Coming Home: der Titel stellt den Compilern dieser Reihe schon eine Aufgabe. DJ Hell hat ihn quasi volkstümlich interpretiert und (fast) nur Musik aus Deutschland zusammengestellt (oder zumindest mit Deutschland-Bezug). Für Nouvelle Vague bedeutet Heimat wohl, da sind sie ihrem Namen verpflichtet, das Kino. Weshalb sich auf ihrem Beitrag zur Reihe nur Soundtrack-Stücke befinden.
Jazzanova, das umtriebige Produzenten- und DJ-Kollektiv hingegen hat sich für Stücke entschieden, die sie (auch) gerne zu Hause hören. Eine eklektische Soundwelt, in der sie sich wohlfühlen. Der Unterschied zu bisherigen Jazzanova Compilations ist, dass diesmal nicht nur die DJs im Kollektiv (Alexander Barck, Claas Brieler und Jürgen von Knoblauch, die auch die Radiosendung unter dem Namen Jazzanova machen), sondern auch die Produzenten (Stefan Leisering und Axel Reinemer, die auch seit 2009 mit einer 9-köpfigen Liveband als Jazzanova touren) Stücke ausgewählt haben. Coming Home zeigt somit alle Facetten der Einflüsse aus denen der spezifische Jazzanova Sound schöpft.
Als Einstieg haben Jazzanova ein Stück mit einem programmatischen Titel gewählt. That's Us/Wild Combination von Arthur Russell. Das sind wir: eine wilde Kombination. Das trifft es schon ganz gut. , erklärt Alex Barck stellvertretend für Jazzanova. Klar haben wir unterschiedliche Geschmäcker, jedoch vereint uns immer ein gemeinsamer Nenner Wenn einer von uns mit einer Entdeckung ankommt, können wir darauf vertrauen, dass die was taugt.
Arthur Russell ist eine legendäre New Yorker Type, die sowohl in der Avantgarde-Szene der Stadt in den späten 70ern unterwegs war als auch in der Disco-Szene. Bekannt sind vor allem seine Disco Produktionen wie Loose Joints Is It All Over My Face und Dinosaur Ls Go Bang . Wild Combination zeigt die sanfte und musikalisch sehr offene Songwriter-Seite des Cellisten und Sängers. Man muss sich in diese Sachen erst reinhören, aber dann wirken sie um so mehr. , sagt Alex. Das sind meist die besten Sachen. Stücke die nicht gleich beim ersten Mal zünden, dafür aber um so länger nachwirken.
Als nächstes folgt eine Ausgrabung aus den Archiven des Stiff Labels. Rachel Sweet aus Akron/Ohio war die 16-jährige Gewinnerin eines Talentwettbewerbs des britischen Labels. Die Betreiber des Labels waren in Akron, um Kondome für eine Marketingaktion herstellen zu lassen und machten sich, da sie nun schon mal da waren auf die Suche nach neuen Talenten. It's So Different Here ist ein Stück ihres Debut-Albums Fooling Around von 1978, das in England zu einer kleinen Disco Hymne wurde. Tensnake haben kürzlich ein Remake produziert.
Behold These Days, Berlin '74 ist ein Song aus dem Jazzanova Soundtrack zu dem Tanztheater-Stück Belle et fou . Es ist eine Hommage an den Symphonic Soul der 70er und speziell an Charles Stepney, der wegweisende Platten mit Rotary Connection, Minnie Riperton und Terry Callier aufgenommen hat. Für Jazzanova markiert der Song den Übergang von Sample basierter Produktionsweise zu der organischen, mit üppiger live Instrumentierung eingespielten Musik, die das letzte Jazzanova Album Of All The Things zu einem InstantKlassiker machte.
Auch so einer, der aus dem Stand zeitlose Klassiker schreibt, ist José González. Sein Bandprojekt mit Elias Araya und Tobias Winterkorn heißt Junip. Alex beschreibt sie als die krautige Variante seiner Musik. José gehört zu den Künstlern, die man gar nicht schlecht finden kann. Der ist Konsens bei uns allen.
Dann nimmt die Zusammenstellung an Fahrt auf. How I Got Over war die erste Single aus dem gleichnamigen letzten Album von The Roots. Ein souliges Stück fetten HipHops von der Band die HipHop live spielt, nicht programmiert. Questlove, der Drummer der Roots war unsere er