motor.de
Kings Of Leon sind eine große Band. Dass sie jedoch all ihre Experimentierfreude verloren haben, beweisen sie nun mit „Come Around Sundown“. Die große Rockband Kings Of Leon hat 2010 kein gelungenes Album, sondern nur noch eine gute Single zu bieten. Das schnelle Tremolo am Beginn von „Radioactive“ nimmt den Hörer sofort gefangen. Der Song entstand noch zu „Aha Shake Heartbreak“-Zeiten und ist einer dieser typischen, packenden Kings Of Leon-Powersongs. Außerdem stellt „Radioactive“ die auf dem Album oft thematisierte Heimatverbundenheit der Band sofort in den Vordergrund: „It's in the water/ It's where you came from“, singt Caleb Followill im Refrain über einen Spiritual, der den Geschwistern schon seit Kindertagen vertraut ist. „Pyro“, auf der Platte direkt nach „Radioactive“, wiederum stellt hier den neuen Sound der Band dar. Eine Ballade über einen Menschen, der die Welt, in der er lebt, nicht perfekt findet und sie deswegen niederbrennt. Hochmütig steht dieser Track am Anfang ihres neuesten Werkes. Bei der letzten Bridge zum finalen Refrain, verstummen langsam alle Instrumente, Calebs klagende Stimme singt über der letzten ausklingenden Note „Watch her roll/ can you feel it...“. Dann tosen die Gitarren und das Schlagzeug wieder los. Man kann sich die Band geradezu bei einem Gig in einer übergroßen, ausverkauften Halle vorstellen, die im richtigen Moment in grelles Licht getaucht wird, während Glitzer von der Decke fällt und die Massen toben. Bis auf diese zwei Songs jedoch, finden sich auf „Come Around Sundown“ kaum Titel, die hängen bleiben. Ein Großteil der Spielzeit plätschert nur unscheinbar dahin, als dass sie den Hörer wirklich gefangen nimmt. Die Platte ist nur insoweit experimentell, dass sich auf ihr wirklich Country-Klänge inklusive Geigen, Mundharmonikas und Slide-Gitarren finden. Vor allem der Song „Back Down South“ ist eine Ode an dieses Genre und behandelt die Rückkehr in die alte Heimat der Jungs. Für eine Band, die solch einen großen Erfolg vorweisen kann und seit Jahren nur unterwegs ist, ist dies nach wie vor ein wichtiges Thema. „Babe I'm kicking off now/ If you want to go I'm gonna go/ I'm going back down south now“, singt Caleb erst solo, später dann mit ganzer Band und Crew. Eine große Familienbande sind sie und das gute alte Tennessee liegt ihnen immer noch am Herzen. So heißt es in „The Face“ auch „If you give up New York/ I'll give you Tennessee/ The only place to be.“ Viele der Texte handeln vom Reisen und dem Heimkommen, dem Weggehen, dem Zusammensein und dem Leben irgendwo. Kings Of Leon scheinen nicht zur Ruhe zu kommen. Trotz aller Enttäuschung leuchten dennoch zeitweise Hoffnungsschimmer auf: Der letzte Titel „Pick Up Truck“ ist ein verschlafenes Stück mit einer Basslinie im Vordergrund. Es erinnert an alte Qualitäten - ein starker Refrain, spärlich instrumentierte Strophen mit starker Stimme. Doch über die alten Zeiten wollten wir ja nicht mehr reden. Immerhin: Kings of Leon haben versucht ihr Spektrum zu erweitern. Doch leider bleibt es bei dem Versuch. Und dieser scheitert in seiner poppigen Belanglosigkeit, die sich nach Innovation und Experimenten sehnt und noch nicht einmal mit den Stadionrock-Qualitäten des Vorgängers mithalten kann.
Kurzbeschreibung
Zwei Jahre nach ihrem Multiplatin-Album "Only By The Night", das sich weltweit mehr als sechs Millionen Mal verkaufte, veröffentlichen die Kings Of Leon am 15. Oktober 2010 mit "Come Around Sundown" ihren fünften Longplayer. Die Aufnahmen fanden abermals unter der Regie von Angelo Patraglia und Jacquire King in den Avatar Studios in New York statt. Einmal mehr bestätigt das aus Nashville stammende Quartett seinen Ruf als extrem fleißige Band: nachdem die vier Musiker erst im Oktober 2009 ihr monatelange Welttournee beendet hatten, fanden sich Caleb, Matthew, Jared und Nathan Followill bereits im Februar 2010 wieder im Studio ein, um mit den Arbeiten an „Come Around Sundown“ zu beginnen.
Ihr viertes Album "Only By The Night" hatte die Kings Of Leon in den vergangenen zwei Jahren zu einer größten Rockbands Weltweit gemacht. Der Longplayer erreichte u. a. Platinstatus in Deutschland, brachte mit "Sex On Fire", "Use Somebody" und "Notion" mehrere internationale Hitsingles hervor und bescherte der Band vier Grammys.
Ihr viertes Album "Only By The Night" hatte die Kings Of Leon in den vergangenen zwei Jahren zu einer größten Rockbands Weltweit gemacht. Der Longplayer erreichte u. a. Platinstatus in Deutschland, brachte mit "Sex On Fire", "Use Somebody" und "Notion" mehrere internationale Hitsingles hervor und bescherte der Band vier Grammys.
kulturnews.de
Das fünfte Album der Kings Of Leon ist eine Verweigerungsplatte. Alle haben darauf gesetzt, dass die Familienbande aus Tennessee ihren Weg in Richtung Stadionrock konsequent weiter geht und dabei ein paar Hits à la "Sex on Fire" abwirft. Doch "Come around Sundown" bietet keine Refrains, die sich auf Anhieb mitsingen lassen. Ganz bewusst hält das Quartett diesmal die großen Gesten von Countryrock, Blues und Bluegrass fern, und dazu singt Caleb Followill mit seiner quäkigen Stimme programmatisch von der Sehnsucht nach Heim, Herd und himmlischer Erlösung. Als Geste kann man das gut finden, und dem Seelenheil der Bandmitglieder ist damit möglicherweise auch gedient - doch als Hörer bekommt man eben auch nur ein langweiliges Album, das in besseren Momenten vor sich hinplätschert, mit Kompositionen wie dem peinlichen Lagerfeuercountrysong "Back down South" aber auch die schlimmsten Südstaatenabneigungen befeuert. (cs)