Auch die sogenannten "neueren Folgen" aus der zweiten Ära sind mittlerweile schon wieder Oldies, die fast 20 Jahre auf dem Buckel haben. Die 9. Staffel umfasst einen tollen Columbo-Jahrgang: 1990. Enthalten sind in englischer Sprache die Episoden 50-55:
#50: MURDER: A SELF PORTRAIT (US-Premiere: 25.11.1989)
Skrupelloser Kunstmaler entledigt sich seiner ersten Frau; er hat ja noch zwei weitere.
Auch wenn ich ziemlich alleine mit meiner Meinung stehe: Diese vielfach kritisierte, aber ganz atmosphärische Folge liegt mir besonders am Herzen. Columbo als scharfsinniger Deuter der Albträume des Opfers - das hat echt Flair!
#51: COLUMBO CRIES WOLF (US-Premiere: 20.1.1990)
Columbo einmal auf Irrwegen! Den Mord an der Zeitungsverlegerin, den er aufzuklären versucht, hat es gar nicht gegeben. Columbo wurde erfolgreich an der Nase herumgeführt. Doch nicht umsonst heißt dieser geniale Fall auf Deutsch "Wer zuletzt lacht..."!
#52: AGENDA FOR MURDER (US-Premiere: 10.2.1990)
Anwalt wird von Gauner erpresst. Gauner wird ermordet und Selbstmord wird vorgetäuscht.
Patrick McGoohans dritte und (wie ich finde) beste Regiearbeit in der Serie. Den cleveren Mörder, den er selbst spielt, rechne ich zu den intelligentesten Columbo-Gegnern. Und wie der langsame Inspektor dem permanent gestressten Anwalt mit seinen Fragen die Zeit stiehlt, das hat Kultcharakter.
#53: REST IN PEACE, MRS COLUMBO (US-Premiere: 31.3.1990)
Die berühmte Folge, die auf der Beerdigung der stets unsichtbaren Mrs Columbo beginnt und dann den ungewöhnlichen Fall in Rückblenden erzählt. Ein vielgelobter Klassiker mit Gefühl. Und wieder mal wird der Zuschauer, der seit Ewigkeiten hofft, endlich einmal einen Blick auf Columbos bessere Hälfte werfen zu können, bis zum Schluss durch ihr Fernbleiben geneckt.
#54: UNEASY LIES THE CROWN (US-Premiere: 28.4.1990)
Die Angst vor Zahnärzten besteht zurecht, denn wie wir hier sehen, sind Zahnärzte nicht immer an der Gesundheit ihrer Patienten interessiert.
Steven Bochco, ein Columbo-Autor der ersten und zweiten Staffel, meldet sich mit einem ausgeklügelten Drehbuch zurück, in dem ein gehörnter Ehemann auf raffinierte Weise den Mord an seinem Nebenbuhler ausführt.
Columbo kommt hier besonders spaßig daher und löst den kniffligen Fall cool mit einem gefälschten Beweis.
#55: MURDER IN MALIBU (US-Premiere: 14.5.1990)
Tennisspieler erschießt in blinder Wut seine Verlobte, aber hinterher kommt heraus, dass sie schon vorher tot war, woraufhin der Mörder den großen Unschuldigen mimen kann, den alle bemitleiden.
Na gut, jede Serie muss einmal einen Ausrutscher vorweisen. Diese langweilige und nicht dem Konzept folgende Kriminal-Seifenoper stellt für mich den Tiefpunkt der gesamten Reihe dar.
Insgesamt ein astreiner Jahrgang, an dem der Columbo-Infizierte noch lange seine Freude haben wird. Wer nicht mehr auf die Erscheinung in Deutschland warten will, sollte nicht länger zappeln und die Filme in der Originalsprache anschauen. Peter Falks Sprechweise ist sowieso besser als die des schwerkranken Klaus Schwarzkopf, der nach dieser Staffel leider an AIDS starb und dadurch für deutsche Fans die Columbo-Welt ins Wanken brachte. Da lob ich mir die O-Ton-Fassungen, in denen Columbo 35 Jahre lang immer mit derselben schönen Stimme sprach.
P.S. (Oktober 2011):
Welche Episoden nun letztendlich in der deutschsprachigen Ausgabe gelandet sind, die sich "Staffel 9" nennt, aber nicht "Staffel 9" ist, das entnehmen Sie bitte den nachfolgenden Rezensionen.