Zuerst einmal vorneweg: auf der DVD/Blu-ray-Hülle zu "Columbus Day" stehen Sachen wie "Nach 'Spartan' der nächste Action-Kracher mit Genre-Ikone Val Kilmer!" - das ist schlichtweg eine Fehlinformation. Selten habe ich ein derart in die Irre führendes Cover gesehen. Gekauft habe ich mir den Film, weil ich nach Sichtung des Backcovers einen harten Action-Thriller erwartet habe. Zum Glück habe ich auch nichts gegen ein vernünftiges Thriller-Drama, denn genau das ist dieser Film. Am besten dem Cover, sowie auch dem Trailer, keine Beachtung schenken, da hier nur versucht wird dieses Drama als simplen Actionfilm zu verkaufen und so vielleicht mehr Käufer anzulocken. Wahrscheinlich wird das Ganze aber nach Hinten losgehen, da Action-Fans hier eben keine großartige Spannung geboten bekommen, sondern einen ruhigen und dialoglastigen Thriller mit vielen Dramaelementen. Sowas finde ich wirklich nicht gut - das ist gewollte Kundenverarsche! Aber egal, denn das ändert nichts daran, dass "Columbus Day" ein durchaus gelungenes Drama geworden ist.
Meisterdieb John Colone (Val Kilmer) möchte sich endlich in Florida zur Ruhe setzten. Zuvor will er jedoch einen letzten, großen Coup landen, der jedoch nicht so verläuft wie geplant: der Käufer der geklauten Ware springt plötzlich ab und John sitzt nun auf seinem Diebesgut. Dazu kommt noch, dass ihm sowohl die Polizei, als auch die Leute, denen er zuvor die Ware geklaut hat, hinterherjagen und er somit zuerst einmal im New Yorker Echo Park untertaucht, um von dort aus telefonisch einen neuen Käufer zu finden.
Das war auch schon die Story von "Columbus Day". Val Kilmer sitzt im Prinzip den ganzen Film über im Park und hält über Handy und Telefonzelle Kontakt zu seinen Gaunerkollegen, um einen Abnehmer für seine Ware zu finden. An sich klingt das nicht gerade spannend und wenn ich ehrlich bin ist es das auch nicht wirklich, jedoch habe ich ja oben schon die "Genreverwechslungsgefahr" angesprochen. Dieser Film lebt von seinem Hauptdarsteller, der im laufe der 90 Filmminuten versucht sein Gaunerleben hinter sich zu lassen und wieder eine Beziehung zu seiner Familie aufzubauen. Seine Frau hat ihn nämlich verlassen und seine Tochter hat er seit 3 Jahren nichtmehr besucht. Im Echo Park triff John nun den kleinen, neugierigen Jungen Esteban, der ihn in allerlei nachdenkliche Dialoge verwickelt, woraufhin er immer wieder Telefonate mit seiner Tochter, Ex-Frau, Freundin und Gangsterfreunden führt, um sein Leben wieder auf die richtige Bahn zu bringen.
Wie man vielleicht schon merkt ist "Columbus Day" ein eher ruhiges und stellenweise nachdenkliches Thriller-Drama, das zu 95% aus Dialog besteht. Der "Thrill" kommt vor allem durch die Situation, in der sich John gerade befindet. Jeder Mensch im Park könnte ein Gangster oder Cop sein, er kann Niemandem trauen. Zusätzlich wird in verhältnismäßig actionreichen, kurzen Rückblenden erzählt, wie er zu seinem Diebesgut gekommen ist. Die Thrillerelemente beschränken sich aber, wie gesagt, auf höchstens 10 Minuten, der Rest ist Dialog.
Die Gespräche wurden insgesamt gut gestaltet, sind häufig nachdenklich und ein wenig tiefgründig. Leider gibt es aber auch kleinere Ausnahmen, wie z.B. die meist total unnötigen Dialoge zwischen John und verschiedenen Passanten. Als er beispielsweise in der Telefonzelle steht kommt ein Mann vorbei, klopft an die Scheibe und meint nur "Hey, Sie?! Mein Handyakku ist leer..." - wow, sowas interessiert niemanden, trägt nichts zur Story bei und lässt manch eine Szene etwas lächerlich erscheinen. Hier hätte ein wenig Feinschliff gut getan. Überhaupt hätte die Story gerne ein wenig spannender ausfallen können. Ein gewisser Spannungsbogen ist zwar zu erkennen, aber eigentlich war mir bis kurz vor Ende egal, was kommen wird. Man fühlt, aber fiebert nicht mit den Charakteren mit. Trotzdem kann der Film bei Laune halten, sodass ich einige wirklich negative Meinungen im Internet nicht nachvollziehen kann.
"Columbus Day" ist zwar nicht das, was auf dem Cover steht, aber es handelt sich hier trotzdem um einen guten bis sehr guten Film. Sehr gut finde ich übrigens auch die Leistung von Val Kilmer. Obwohl dieser Top-Star der 90er (er hat schließlich in Filmen wie "Heat", "The Doors" oder "Top Gun" grandiose Rollen gespielt) in den letzten Jahren keinen großes Erfolg mehr hatte, weiß ich seine Filme immernoch zu schätzen. Zwar spielt er mittlerweile auch gerne mal in irgendeiner Gurke mit, aber (mehr oder weniger) Geheimtipps, wie "Kiss, Kiss, Bang, Bang", "Spartan" oder "Mindhunters" zeigen doch immer wieder, dass der Gute noch einiges drauf hat.
Naja, aber zurück zu "Columbus Day": die Schauspieler sind gut, die Inszenierung könnte besser sein, ist aber insgesamt vernünftig geworden und als ruhiges Drama betrachtet kann der Inhalt überzeugen. Ich kann es nur nochmal sagen: dieser Film ist kein Actionfilm, sondern ein Thriller-Drama, das gezielt auf den zwischenmenschlichen Bereich setzt und garnicht erst versucht eine atemlose Spannung aufzubauen. Ist man sich dieser Tatsache bewusst, wird man, meiner Meinung nach, sehr gut unterhalten. Daher vergebe ich eine, in anbetracht der vielen "schlechten" Kritiken, überraschend gute Wertung von
4/5 Sterne