"Um bessere Wasser zu befahren, setzt in meinem Geist das Schiffchen nun die Segel und lässt so grausame See hinter sich....". Die "grausame See", das war das Inferno, war die Hölle, durch die uns Dante im ersten Teil seiner "Göttlichen Komödie" geführt hat. Und zwar in der neuen, man darf ruhig sagen, epochalen Übersetzung durch den Romanisten und Danteforscher Hartmut Köhler.
Aus der "Hölle" nun also ins "Fegefeuer", oder wie Köhler übersetzt hat, auf den "Läuterungsberg". Wieder führt Vergil den Leser über 33 Gesänge und über viele Stufen vom Fuße des Läuterungsberges, auf dem die sieben Sünden: Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Habsucht, Fressgier und Triebhaftigkeit abgebüsst werden müssen, hin zur Läuterung, die den Eingang ins Paradies verspricht.
Wie schon beim ersten Teil des Weltgedichts des Dante Alighieri (1265-1321) haben wir es hier - wie Köhler überzeugend bewiesen hat - mit einer großartigen Übersetzung zu tun, die vor allem dadurch glänzt, dass es in eine wunderbare, flüssige Prosa übertragen worden ist: klug, phantasievoll, verständlich und äußerst unterhaltend. Was besonders hervorzuheben ist: der brillante Kommentar. Auch hier wurde Großes von Hartmut Köhler geleistet. Nichts bleibt unerklärt oder unkommentiert. Es werden nicht nur Wörter und Bilder erklärt, es werden Zusammenhänge dargestellt. Dies alles hilft natürlich zum Verständnis des Werks, ist aber zugleich ein immenser Zugewinn für den Leser. Der italienische Text kann übrigens - auch das ein Plus - auf der jeweils gegenüberliegenden Seite vergleichend mitgelesen werden.
Wer dann lesend an der Spitze des Läuterungsberges angekommen ist, trifft auf die berühmte Beatrice. Bekannt war sie bereits aus Dantes "Vita Nuova", bevor sie in der "Göttlichen Komödie" als Dantes Führerin durch den Himmel zu weltliterarischem Ruhm gelangt. Im 30. Gesang begegnen wir ihr: "... so sah ich sie... die Frau, die mir zuvor noch vom Blumenregen verhüllt erschienen war.... Zwar ließ der Schleier, der ihr vom Kopf herabwallte, ... sie noch nicht deutlich erkennen, doch sprach sie mit hoheitsvoll königlicher Geste...: 'Schau nur gut her! Ich bin es wirklich, bin wirklich Beatrice...'"
Ihr also werden wir im "Himmel" wieder begegnen, wenn Hartmut Köhlers Übersetzung im nächsten Jahr vorliegen wird.