Ähnlich wie die beiden Workaholics Steven Wilson (Porcupine Tree), Neal Morse (ex Spock's Beard) und Roine Stolt (The Flower Kings, Agents Of Mercy) produziert auch Andy Tillison im regelmäßigen anderthalb Jahresrhythmus ein neues und musikalisch ähnlich fassettenreiches und melodisch abwechslungsreiches Werk. Dieses Mal beschäftigt sich der dauerproduktive Kopf extrem Kritisch mit dem Internet, und dem billigen Herunterladen von Musik, sowie dem Verfall der Moral und dem Abtriften der Gesellschaft in die absolute Bequemlichkeit.
Bereits im ersten Lied, dem 20-minütigen Longtrack - The Wiki Man - pfeifen, piepsen und schnattern begleitet von der Musik Mobiltelefone, Faxgeräte oder Internettelefone, und Tillison verwöhnt uns mit gewohnt komplexen, aber weniger harten Melodien als auf den bisherigen Alben. Dabei erfindet er das Rad dieses Genres zwar nicht neu, aber er versteht es nach wie vor den Zuschauer seine Musik eintauchen zu lassen. So befindet man sich schon sehr schnell in der schrecklichen Cyberwelt, die einem unmittelbar in ihren Bann zieht, und nicht mehr so schnell loslässt. Nach dem großen Opener folgt mit - The Mind's Eye - ein achtminütiger Song, der in sich, sehr viele unterschiedliche Stile in wechselhaftem Tempo, mal schnell und mal langsam vereint, bevor mit dem Song - Shoot me Down - der bisher textlich nachdenklichste Song der Gruppe aus den Boxen erschallt. Zwar gab es auf der letzten CD mit - Everyman's Forgotten Monday - ebenfalls ein sehr markantes und provokantes Stück, das aber weit weniger traurig daherkam, als - Shoot me Down.
Der vierte Song - Tech Support Guy - beginnt dann mit einem Anderson-ähnlichen Flötenintro, und vereint dann wieder alle bekannte Stärken von - The Tangent. Zu guter letzt gibt es mit dem Titel - Titanic Calls Carpathia - den zweiten "Longtrack-Happen" für die Genießerohren klassischen Prog-Rocks, der mit einem ganz interessanten, ja fast schon psychedelischen Intro, begleitet von einem wunderschönen Flötenspiel beginnt, und wenig später mit modernen klassischen Elementen einen tollen musikalischen Trip einleitet, der uns durch viele musikalische Klanglandschaften führt.
Die zwei Bonustracks sind eine sehr nette, aber nicht zwingende Zugabe, wobei der Genesis-Song - Watcher On The Skies - tatsächlich klingt, wie wenn ihn die Gruppe 1971 in dieser Bootleg-Qualtiät live aufgenommen hätte. In sofern ist die Version durchaus für Nostalgiker sehr interessant.