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Comics, Mangas, Graphic Novels
 
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Comics, Mangas, Graphic Novels [Broschiert]

Heinz Ludwig Arnold
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Comics wurden lange pauschal als »triviale Unterhaltung« abgetan,
gewürdigt wurde bestenfalls ihre Zeichenkunst. Doch mit dem Genre
der »graphic novels« gewinnt seit einigen Jahren eine neue Gattung
zunehmend an Bedeutung, die das Interesse der Literaturwissenschaft
verdient. »Comic-Romane« wie etwa Art Spiegelmans »Maus« führen
eindrucksvoll vor, dass der Comic jenseits von Abenteuer und Klamauk
selbst Themen wie den Holocaust zu transzendieren vermag und sich
dabei einer äußerst originären grafischen Textur bedient.
Der Sonderband widmet sich erstmals umfassend der Frage, wie
der Comic mit Bildern erzählt, und spürt dabei in Porträts u. a. von
Will Eisner, Hugo Pratt, Pierre Christin und Jacques Tardi der Ontogenese
dieser Erzählkunst nach, deren Anfänge zurückreichen
bis zu Wilhelm Busch.
Mitarbeiter des Bandes sind Paul Derouet, Jonas Engelmann,
Dietmar Frenz, Christian Gasser, Anna Gentz, Dietrich Grünewald,
Urs Hangartner, Herbert Heinzelmann, Andreas C. Knigge, Wolfram
Knorr, Jens R. Nielsen, Andreas Platthaus, Klaus Schikowski und
Jannis Manolis Violakis.

Über den Autor

Prof. Heinz Ludwig Arnold, geb. 1940, ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als einer der besten Kenner der Gegenwartsliteratur bekannt. Er ist Herausgeber der Zeitschrift "TEXT + KRITIK", des "Kritischen Lexikons zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur" (KLG) und des "Kritischen Lexikons zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur" (KLfG).

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Zumindest jedem Literaturwissenschaftler dürfte «Text + Kritik» ein Begriff sein. Im 30. Jahr seines Bestehens ist beim renommierten Münchner Verlag nun der Sonderband «Comics, Mangas, Graphic Novels» erschienen.

Die Aufsatzsammlung darf als Indiz dafür gesehen werden, dass sich die Comicforschung langsam, aber sicher auch im deutschen Sprachraum innerhalb verschiedener Disziplinen in den Wissenschaften zu etablieren beginnt. Die im Inhaltsverzeichnis aufgeführten Namen der Autoren muten wie ein Who's who der deutschsprachigen Comicologen an: Beiträge verfasst haben neben dem umtriebigen Andreas C. Knigge Experten wie Andreas Platthaus und Wolfram Knorr - und mit Urs Hangartner und Christian Gasser sind auch zwei Autoren aus dem Raum Luzern vertreten. Nur einen Aufsatz von Cuno «Comix» Affolter, bekannt geworden durch seine Comic-Kolumne auf DRS3, sucht man vergebens.

Wie vom Verlag zugegebenermassen etwas vollmundig beworben wird, widmet sich der Sonderband «erstmals umfassend» der Frage, wie der Comic mit Bildern erzählt. Dies wird an Einzelanalysen zu den Werken unter anderem von Will Eisner, Hugo Pratt und Jacques Tardi illustriert. Einen sehr guten und auch für Nichtakademiker verständlichen Überblick über die Entwicklung des Mediums von den Anfängen bis heute bietet der Einführungstext von Knigge, dem Mitbegründer des Fachmagazins «Comixene» und ehemaligen Cheflektor des Carlsen Verlags. Weiterhin positiv ins Gewicht fallen die zahlreichen Bildbeispiele, die viel zum Verständnis der Texte beitragen. Leider vermisst man einen Index der erwähnten Künstler und Werke.

Einziger schwerwiegender Kritikpunkt: «Text + Kritik» legt - wohl quasi aus einer Art Abwehrhaltung heraus - den Fokus ausschliesslich auf von den Kritikern hochgelobte, kanonisierte Comic-Romane und Graphic Novels im Stile etwa von «Maus» und ignoriert «triviale», in Massenauflagen produzierte Comics etwa aus dem Superhelden-Genre konsequent. Damit wird dem Eindruck elaborierter Überheblichkeit und selbstgewählter Abschottung im Orchideenfach-Elfenbeinturm unnötigerweise Vorschub geleistet. Auch bei einzelnen Beiträgen sind immer wieder niederschwellige Rechtfertigungssignale zu erkennen. Dies rührt wohl tatsächlich daher, dass eine akademische Auseinandersetzung mit der etwa im frankophonen Bereich längst etablierten «neunten Kunst» im deutschsprachigen Raum tatsächlich lange verfemt war. Von dieser Warte aus betrachtet, muss «Comics, Mangas, Graphic Novels» als Wundenlecken und Schritt zur Emanzipation zugleich gesehen werden. (Inhaltsangaben der einzelnen Beiträge bei Comic-Check)
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Diese Übersicht über die behandelten Themen verleitet leicht dazu, dem Band voreilig indiskutable Unvollständigkeit vorzuwerfen. So spricht der Klappentext etwa davon, dass Graphic Novels wie Art Spiegelmans Maus" den Beweis liefern, sich im Comic auch abseits von Klamauk und Kulleraugen mit Themen wie dem Holocaust ernsthaft auseinandersetzen zu können, doch ein eigener Beitrag bleibt Spiegelman verwehrt. Der französische Comic wird nur" durch Namen wie Pierre Christin vertreten, einen René Goscinny sucht man hingegen vergeblich - von den Superhelden-Comics aus den Häusern Marvel und DC gar nicht zu sprechen. Die Liste könnte mit Hal Fosters Prinz Eisenherz", den brutalen Comics eines Frank Millers und dergleichen noch weiter geführt werden, welches Kaufargument könnte diesen Lücken also entgegengesetzt werden?

Gerade diese vermeintlichen Leerstellen sowie die tatsächlich Behandlung findenden Werke und Autoren machen den Wert des Sammelbandes aus: Zu Spiegelmans Maus" gibt es auch im deutschsprachigen Raum schon ansprechende Literatur - an dieser Stelle wäre etwa Ole Frahms Dissertation Genealogie des Holocaust" zu nennen - und auch Asterix, Tim und Struppi, Batman und Wolverine sind schon vergleichsweise wissenschaftlich ausgeschlachtet worden. Doch zu den autobiografischen Comics eines Robert Crumb, den historischen Bildgeschichten eines Jacques Tardi oder den ruhig von Alltäglichem erzählenden Mangas eines Jiro Taniguchi ist hierzulande bislang noch wenig veröffentlicht worden - wenn überhaupt. Der Band Comics, Mangas, Graphic Novels" durchstößt somit zugleich die Oberfläche des Mainstreams und zeigt, welch unglaubliche Vielfalt und künstlerischen Reichtum denjenigen erwartet, der bereit ist, über den kanonisierten Tellerrand à la Goscinny und Stan Lee hinauszublicken. Die Autoren und Herausgeber bereiten damit der Comicforschung hierzulande einen äußerst wertvollen Dienst, wie er bislang bedauerlicherweise allzu selten geleistet worden ist.

Naturgemäß bringen unterschiedliche Autoren unterschiedliche stilistische und wissenschaftliche Qualitäten in einen Sammelband mit hinein - ein Charakteristikum, welches auch vor Comics, Mangas, Graphic Novels" nicht Halt macht. Der erste Beitrag - die Einführung in die Geschichte des Mediums Comic von Andreas C. Knigge - ist zugleich einer lesenswertesten: Es ist einfach bemerkenswert, wie es Knigge schafft, auf knapp dreißig Seiten einen unterhaltsamen Abriss über die Entwicklung des Comics vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart abzuliefern und dabei zwar größtenteils beim US-amerikanischen Comic zu bleiben, gleichzeitig aber auch auf alle relevanten Bereiche wie die ligne claire", den japanischen Manga oder das noch junge Genre der Comic-Reportage zu sprechen zu kommen; als Einführung wirklich brillant. Auch Platthaus' Aufsatz über Carl Barks' Entenhausener Dramaturgie", Engelmanns Beitrag zu David B.s autobiografischen Comic-Erzählungen oder Knorrs Porträt von Will Eisner sind überzeugend konzipiert und interessant geschrieben. Nielsens Behandlung des Mangas bietet dem Manga-Interessierten wenig Neues, ist aber als erste kurz gehaltene Annäherung an den japanischen Comic durchaus zu empfehlen.

Was Heinz Ludwig Arnold und Andreas C. Knigge mit Comics, Mangas, Graphic Novels" vorlegen, ist nichts Geringeres als eine der wertvollsten Beiträge zur Befreiung des Comics vom Stigma infantiler Schundliteratur, die in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum veröffentlicht worden sind. Kleine Mängel können dem großartigen Gesamteindruck dieser vorzüglichen Sammlung nichts anhaben, das facettenreiche Spektrum des Mediums Comic wird entsprechend gewürdigt. Wer sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Phänomen der Bildgeschichten beschäftigen will, kommt um diesen Band ebenso wenig herum wie um Scott McClouds Understanding Comics" oder Will Eisners Comics and Sequential Art".
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Riyad Salhi TOP 1000 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
In den acht Jahren nach der Publikation von "Im Comic vereint" von Andreas Platthaus ist in deutscher Sprache nichts Brauchbares zur Theorie des Comics erschienen, da musste man mit eher amerikazentrierten Büchern Vorlieb nehmen, jenes von Douglas Wolk ist sicherlich das wichtigste. Nun schreiben wir das Jahr 2009, und endlich endlich bekommen wir eine Aufsatzsammlung von Gewicht, dann auch noch in der Reihe text+kritik, was einer Salbung des Genres gleich kommt. Nahezu gleichzeitig erscheint dann noch die Arbeit von Ole Frahm in der Fundus-Reihe und eine denkwürdige, lohnende Doppel-Ausgabe (49/50) des Magazins Reddition - somit wiederfährt der Theorie zu erzählenden Bildern mit Buchstaben und Sprechblasen endlich Gerechtigkeit, denn erst wo die Theorie sich bildet und nicht nur Historie sein will, beginnt die wahre Blüte eines Genres oder einer Erzählform. Der Begriff der Graphic Novel hat das Medium schon Ende der 90er feuilletonfähig gemacht, was sich ab 2003/2004 deutlich verstärkt hat - und jetzt werden Werke seziert, interpretiert, in Beziehung gesetzt, ein Kanon geformt, große Verlage entdecken diese Welt und nehmen sie ernst. Vor allem wird, insbesondere in diesem Buch, die Grammatik des Comics unter die Lupe genommen. Zwar ist hierzu schon viel geschrieben worden und schon in den 70ern - so von Will Eisner - aber dieser wissenschaftliche (und gut lesbare) Zugang ist dann doch neu. "Comics, Mangas, Graphic Novels" ist in jeder Hinsicht hervorragend: Die Auswahl der Themen, die flüssige Schreibe der Autoren ohne Fan-Getratsche, die hergestellten Bezüge, die Bildauswahl, die Ausgewogenheit und Länge der Texte, die gewonnenen Erkenntnisse für mich, die neuen Kaufideen, die sich daraus zwangsläufig ergeben (z. B. bezogen auf Alberto Breccia). Praktisch kein Beitrag hat mich gelangweilt, nur derjenige über Julio Cortazar fiel aus der Reihe. Jaja, selbst dieser Prosa-Schriftsteller hat das Szenario für eine Graphic Novel verfasst.

Zunächst führt der unvermeidliche Andreas C. Knigge in die Welt der Comics ein, beginnt ganz von vorne und streift zahlreiche Seitenarme in einer über hundertjährigen Entwicklung bis hin zu Sacco und Tardi. Das Verhältnis zwischen Literatur und Comic, das autobiographische Nacherzählen, das Adaptieren selbst von Proust wird im zweiten Aufsatz mit zahlreichen treffenden Beispielen dargestellt. Der Barksche Mikrokosmos wird von Andreas Platthaus auf den Punkt gebracht. Crumb, Eisner, Tardi und Pratt, zu letzterem gab es in Siena sogar eine liebevoll gestaltete Ausstellung (2005), werden in ausführlichen Beiträgen gewürdigt, und zwar so, dass man Lust auf mehr bekommt. Dann gibt es da noch ein ausführliches Manga-Kapitel. Alan Moore, insbesondere "Watchmen" (streng genommen nur ein Kapitel!), bekommt ebenfalls einige Seiten, Pierre Christin endlich ein Gesicht (wenngleich er nicht abgebildet ist) und "Die Heilige Krankheit" von David B., bereits von Douglas Wolk in "Reading Comics" umfassend gewürdigt, wird als das Meisterwerk beschrieben und betrachtet, das es zweifelsohne ist. Ein umfängliches Gespräch mit Dirk Rehm, dem Verleger von Reprodukt, rundet den absolut unverzichtbaren Band ab. Ihn nicht gelesen zu haben und sich für Comics, Graphic Novels und Mangas ernsthaft zu interessieren, das ist nicht möglich, einfach unglaubwürdig. Die Investition lohnt sich auf jeden Fall.
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