Aus der Amazon.de-Redaktion
Selbst ist der Donot. Nach enttäuschenden Erfahrungen mit ihrer letzten Plattenfirma machen die Ibbenbürener jetzt alles im Alleingang und können mit einem erstklassigen, frischen Album überzeugen.
Probleme sind ärgerlich und kraftraubend, lassen jedoch auch den Charakter reifen und eröffnen neue Blickwinkel auf das Leben im Allgemeinen und das eigene kreative Schaffen im Besonderen. Die ehemaligen Teenie-Rocker Donots haben alle Fesseln der Musikindustrie abgeworfen, um in völliger künstlerischer Freiheit ihre bislang spannendste und lebendigste CD einzuspielen. Die druckvoll produzierte Scheibe punktet mit straffen, niemals kitschigen Ohrwürmern, die den ruppigen Charme von Billy Talent mit dem atmosphärischen Tiefgang von Blackmail verbinden. Deutschen Provinzmief sucht man hier genauso vergeblich wie möchtegernhippe Hektik oder pseudointellektuelles Geschwafel. Die Donots rocken einfach nur grundehrlich und sympathisch drauflos, und das dankenswerterweise auf höchstem Niveau.
-- Michael Rensen
Kurzbeschreibung
Ein Intro, elf Songs, 37 Minuten. "Coma Chameleon" ist inhaltlich und musikalisch ein Befreiungsschlag geworden. Entschlackt und befreit von unnötigen Ballaststoffen, und dennoch das vielseitigste, ideenreichste und weitläufigste Donots-Album. Klingt wie ein Widerspruch, ist aber in Wahrheit Konsequenz. Hier werden Kreise quadriert und Vierecke gerundet. Ein großer Schritt für eine Band, von der man dachte, sie zu kennen. "Coma Chameleon" ist ein Album, das für sich steht, begeistert und herausfordert. Die Donots haben sich für die Produktion der Platte ein Maximum an Freiheit und Unabhängigkeit zurückerobert: Fast zwei Jahre lang wurde an juristischen Tauen gezogen, bis die Donots aus ihrem alten Plattenvertrag raus waren. "Coma Chameleon" erscheint nun auf Solitary Man Records, dem Label von Sänger Ingo, das bis dato nur in Japan aktiv war und nun seine Aktivitäten auch auf Europa ausdehnt. Ein Risiko, sicher. Doch egal, wie das hier ausgeht: Es hat sich jetzt schon gelohnt. Denn "Coma Chameleon" platzt förmlich vor Freiheit. Stilistische Schranken? Über Bord damit. "Das könnt ihr so nicht machen"? Und wie wir können! Man kommt eben nur weiter, wenn man die Dinge anpackt und den Schritt ins Ungewisse wagt. Beziehungen, Menschen, das ganze Leben verändert sich ständig. Wenn das nicht so wäre, würden wir immer noch auf Bäumen sitzen, Bananen mampfen und den ganzen Tag Madball hören.
Tanzbare Rhythmen, Mitsingrefrains und satte Rock'n'Roll-Gitarren, die all jenen Tränen in die Augen treiben, die von der feindlichen Elektroübernahme die Nase voll haben: "Coma Chameleon" ist ein echter Kraftprotz und hat das Potenzial zur neuen Lieblingsplatte. Die Donots setzen auf bewährten Punkrock, wobei "Rock" dreimal fett unterstrichen ist. Dazwischen finden sich zielsicher platzierte Klavierparts, mal dramatisch verschwurbelt in "Killing Time", dann wieder stakkatoartig gehackt in "To Hell with Love". Dieser Song liefert außerdem den Beweis, dass die fünf Jungs aus Ibbenbüren auch beim siebten Album noch wissen, wie man rockt: Eineinhalb Minuten gibt es voll auf die Mütze - ein echter "Scheiß-drauf"-Kracher für alle, denen in der Liebe übel mitgespielt wurde. "Coma Chameleon" ist ein Album mit großer musikalischer Bandbreite - und einige der elf Stücke haben das Zeug, an den Allzeitkracher "What ever happened to the 80's" anzuknüpfen. (es)
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