Norah Jones ist eine self-made woman, so zog es sie schon früh in die jazzigen Gefilde, in denen sie auch ihre Vorbilder und Einflüsse zu nennen weiß und schließlich nach New York, um dort, ganz konform der obligatorischen Bilderbuchkarriere, ihre erste CD "Come away with me" aufzunehmen, mit bisher mehr als respektablem Erfolg, in England ist die CD seit mehr als einem halben Jahr in den Top Ten positioniert.
Ähnlich begeistert zeigte sich auch das deutsche Jazz Publikum, auch die Prominenz wie z.B. Herbert Grönemeyer mochte die junge, dunkelhaarige und bildhübsche Sängerin. Und zu hundert Prozent nachvollziehen kann ich diese Euphorie eigentlich immer nocht nicht. Zu einheitlich scheinen mir Jones' Darbietungen, wenig dynamisch und wenig virtuos wird hier ein Lied ans andere gereiht ohne einen erkennbaren Faden zu hinterlassen. Dann gibt es einige Stücke die sich positiv hervorheben, wie zum Beispiel die Eigenkomposition "Come away with me", in dem Norah Jones' lasziv verführerische Stimme erst recht ihre volle Emotionalität entfaltet, natürlich die wunderschöne Single "Don't Know Why" oder auch das Hank Williams Cover "Cold cold heart".
Ihre Stimme ist sicherlich das musikalisch Positivste, was diese CD zu bieten hat, ein wenig ungeschliffen und hauchig, dunkel, nicht schrill, zurückhaltend, trotzdem voll und auf ihre ganz eigene Weise zuckersüß.
Dummerweise ist Jones' Begleitband, obschon besetzt von guten Musikern, meines Erachtens dann doch ein wenig zu seicht, und ihr Klavierspiel strotzt eben auch nicht vor Vitalität und Virtuosität, wirkliche Jazz Akkorde hört man eher selten, teilweise kommen sogar Erinnerungen an Country hoch, und so wartet man dann doch ratlos auf den Tiefgang und fragt sich, ob da nicht doch der Big Brother von der Marketingkampagne ein wenig unter die Arme gegriffen hat.
Gleichzeitig strahlt dieses Album eine wonnige Wärme aus, die es dann doch zu etwas ganz besonderem macht, woran eben einerseits Jones' Stimme nicht ganz unschuldig ist, sondern auch, und hier kommt die zweite Seite der Medaille, eben die immer ruhige und behagliche Begleitband. So muss man sich also entscheiden, wo man den Schwerpunkt setzen will. Erwartet man Tiefgang, Poesie und erdrückende Klangdichte, so ist dies sicherlich die falsche CD.
Erwartet man jedoch ein grundauf sympathisches, warmes und besinnliches Album für die Blue Hour bei einem Glas Rotwein und ein paar Oliven kann man hier eigentlich absolut nichts verkehrt machen.