Kirche wurde u. a. durch Paul Tillich, Dietrich Bonhoeffer, Karl Barth und Rudolf Bultmann ein erweitertes Reden von Gott angeboten. 'Welchen Sinn hat es, von Gott zu reden.' (Rudolf Bultmann1925, nach den Krieg aktuell geworden). Dorothee Sölle stellt menschliches Vermögen und Engagement theistischen Gottesvorstellungen (Papa -wird's -schon -richten -Theologie) gegenüber. Sie votiert für atheistische Sichtweisen, die ihre eigenen dadurch herausstellen: 'Wir selber sind verantwortlich für den jetzigen Zustand der Welt.'
In beiden Entwicklungen waren große Chancen, die sich Kirche selbst - und dem gesellschaftlichen Leben gab.
Stellt sich die Frage, ob Kirche sich nicht selbst ihrer eigenen Reformer beraubt hat und damit gleichzeitig ihrer eigenen vielfältig mitgebrachten Potentiale.
Dies vorausgesetzt, führte das dazu, dass sich diese Vielfältigkeit im weltanschaulichem Geschehen, auf die von Kirche aufgegebenen Möglichkeiten verlagert hat. Die ehemals kirchlichen Potentiale sind in andere Hände übergegangen.
Vielfalt, die in beiden Kirchen lebendig wurde, sucht sich der spirituell Interessierte gegenwärtig bei Eckhart Tolle, Paolo Coelho, Neale Donald Walsh (Herausgeber der 'Gespräche mit Gott') und in östlichen Philosophien.
Weltanschaulichen Möglichkeiten vermehren sich auf dem weltanschaulichen Markt in Relation dazu, wie sie bei Kirche ausgeklammert werden. Der Erfolg der spirituellen Angebote auf anderen Märkten geht weiter steil nach oben.
In der protestantisch begeisterten Phase, war Platz für Zweifler und Andersdenkende, für mehr politisch, Umwelt - und Tierschutzengagement und 'Frieden Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.'
In der römischen Kirche führte das von der Forderung der Aufhebung des Zölibats, bis zur Akzeptanz anderer Religionen.
Beide kirchliche Reformbewegungen entwickelten sich ansatzweise weiter.
Die aufgenommene Offenheit und Vielfalt, hielt dem Druck sich selbst erhaltender Institutionen nicht stand.
Was immer im Einzelnen zu diesem Richtungswechsel und damit Abstürzen auf dem Weltanschauungsmarkt führte, muss mit innerkirchlicher Selektion zusammenhängen.
Gegenwärtige weltanschauliche Marktbewegung zeigt, dass die Aktien für die kleiner werdenden, großen Institutionen, nicht gerade hoffnungsfroh stimmen, obwohl man sich vielerorts sehr bemüht.
Auch wenn zu beklagen ist, dass die Reformatoren des 20. Jahrhunderts in ihren eigenen Institutionen nicht gehört wurden:
'Immer ist die Chance gegeben, wenn man danach Ausschau hält,' sagt jedenfalls ein alter chinesischer Spruch. David Steidl- Rast bietet eine verbindende Sprache für Kirche jetzt an. Die Botschaft des Neuen Testaments in einer gegenwärtigen christlich-kirchlichen Sprache lautet dann: 'Verbunden mit' an. Der gesunde Menschenverstand, der 'Common Sense' ist Voraussetzung. Eine Vorraussetzung, die jeder mitbringt. Common Sense, darf auch als 'gemeinsame Suche nach dem Verbindenden' verstanden werden.