Nach sieben Publikationen gehört Anne M. Schüller zu den Stimmen, die gehört werden. Das finde ich deshalb gut, weil die diplomierte Betriebswirtin zwar von den traditionellen Marketingtheorien ausgeht, aber diese nicht stur durch alle Böden hindurch verteidigt. Anders gesagt, die Autorin nimmt aufkommende Zweifel am real existierenden Homo oeconimicus ernst und versucht altes mit neuem Wissen zu vereinigen. Ausserdem geht sie bei ihren Darlegungen so systematisch vor, dass sie leicht nachvollziehbar sind. Und obschon das Inhaltsverzeichnis im Dissertationsstil Schlimmes erahnen lässt, ist der Text sehr viel lockerer und unterhaltsamer.
Es ist schon erstaunlich wie Tausende von Marketingplaner sich im Planen austauschbarer Massnahmen verlieren, aber gegen die Abwanderung von Kunden so gut wie nichts unternehmen. Zumindest nichts Wirkungsvolles, das dort beginnt, wo es noch wenig kosten würde. Würde man nur die Hälfte von dem befolgen, was Anne M. Schüller empfiehlt, sähen Statistiken anders aus. Und die Unternehmensergebnisse ebenfalls. Es ist der Autorin nicht zu verübeln, dass sie von ihren Lesern ein ähnliches Verhalten erwartet wie Gymnasiallehrer von Schülern. Mein Fach ist das wichtigste, also setzt bitte genügend Zeit dafür ein, macht die Hausaufgaben und strengt euch an. Aber in der Praxis ist es dann meist so, dass man Abstriche am Programm macht, sich einige Punkte herausnimmt und der Systematik nicht mehr folgt. Diesem natürlichen Verhalten könnte man als Autorin oder Autor gerechter werden, wenn man es in die eigenen Darlegungen einbauen würde. Zum Beispiel mit einer Prioritätenliste oder abgespeckteren Versionen.
Mein Fazit: Wer sich dem Problem verlorener Kunden wirklich ernsthaft annehmen will, findet in diesem Buch genügend Material und Hinweise, wo man mit den Aufräumarbeiten beginnen und wie ein modernes Kundenmanagement aussehen könnte. Mir fehlen jedoch Hinweise, wie eine Schmalspurversion aussehen würde, wenn die notwendigen Ressourcen für das Schüller'sche Vollprogramm fehlen.