Seit der Reunion 2004 mit neuem, wechselndem Line-up sind House Of Lords richtig fleißig und beglücken uns in regelmäßigen Abständen mit frischen Alben. Von der Originalbesetzung ist nur noch Sänger James Christian mit dabei, dessen Baby die Band seit deren Wiederauferstehung ist. Christians angerauter, supercharismatischer Gesang war und ist das Markenzeichen der Gruppe und wäre auch am allerwenigsten zu ersetzen gewesen.
Der ursprüngliche Bandgründer, Gregg Giuffria, war bei der Reunion von Anfang an nicht mehr als offizielles Bandmitglied im Boot. Im Gegensatz zum vorhergehenden Longplayer World Upside Down, taucht er nun aber auch nicht mehr als tastenklimpernder Gast in den Credits auf. Keyboards, gespielt von James Christian, gibt es trotzdem noch. Für die 80er-Jahre-Reminiszenzen im Sound der Band und für einen runden Melodic Rock im allgemeinen sind sie unverzichtbar, auch wenn sie 'nur' in begleitender Funktion und in dem ein oder anderen Intro vorkommen.
Insgesamt untermauern House Of Lords auf "Come To My Kingdom" aber ihren Trend zu gitarrenlastigem Material, das härter rockt als früher. Man lausche nur mal den supercoolen, großartig groovenden Riffs von "In A Perfect World", "One Foot In The Dark" oder auch "In The Light". Das sind echte Hard Rock-Perlen! Bei dem nicht minder genialen "One Touch" wird der Hörer mit einem Intro aus Schmalz-triefenden 80er-Jahre-Glitzer-Keyboardklängen auf eine falsche Fährte gelockt, bevor dann ordentlich die Boxen wackeln. Apropos 80er-Jahre... eine astreine Produktion sorgt bei den Mördergrooves zusätzlich für einen ordentlichen Rumms, der im Gegensatz zu den Keyboards überhaupt nicht mehr nach 80s klingt.
Das macht die Band ganz prima: Ihre Musik spielt hier und heute, und trotzdem fühlt man sich angenehm an die Klassiker erinnert. 'Zeitlos' nennt man das wohl. Was sich nämlich einfach nicht ändern will, das sind die wunderschönen, aber nicht vorprogrammiert wirkenden Refrain-Melodien in äußerst attraktiven, bombastischen Schmacht-Chören. Die dazu gehörenden Backings singen James Christian himself und die ihm angetraute Robin Beck, wobei die Göttergattin deutlich stärker in den Vordergrund gemixt ist als auf den vergangenen Alben. Bei mindestens einer Hand voll Songs hört man sie richtig raus. Insbesondere "Even Love Can't Save Us" ginge im Chorus gut und gern als Beck-Song mit Special Guest James Christian durch.
Die Finger mit im Spiel hatte auf diesem Album auch Melodic Rock-Tausendsassa Tommy Denander. Aber gerade die Songs, bei denen er als Co-Songwriter auftaucht, nämlich "I Need To Fly" und "I Believe", zählen zusammen mit "The Dream" und "Your Every Move" zu den leicht schwächeren Momenten. Es handelt sich um etwas seichteren AOR-Aufguss ohne das Suchtpotenzial der oben erwähnten Stücke.
Dennoch darf man "Come To My Kingdom" als Liebhaber der Band blind kaufen. Wirklich schlechte Songs sind nämlich nicht drauf. Und der Wiedererkennungswert des 'Oberhauses' ist von vorn bis hinten ganz klar vorhanden. Die Kritikpunkte ergeben sich eigentlich nur aus dem direkten Vergleich mit dem überragenden Vorgänger "World Upside Down", bei dem kein einziger Song weniger als großartig ist.
Ein Höhepunkt der neuen Scheibe ist noch die sagenhafte Powerballade "Another Day From Heaven", die einem mit ihrer intensiven Atmosphäre und himmlischen Tonhöhen alle Sinne raubt. Als Bonus Track gibts den Song noch in einer äußerst lohnenswerten Klavierversion. Erwähnen muss man außerdem den Input von Gitarrist Jimi Bell, der am laufenden Band glücklich machende, melodische Frickel-Soli vom Stapel lässt.
Fazit: 'Oberhaus'-Fans greifen bedenkenlos zu! Und wer noch nichts von House Of Lords im neuen Jahrtausend hat, der nehme zunächst "World Upside Down". Die ist noch ein Tick besser - Qualitätsunterschiede auf hohem Niveau!