Für meinen Umstieg von der klassischen Röhre auf einen aktuellen Plasma-Fernseher (LG 50PK350) wollte ich natürlich auch einen HD-fähigen SAT-Receiver mit guter Bildqualität für möglichst wenig Geld. Da man im Laufe der Zeit lernt, dass nicht alles was teuer ist, auch gut heißt und umgekehrt, alles günstige nicht gleich schlecht sein muss, habe ich mich zunächst auch gerne im untersten Preissegment der HD-Receiver umgeschaut.
Und wer das genauso tut, dem begegnen früher oder später die verschiedenen Modelle von Comag, die durchaus den Ruf genießen, eine sehr gute Bildqualität im SD- und HD-Bereich zu einem kleinen Preis zu bieten. Allerdings schwächelte bisher hier und da die Firmware und es traten Probleme von verschiedenster Art und Weise auf (asynchrone Lippenbewegungen oder zeitweise Klötzchenbildung bei HD-Sendern, mangelhaftes EPG usw.). Trotz eines hervorragenden, aber inoffiziellen Forums disqualifizierten sich damit für mich die bisherigen Modelle von Comag, bis schließlich der SL 40 HD auf den Markt kam.
Dieser basiert offensichtlich auf einer aktuelleren Hardware und hat praktisch keine der bisherigen Kritikpunkte: die beschworene Bildqualität sowohl im (skalierten) SD- als auch im HD-Bereich sind aus meiner Sicht hervorragend, es tritt keine Klötzchenbildung auf, das EPG funktioniert gut und ist ausreichend schnell gefüllt, selten bleibt mal die Liste leer, ein Umschalten hilft dann aber sofort. Selbiges geht auch bei den öffentlich-rechtlichen HD-Sendern übrigens angenehm schnell.
Über USB kann ein Speicherstick oder eine Festplatte angeschlossen werden. Hier kann von verschiedenen Bild-Formaten über MP3 bis hin zu Divx-Videos alles Mögliche wiedergegeben werden. Da ich jedoch meine PS3 als Media Center verwende, habe ich darauf keinen Wert gelegt und es somit auch nicht ins Detail getestet.
Absolut interessant ist allerdings die PVR-Aufnahmefunktion, die kaum beworben wird, aber durchaus vorhanden ist. So können im EPG einfach Sendungen markiert und mit einem Klick aufgenommen werden (aber Vorsicht, es muss ganz unten auch "Aufnehmen" ausgewählt werden, sonst schaltet der Receiver nur zu der angegebenen Zeit auf den gewählten Sender um). Auch Timeshift (zeitversetztes Fernsehen) ist mit diesem Receiver möglich. Sehr schön ist, dass während einer Aufnahme auch andere Sender ausgewählt werden können, sofern sich diese auf dem selben Transponder befinden (z. B. Kabeleins aufnehmen, Pro7 schauen ODER SuperRTL aufnehmen, RTL schauen).
Doch Achtung: Beim Betrieb mit einer Festplatte sollte man bedenken, dass im Gegensatz zu einem USB-Stick eine deutliche Verzögerung vom Drücken des Aufnahme-Knopfes bis zur Aufnahme erfolgen kann. Während bei dem USB-Stick die Timeshift- oder die normale Aufnahme sofort begonnen hat, benötigt die USB-Festplatte bis zum Beginn der Aufnahme circa 5-8 Sekunden. Ein Wert, der bei der normalen Aufnahme weniger störend ist (eine Minute hinzu planen), bei der Timeshift- oder Spontanaufnahme aber gerade so an der Schmerzgrenze liegt. Da dies aber offenkundig eine Sache des Speichermediums zu sein scheint, schreibe ich dies nur als Info ohne Bewertung für das Produkt. Dieses Verhalten wurde bei mir mit einer iOmega Select mit 500GB beobachtet. (ACHTUNG: Siehe Edit am Ende der Rezension.)
Störend empfinde ich dagegen die Uhr der Digitalanzeige, sobald das Gerät ausgeschaltet ist, da diese doch relativ hell leuchtet und bei einem abgedunkeltem Raum so ein leicht getrübtes Kinoerlebnis aufkommt, wenn man einen Film ohne Receiver schauen möchte. Allerdings kann man sich Abhilfe schaffen, indem man sich die Firmware des Xoro HRS 8500 installiert, welcher zumindest zum derzeitigen Stand auf Basis der Hardware baugleich ist. Dann bleibt bis auf das Startbild quasi alles gleich, aber die lästige Uhr ist weg: sehr erfreulich. Dies allerdings immer unter eigener Verantwortung. Schön finde ich auch, dass mit der aktuellen Firmware die Senderlisten ex- und importiert werden können.
Ein kosmetischer Nachteil für mich ist die Position der USB-Buchse an der Frontseite des Receivers, da hier unschön ein Kabel herausragt, wenn man eine USB-Festplatte dauerhaft anschließen möchte. Positiv ist allerdings, dass die Stromversorgung der USB-Buchse reicht, um diese sog. 2,5 Zoll Notebook-Festplatten anschließen zu können, ohne den Stromdieb des Y-Kabels verwenden zu müssen. Erfreulich für Besitzer einer klassischen Stereoanlage sind auch die analogen Audioausgänge (Cinch), besonders, wenn das Fernsehgerät diese Anschlussmöglichkeit nicht bietet.
Wer auch die verschlüsselten Programme mit diesem Receiver empfangen möchte, hat jedoch schlechte Karten. Da kein CI-Slot vorhanden ist, bleiben all die verschlüsselten Programme außen vor. Da dies jedoch im Vorfeld klar war, ich dies ohnehin nicht benötige und auch das schwächliche HD+ Konzept der Privaten strikt ablehne, ist das für mich absolut verschmerzbar.
Der Receiver selbst ist recht klein, macht aber einen gut verarbeiteten Eindruck. Eine LED signalisiert den Betriebszustand (rot = aus / grün = ein), eine gelbe Digitalanzeige zeigt numerisch die aktuelle Programmnummer an und im ausgeschalteten Zustand eine Uhr (siehe auch oben). Man sieht natürlich dem Receiver an, dass es sich hierbei nicht um ein hochwertiges Highend-Gerät handelt, aber diesen Anspruch erhebt er auch nicht. Besonders bemerkenswert ist auf jeden Fall der äußerst niedrige beworbene Stromverbrauch im Standby-Betrieb von etwa 1 Watt. Etwas zierlich ist die Fernbedienung, welche aber tadellos funktioniert.
Mein Fazit: Wer einen sehr günstigen Einsteiger-HD-Receiver mit hervorragender Bildqualität sucht und auch weiterhin auf den Empfang von verschlüsselten Programmen verzichten kann, dabei auch einen Stick oder eine Festplatte zum Aufnehmen anschließen oder verschiedene Dateiformate von diesen abspielen möchte, macht mit dem SL 40 HD ganz sicher nichts verkehrt. Auch als Zweitgerät macht der Receiver eine prima Figur. Wer auch von Firmware-Aktualisierungen nicht zurückschreckt, bekommt bei Bedarf von Zeit zu Zeit sogar neue Funktionen.
Voraussetzung für eine optimale Bildqualität ist natürlich die Verwendung eines HDMI-Kabels, welches - wie bei nahezu allen Geräten - nicht im Lieferumfang enthalten ist. Von meiner Seite gibt es sowohl für die sehr gute Bildqualität als auch für das hervorragende Preis-/Leistungsverhältnis volle fünf Sterne und meine Empfehlung in diesem Segment.
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Edit am 09.08.2010:
Also eines vorweg, ich bin immer noch sehr zufrieden und habe den Kauf nicht bereut, kann also nach wie vor den Receiver empfehlen. In Bezug auf die oben genannte Verzögerung bei Verwendung einer Festplatte habe ich inzwischen eine Lösung im inoffiziellen Support-Forum erhalten. Wird die Festplatte partitioniert und zum Beispiel eine Partition in der Größe von 125 GB verwendet, reduziert sich die Aufnahmeverzögerung auf sehr erträgliche 2 Sekunden.