Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brilliante Analyse der Neunten Kunst !, 16. September 2003
Eine stattliche Harry-Potter-Brille in rundem Gesicht, eine schwarze Wuschelfrisur, ein kariertes Jackett - mit diesen sparsamen Strichen selbstporträtiert führt uns Scott McCloud durch die wunderbare Welt der Comics - das Medium, das durch Synthese von Bild und Sprache eine ganz neue Kunst schuf ! Das ganze Buch ist als Comic angelegt. Am Anfang steht die Geschichte des jungen Scottie, der in der achten Klasse von der Comicsammlung eines Freundes so gepackt war, daß er beschloß, Comiczeichner zu werden. „Ich hatte das Gefühl, daß in Comics etwas verborgen lag. . .etwas, das noch nicht ausprobiert worden war. Eine Art UNSICHTBARE KRAFT ! . . . Natürlich war mir klar, daß die meisten Comics primitiver, schlechtgezeichneter, halbgebildeter, ramschiger Kinderkram sind. . . Aber eben nicht alle !" Alsdann betrachtet McCloud die frühen Beispiele solcher "sequentiellen Kunst" und findet sie in einem präkolumbischen Faltbuch, im Teppich von Bayeux und in altägyptischen Malereien - wohlgemerkt nicht in den Hieroglyphen , der Bildschrift ! Comics gibt es seit Jahrtausenden ! Die These vom Ursprung des Comics in amerikanischen comic strips des ausgehenden 19.Jhs., wie sie von bornierten Köpfen immer noch vorgetragen wird - und selbst in der Moderne hatten diese strips Vorläufer in den Bildgeschichten von Rodolphe Töpffer und Wilhelm Busch ! - wird somit ad absurdum geführt. Freilich werden nach dieser großzügigen Betrachtungsweise selbst viele Ölschinken der Renaissance zu Comics, da in diesen häufig in einem Bild mehrere Szenen eines Geschehnisses dargestellt werden - allerdings glaube ich, daß McCloud mit dieser Deutung vollständig einverstanden wäre ! Im zweiten Kapitel betrachtet er die Sprache der Comics, ihre Symbole und die Faszination, die von der Vereinfachung der bildlichen Darstellung ausgeht. Was heißen soll: mit einem Smiley kann man sich viel leichter identifizieren - wie es beim Chatten ja ständig gebraucht wird - als mit einem realistisch gezeichneten Gesicht, das nur wenigen Personen ähnelt. Interessant sind die von McCloud entworfenen Diagramme, wie beispielsweise die Einordnung einer jeden Comicfigur in ein Dreieck mit den realistischen Zeichnungen links unten, den vereinfachten rechts unten und den verfremdeten, zunehmend zweidimensional wirkenden an der Spitze - da läßt sich tatsächlich jeder Comic plausibel einordnen ! Im folgenden Kapitel widmet sich McCloud den verschiedenen Übergängen von Bild zu Bild („von Panel zu Panel"), und dem, was der Leser/ Betrachter dazwischen an Induktion leisten muß. Der Raum zwischen zwei Panels werde unter Fachleuten der „Rinnstein" genannt, weil in ihm häufig Blut fliesse, was in keinem der Panels aber zur Darstellung kommt - der Leser muß zwischen den Bildern lesen. . . Nun gut, lieber Scott, hier fehlt freilich noch eine Betrachtung zu kontinuierlichen , rinnsteinlosen Comics wie dem Teppich von Bayeux. . .! In weiteren Abschnitten wendet sich Scott dem faszinierenden Phänomen „Darstellung der Zeit" zu , dann der Darstellung von Bewegung, Empfindungen und Gefühlen, wobei er über einen Bogen von den expressionistischen Bildern des späten van Gogh und Munch zur eigentlichen Comic-Bildsprache schlägt. Zunächst analysiert er den Strich einzelner Comiczeichner - wie den von Robert Crumb oder Carl Barks. . . Dieses Buch beeindruckt durch seine verständliche Sprache, eine ausgewogene, nicht mit Details überladene bildliche Darstellung , doch am meisten durch die glänzende Analyse des Phänomens Comic, die nur an wenigen Stellen etwas übers Ziel hinauszuschießen scheint. Es gibt damit jedoch dem mitdenkenden Leser so manchen Anstoß zu weiteren Gedankengängen und sei jedem wärmstens empfohlen, der sich mit der Materie auseinandersetzen möchte ! McCloud ist für alle Anregungen, auch andere Meinungen dankbar : "Es lebe der Diskurs !" Man kann den Guten übrigens im Netz besuchen und erfährt mehr über seine Zukunftsvorstellungen vom Medium Comic. . .
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brilliante Analyse der neunten Kunst !, 7. Oktober 2003
Eine stattliche Harry-Potter-Brille in rundem Gesicht, eine schwarze Wuschelfrisur, ein kariertes Jackett - mit diesen sparsamen Strichen selbstporträtiert führt uns Scott McCloud durch die wunderbare Welt der Comics - das Medium, das durch Synthese von Bild und Sprache eine ganz neue Kunst schuf ! Das ganze Buch ist als Comic angelegt. Am Anfang steht die Geschichte des jungen Scottie, der in der achten Klasse von der Comicsammlung eines Freundes so gepackt war, daß er beschloß, Comiczeichner zu werden. „Ich hatte das Gefühl, daß in Comics etwas verborgen lag. . .etwas, das noch nicht ausprobiert worden war. Eine Art UNSICHTBARE KRAFT ! . . . Natürlich war mir klar, daß die meisten Comics primitiver, schlechtgezeichneter, halbgebildeter, ramschiger Kinderkram sind. . . Aber eben nicht alle !" Alsdann betrachtet McCloud die frühen Beispiele solcher "sequentiellen Kunst" und findet sie in einem präkolumbischen Faltbuch, im Teppich von Bayeux und in altägyptischen Malereien - wohlgemerkt nicht in den Hieroglyphen , der Bildschrift ! Comics gibt es seit Jahrtausenden ! Die These vom Ursprung des Comics in amerikanischen comic strips des ausgehenden 19.Jhs., wie sie von bornierten Köpfen immer noch vorgetragen wird - und selbst in der Moderne hatten diese strips Vorläufer in den Bildgeschichten von Rodolphe Töpffer und Wilhelm Busch ! - wird somit ad absurdum geführt. Freilich werden nach dieser großzügigen Betrachtungsweise selbst viele Ölschinken der Renaissance zu Comics, da in diesen häufig in einem Bild mehrere Szenen eines Geschehnisses dargestellt werden - allerdings glaube ich, daß McCloud mit dieser Deutung vollständig einverstanden wäre ! Im zweiten Kapitel betrachtet er die Sprache der Comics, ihre Symbole und die Faszination, die von der Vereinfachung der bildlichen Darstellung ausgeht. Was heißen soll: mit einem Smiley kann man sich viel leichter identifizieren - wie es beim Chatten ja ständig gebraucht wird - als mit einem realistisch gezeichneten Gesicht, das nur wenigen Personen ähnelt. Interessant sind die von McCloud entworfenen Diagramme, wie beispielsweise die Einordnung einer jeden Comicfigur in ein Dreieck mit den realistischen Zeichnungen links unten, den vereinfachten rechts unten und den verfremdeten, zunehmend zweidimensional wirkenden an der Spitze - da läßt sich tatsächlich jeder Comic plausibel einordnen ! Im folgenden Kapitel widmet sich McCloud den verschiedenen Übergängen von Bild zu Bild („von Panel zu Panel"), und dem, was der Leser/ Betrachter dazwischen an Induktion leisten muß. Der Raum zwischen zwei Panels werde unter Fachleuten der „Rinnstein" genannt, weil in ihm häufig Blut fliesse, was in keinem der Panels aber zur Darstellung kommt - der Leser muß zwischen den Bildern lesen. . . Nun gut, lieber Scott, hier fehlt freilich noch eine Betrachtung zu kontinuierlichen , rinnsteinlosen Comics wie dem Teppich von Bayeux. . .! In weiteren Abschnitten wendet sich Scott dem faszinierenden Phänomen „Darstellung der Zeit" zu , dann der Darstellung von Bewegung, Empfindungen und Gefühlen, wobei er über einen Bogen von den expressionistischen Bildern des späten van Gogh und Munch zur eigentlichen Comic-Bildsprache schlägt. Zunächst analysiert er den Strich einzelner Comiczeichner - wie den von Robert Crumb oder Carl Barks. . . Dieses Buch beeindruckt durch seine verständliche Sprache, eine ausgewogene, nicht mit Details überladene bildliche Darstellung , doch am meisten durch die glänzende Analyse des Phänomens Comic, die nur an wenigen Stellen etwas übers Ziel hinauszuschießen scheint. Es gibt damit jedoch dem mitdenkenden Leser so manchen Anstoß zu weiteren Gedankengängen und sei jedem wärmstens empfohlen, der sich mit der Materie auseinandersetzen möchte ! McCloud ist für alle Anregungen, auch andere Meinungen dankbar : "Es lebe der Diskurs !" Man kann den Guten übrigens im Netz besuchen und erfährt mehr über seine Zukunftsvorstellungen vom Medium Comic. . .
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geniale Analyse der Comic-Kunst, 2. April 2006
Beim vorliegenden Buch handelt es sich um einen Comic über Comics. Der Titel "Comics richtig lesen" mag zunächst etwas verwunderlich klingen, doch dahinter verbirgt sich eine ausgesprochen unterhaltsame, und vor allem erkenntnisbringende Einführung in das Phänomen Comic, das diese Kunstform in ihrer Vielseitigkeit, Hinter-und Tiefgründigkeit umfassend zu portraitieren versteht. Der Autor Scott McCloud höchstpersönlich führt den Leser in Form einer Comic-Figur mit Brille und karierter Jacke durch die Welt des Comics, anfangend bei der Definition des Begriffes. Danach widerlegt er die These, Comic sei eine sehr junge Kunstform, denn sequentielle Kunst in diesem Sinne waren bereits die Hieroglyphen der Atzteken und Ägypter, ebenso die biblischen Szenen mittelalterlicher Glasmalerei. So weit geht McCloud mit dem Leser zurück in die Geschichte der Kunst, um dem Comic nachzuspüren. Im Folgenden geht es um ein tieferes Verständnis der Inhalte und besonders der Darstellungsformen des Comics, und auch darum, wie man selbst als Leser am Wahrnehmungsprozess beteiligt ist (etwa durch die Induktion, d.h. das Gehirn erkennt das ganze bzw. meint, es zu erkennen, obwohl wir nur Teile davon wahrnehmen). Die Bedeutung der verschiedenen Übergänge zwischen den einzelnen Panels wird ebenso behandelt wie die Unterschiede zwischen europäischer und asiatischer Kunst, die ZEIT im Comic-Universum, die Darstellung von Bewegung, der Ausdruck von Emotionen und sinnlicher Wahrnehmung durch die Strichführung, das Verhältnis von Wort und Bild, der Prozess der Entstehung eines Comic und schließlich die Wirkung von Farbe. Sogar Exkursionen zu expressionistischen Künstlern wie Munch und van Gogh unternimmt der bebrillte Autor mit dem Lesern. All diese Themen sind dabei so fesselnd dargestellt, dass man sich gar nicht mehr von dem Buch losreissen kann, bis man es zu Ende gelesen hat. Der Autor erklärt einem diese Phänomene so tiefgehend und geradezu philosophisch (und dennoch leicht verständlich), das man auf jeden Fall dazu angeregt wird, sich auch eigene Gedanken darüber zu machen und Comics in Zukunft sicher bewusster lesen wird. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, die absurden Scherze, die immer wieder eingebaut sind, um das Thema zu illustrieren, bringen einen immer wieder zum Schmunzeln (z.B ein einzelnes Panel von einem kleinen Kind das sagt: "Mami, wieso bin ich keine Sequenz?"). Auf jeden Fall dürfte dieses Buch jene eines besseren belehren, die meinen, Comics seien keine Kunst! Die Vielseitigkeit und umfassenden Ausdrucksmöglichkeiten der Kunstform Comic werden einem hier deutlich vor Augen geführt. Das Buch empfehle ich allen, dich sich auch nur ansatzweise für Comics interessieren! Es gibt wohl kein originelleres, phantasievolleres und kurzweiligeres Buch (oder eher gesagt: Comic) über Comics!
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