Seit ewigen Jahren schlagen sich die Techno- und Metal-Fans gegenseitig buchstäblich die Köpfe ein, und wünschen sich dabei stets die Pest an den Hals. Freunde werden diese beiden Musik-Szenen zukünftig sicher nicht werden. Dennoch gibt es heutzutage immer mehr Bands, die heftige Stromgitarren-Mucke mit tanzfähigen Elektronic-Beats zu kombinieren wissen. Was damalige Pioniere wie PITCHSHIFTER begonnen haben, führt das britische Quartett ENTER SHIKARI auf ihrem zweiten Album "Common dreads" zu einer perfekten Symbiose. Mal ganz ernsthaft, noch nie zuvor ist einer anderen Band eine derart furiose und authentische Genre-Verbrüderung gelungen, wie auf diesem tollen 50-Minüter. Geht nicht - gibt's nicht !!!
Und auch wenn "Common dreads" erst seit einigen Wochen in den Plattenregalen steht, lege ich mich bereits jetzt fest, dass diese Scheibe in einigen Jahren Klassiker-Status erreichen wird. ENTER SHIKARI agieren auf den 15 Tracks absolut "open minded" - und treten dabei alle bestehenden Klischees traditioneller Rock/Metal-Musik quasi mit Füßen. Das dies natürlich auch eine Vielzahl Nörgler und Puristen auf den Plan rufen dürfte, ist daher schon so sicher, wie das Amen in der Kirche. Und all diejenigen sollten "Common dreads" auch tunlichst meiden, wie der Teufel das Weihwasser.
Es ist ja im allgemeinen sehr schwer, Musik überhaupt mit Worten zu beschreiben. Bei ENTER SHIKARI ist es jedoch noch schwieriger - beinahe schon unmöglich. Versuchen möchte ich es dennoch. Also wer sich da draußen ein komprimiertes, fett-rockendes, unglaublich detailverliebtes "joint venture" aus Bands wie THE PRODIGY , BILLY TALENT , SCARS ON BROADWAY , LINKIN PARK (vor allem die Refrains!) , CHEMICAL BROTHERS , LOSTPROPHETS , DUB WAR , FAITHLESS , SYSTEM OF A DOWN , SENSER , CLAWFINGER und alten MY CHEMICAL ROMANCE vorstellen kann, der sollte sich umgehend in den Plattenladen seines Vertrauens begeben, und "Common dreads" abgreifen. Songs wie das geile Einstiegs-Triple "Solidarity" , "Step up" , "Juggernauts" sowie die hitverdächtigen Tanzflächenfeger "No sleep tonight" , "Antwerpen" und "Hectic" (Oberhammer!!!) explodieren förmlich vor musikalischem Input, und entwickeln in Dauerrotation allerhöchstes Suchtpotential. Bei Tracks wie "Wall" und "Gap in the fence" gehen ENTER SHIKARI dann etwas gemäßigter zu Werke, und laden zu kleinen Trance-Spazierfahrten ein. Während "Havoc A" und "Havoc B" nichts als reinster Trip-Hop sind, brilliert das durchgeknallte "The jester" dafür mit einem Mix aus feinen Big-Band-Arrangements, fiesem Aggro-Riffing und irren Computer-generierten Melodien. Eigentlich ist es kaum zu glauben, was diese Band auch anpackt...es funktioniert einfach !!! Lediglich den etwas zu abgedrehten Nerven-Zwirbler "Zzzonked" hätte man sich verkneifen können.
Wer hinter diesem genreübergreifenden Sound-Overload jetzt eine reine Spaßtruppe vermutet, der ist übrigens komplett schief gewickelt. ENTER SHIKARI nehmen ihre Sache nämlich bierernst. Schon das bedeutungsschwangere Intro "Common dreads" - basiert auf der eindeutigen Message "We must unite!" - macht bereits zu Beginn unmissverständlich klar, dass die Briten in ihren Songs auch politische Inhalte transportieren. Diese Band hat tatsächlich einiges zu sagen...und das macht das Gesamt-Paket ENTER SHIKARI umso interessanter.
Fazit: Geile Band, geile Scheibe, geile Sache !!! Die Chart-Offensive kann hiermit beginnen.