Art Spiegelman
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Alsdann betrachtet McCloud die frühen Beispiele solcher "sequentiellen Kunst" und findet sie in einem präkolumbischen Faltbuch, im Teppich von Bayeux und in altägyptischen Malereien - wohlgemerkt nicht in den Hieroglyphen , der Bildschrift !
Comics gibt es seit Jahrtausenden ! Die These vom Ursprung des Comics in amerikanischen comic strips des ausgehenden 19.Jhs., wie sie von bornierten Köpfen immer noch vorgetragen wird - und selbst in der Moderne hatten diese strips Vorläufer in den Bildgeschichten von Rodolphe Töpffer und Wilhelm Busch ! - wird somit ad absurdum geführt.
Freilich werden nach dieser großzügigen Betrachtungsweise selbst viele Ölschinken der Renaissance zu Comics, da in diesen häufig in einem Bild mehrere Szenen eines Geschehnisses dargestellt werden - allerdings glaube ich, daß McCloud mit dieser Deutung vollständig einverstanden wäre !
Im zweiten Kapitel betrachtet er die Sprache der Comics, ihre Symbole und die Faszination, die von der Vereinfachung der bildlichen Darstellung ausgeht.
Was heißen soll: mit einem Smiley kann man sich viel leichter identifizieren - wie es beim Chatten ja ständig gebraucht wird - als mit einem realistisch gezeichneten Gesicht, das nur wenigen Personen ähnelt.
Interessant sind die von McCloud entworfenen Diagramme, wie beispielsweise die Einordnung einer jeden Comicfigur in ein Dreieck mit den realistischen Zeichnungen links unten, den vereinfachten rechts unten und den verfremdeten, zunehmend zweidimensional wirkenden an der Spitze - da läßt sich tatsächlich jeder Comic plausibel einordnen !
Im folgenden Kapitel widmet sich McCloud den verschiedenen Übergängen von Bild zu Bild („von Panel zu Panel"), und dem, was der Leser/ Betrachter dazwischen an Induktion leisten muß. Der Raum zwischen zwei Panels werde unter Fachleuten der „Rinnstein" genannt, weil in ihm häufig Blut fliesse, was in keinem der Panels aber zur Darstellung kommt - der Leser muß zwischen den Bildern lesen. . .
Nun gut, lieber Scott, hier fehlt freilich noch eine Betrachtung zu kontinuierlichen , rinnsteinlosen Comics wie dem Teppich von Bayeux. . .!
In weiteren Abschnitten wendet sich Scott dem faszinierenden Phänomen „Darstellung der Zeit" zu , dann der Darstellung von Bewegung, Empfindungen und Gefühlen, wobei er über einen Bogen von den expressionistischen Bildern des späten van Gogh und Munch zur eigentlichen Comic-Bildsprache schlägt. Zunächst analysiert er den Strich einzelner Comiczeichner - wie den von Robert Crumb oder Carl Barks. . .
Dieses Buch beeindruckt durch seine verständliche Sprache, eine ausgewogene, nicht mit Details überladene bildliche Darstellung , doch am meisten durch die glänzende Analyse des Phänomens Comic, die nur an wenigen Stellen etwas übers Ziel hinauszuschießen scheint. Es gibt damit jedoch dem mitdenkenden Leser so manchen Anstoß zu weiteren Gedankengängen und sei jedem wärmstens empfohlen, der sich mit der Materie auseinandersetzen möchte ! McCloud ist für alle Anregungen, auch andere Meinungen dankbar : "Es lebe der Diskurs !" Man kann den Guten übrigens im Netz besuchen und erfährt mehr über seine Zukunftsvorstellungen vom Medium Comic. . .
Ein sehr unterhaltsames, witziges und lehrreiches Werk, nicht nur für Comic-Fans.
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