Jimmy, ältester Spross der Dubliner Arbeiterfamilie Rabbitte, hat einen Traum: Zu den ganz Großen im Musikgeschäft gehören - das wär's! Im Unterschied zu vielen seiner Altersgenossen träumt der junge Mann allerdings nicht von einer Karriere als Sänger oder Musiker, sondern spielt stattdessen im Geiste schon mal durch, wie ein Interview zwischen BBC-Radiolegende Terry Wogan und ihm, dem erfolgreichen Bandmanager Jimmy Rabbitte (Robert Arkins), ablaufen könnte.
Eine Vorstellung davon, mit welcher Art von Musik die imaginäre Band die Charts gestürmt hat, hat Jimmy natürlich auch schon: "Dublin Soul" soll es sein. An Selbstvertrauen mangelt es Jimmy nicht, wohl aber an talentierten Musikern, aus denen sich eine entsprechende Band formen ließe. Was tun? Schnell ist eine Anzeige in die Zeitung gesetzt ("If you've got soul, Dublin's hardest-working band is looking for you. PS: Rednecks and southsiders need not apply.") - sehr zum Missfallen von Jimmys Vater (wunderbar: Colm Meaney), der solche Eskapaden für Geldverschwendung hält und der als eingeschworener Fan des "King" of Rock'n Roll außerdem über Jimmys Soul-Faible ohnehin nur die Nase rümpfen kann.
Trotz der Warnung, Hinterwäldler und feine Pinkel bräuchten sich gar nicht erst bewerben, findet sich bald eine ziemlich illustre Klientel im Hause der Rabbittes ein: vom Boy George-Verschnitt über alternativ angehauchte Damen mit Faible für Joni Mitchell und Joan Baez bis hin zum Led Zeppelin-Fan und zur kompletten Cajun-Combo fühlen sich offensichtlich eine ganze Menge von Leuten angesprochen. Irgendwann lockt der Auflauf sogar einen nichts ahnenden Kerl an, der Jimmys Anzeige nicht einmal gelesen hat. Warum er sich trotzdem eingereiht habe? Tja, er habe halt gedacht, Jimmy verkaufe Drogen.
Peu à peu schart Jimmy Rabbitte dann aber doch noch die richtigen Kaliber um sich: In Buskontrolleur Declan (toll: Andrew Strong) findet sich ein stimmgewaltiger, leider aber auch sehr von sich eingenommener Frontmann, und selbst die drei dekorativen Backgroundsängerinnen, die vorher bestenfalls im Kirchenchor gesungen haben, entwickeln mit der Zeit auch die gewünschten stimmlichen Qualitäten.
Voilà! "The Commitments" ("All great bands were 'the' somethings", weiß Jimmy) sind geboren, und den zaghaften Einwand des Saxophonisten, ob man nicht vielleicht ein bisschen zu weiß sei für eine überzeugende Soul-Formation sei, hat Jimmy inzwischen ebenfalls entkräftet.
Die Argumentationskette lautet dabei wie folgt: "The Irish are the blacks of Europe. And the Dubliners are the blacks of Ireland. And the Northsiders are the blacks of Dublin". Und deshalb lautet, nach einer kleinen Stadtbücherei-Nachhilfestunde mit einem James Brown-Video, die Parole natürlich auch ganz im Geiste des großen Vorbildes: "Say it loud - I'm black, and I'm proud!"
Seit Alan Parkers Film im Kino zu bewundern war, ist eine Menge Wasser die Liffey hinabgeflossen, und es hat sich einiges getan am Selbstbild der Iren im Allgemeinen und wohl auch an dem der Dubliner im Besonderen. Der wirtschaftliche Boom, den die Grüne Insel ab Mitte der 90er Jahre erlebte, bescherte Irland neue Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe wie in der Dienstleistungsbranche (nebst den einschlägigen Bausünden, die anscheinend unvermeidliche Begleiterscheinungen von Wirtschaftswundern sind), und so ist das Bild, das "The Commitments" von Dublin zeichnet, heute wohl nicht mehr so treffend wie noch zu Beginn der 90er Jahre. Damals freilich erkannten sich so viele irische Kinozuschauer in den Helden von Alan Parkers Tragikomödie, dass der Film im Nu zum Kassenschlager wurde. Der Erfolg wiederholte sich auf dem Kontinent und in den Staaten: "The Commitments" trafen offensichtlich nicht nur den Nerv irischer Kinogänger.
Kein Wunder, denn das, was den Charme der Figuren in "The Commitments" ausmacht, ist universell: Auf Menschen wie Jimmy Rabbitte und Bands wie "The Commitments" stößt man nicht nur in irischen Proberäumen. Überhaupt ist Parkers Film eng an der Wirklichkeit entlang gestrickt. Das fängt schon damit an, dass es sich beim Gros seiner Darsteller um Laien handelt, die in "The Commitments" erstmals vor der Kamera stehen. Gerade im Fall von Sänger und Frontmann Andrew "Decko" Strong ist das geradezu frappierend, denn das damals gerade mal 16 Jahre junge Stimmwunder wurde seinerzeit nicht ohne Grund von der Musikpresse als eine Art neuer Joe Cocker gefeiert. Und was für die Figuren im Film gilt, gilt auch für die Darsteller: der größte Teil von ihnen hat keine Karriere im Showgeschäft eingeschlagen, sondern geht mehr oder minder alltäglichen Jobs nach; selbst um Andrew Strong ist es inzwischen reichlich still geworden.
Der Film um den schnellen Aufstieg und den jähen Fall der Dubliner Soulband "The Commitments" aber ist heute so gut wie damals - wer den Film kennt, stimmt sicher zu: Die Geschichte, die der Film erzählt, ist im besten Sinne volksnah, steckt voller Mutterwitz und hat, wie könnte es anders sein, jede Menge Seele. Mein persönliches Fazit lautet jedenfalls: "The Commitments" ist neben "Blues Brothers" meine liebste musikalische Komödie; allerdings, und hierin liegt der wesentliche Unterscheid zu John Landis' Film, kommen in Alan Parkers Film auch die leisen Zwischentöne nicht zu kurz: die Helden in "The Commitments" sind die so genannten kleinen Leute, und ihre Geschichte erzählt davon, wie schnell Seifenblasen zerplatzen können.
Die DVD
... bietet zusätzlich zum Film
* Making Of 'The Commitments'
* Alan Parkers Film-Biographie
* Musikvideo 'Treat Her Right'
* Teaser-Trailer
* Original-Kinotrailer; Booklet
Positiv fällt auf, dass es sich bei dieser Ausgabe um eine farbkorrigierte Version handelt - eine RC2-DVD, die bereits vor Jahr und Tag für den englischsprachigen Raum aufgelegt worden ist, ist auffällig rotstichig; hier hat man dankenswerterweise Abhilfe geschaffen. Allerdings unterschlagen sämtliche deutschen Ausgaben des Films beharrlich das umfangreiche Bonusmaterial der Version für den US-Markt - schade!
R e s ü m e e
Gegen die zwei DVDs der famos ausgestatteten "Collector's Edition", die in den USA erschienen ist, verblasst sowohl die britische als auch die deutsche Version, weshalb man bekennenden Fans der Films guten Gewissens leider auch nur den RC1-Import zum Kauf empfehlen kann. Der bietet unter anderem einen sehr hörenswerten filmbegleitenden Audiokommentar des Regisseurs Alan Parker und gewährt Aufschluss darüber, was aus den Mitgliedern der Film-Band geworden ist. Dagegen nimmt sich das zusätzliche Material der bislang erschienenen deutschen Editionen sehr mau aus. Um nicht zu sagen: Hier hat es bei der Zusammenstellung an Seele gefehlt.