Auch ich bin der Meinung, dass man zu COLUMBO im Allgemeinen eigentlich nicht mehr viel zu sagen braucht. Der eigenwillige Lieutenant mit dem ewig zerknitterten Trenchcoat und der ständig glosenden Zigarre, der immer noch eine Frage hat, um damit seine oft genialen Widersacher aus der Ruhe zu bringen, geht nun also in die 3. Runde.
Sehr positiv anmerken zu dieser Ausgabe möchte ich, dass die Synchronisierung endlich, endlich reibungslos funktioniert hat. Das oftmals nervenaufreibende Herumswitchen zwischen Deutsch-Englisch-Deutsch hat nun endgültig ein Ende gefunden. Somit kann man jede Episode der 3. Staffel fließend und ungestört genießen.
Tatsächlich haben sich in dieser Season einige der vielleicht besten Folgen der Kultserie versteckt. Nachdem COLUMBO vor allem ab Mitte der 2. Staffel (auch hierzu gibt's eine Rezension meinserseits - bei Interesse) zur (erneuten) Hochform auflief, setzt Staffel 3 die Reihe praktisch nahtlos fort.
Wenn man ganz genau aufpasst, könnte einem vielleicht auch auffallen, dass die oft (gelungenen) gebrauchten psychedelischen Elemente nach und nach aus der Serie verschwinden. Allmählich reduziert sich COLUMBO auf die Schlichtheit des Inhaltes. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist wohl dem Geschmack jedes einzelnen überlassen. Ich persönlich hab diese unheimliche Atmosphäre, die durch kunstvoll ausgestaltete Zwischensequenzen meist gelungen zur Verdichtung des Unbehagens eingebaut wurden, sehr gemocht. Gleichzeitig aber stört es mich eigentlich nicht, dass die Aufmachung der Serie aus filmkunsttechnsicher Sicht nun etwas schlichter präsentiert wird (wie gesagt findet in dieser Staffel sozusagen quasi der Übergang vom Einen ins Andere statt). Die Inhalte der einzelnen Folgen jedenfalls können überzeugen!
(Bewertungsschlüssel: + mies ++ naja +++ passabel ++++ geglückt/Kultfolge +++++ grandios/Megakultfolge)
Schon der Beginn mit EIN HAUCH VON MORD (noch recht "psychedelisch") ist ein gelungener Startschuss, wenngleich die Auflösung des Falles (im Verhältnis zu anderen Columbo-Folgen freilich) nicht gerade als Glanzpunkt gewertet werden kann, wie ich finde. MEINE BEWERTUNG: +++/++++
So richtig phantastisch wird's dann im darauffolgenden WEIN IST DICKER ALS BLUT, als COLUMBO einen wohlerzogenen Gentleman des Mordes überführen muss, weil diese seinen Bruder aus dem Weg geschafft hat. Die Charaktere des Mörders (Mr. Carsini) und Columbos ergänzen sich hervorragend. Man hat sogar den Eindruck, dass Columbo mit ihm sympathisiert, gewährt er ihm doch zum Schluss noch einen "Abschiedstrunk". Meines Erachtens ein HIGHLIGHT der gesamten Columbo-Reihe! +++++
In STIRB FÜR MICH entledigt sich ein skrupelloser Politiker seines Wahlkampfmanagers auf gerissene Weise. Aber natürlich lässt sich der Kultinspektor nicht hinters Licht führen. Ebenfalls ein Klassiker der Reihe. ++++
EIN GRÜNDLICH MOTIVIERTER MORD spielt im Filmmilieu (im weiteren Sinn). Hier wird die Psychologie der "Massenhypnose" bzw. der Beeinflussung der Massen (wenn ich das so nennen darf) für den einfachen Mann verständlich dargeboten. Auch eine Kultfolge! +++++
SCHREIB ODER STIRB zeigt die Auseinandersetzung zwischen Autor und Verlegern. Riley Greenleaf, der sich ein nahezu perfektes Alibi verschafft, ist ein würdiger Gegenpart zum schrulligen Inspektor. Was eben die Beschaffung des Alibis angeht (wird wie gewohnt zu Beginn des Films gezeigt) so handelt es sich hierbei um das vielleicht genialste Vorgehen eines Columbo-Bösewichts.
Die Auflösung scheint im Gegensatz dazu etwas an den Haaren herbeigezogen zu sein. Trotzdem eine gelungene Folge! ++++
In TEUFLISCHE INTELLIGENZ driftet Columbo für einmal in eine James-Bond-Atmosphäre ab, die der Staffel für dieses eine Mal aber recht gut steht, wie ich zugeben muss. Eine sehr "charmante" Folge, mit Liebe zum Detail. Den Plot selbst hingegen würde ich als eher durchschnittlich bezeichnen. +++/++++
SCHWANENGESANG spielt im Musikermilieu. Kein Geringerer als JOHNNY CASH himself bekleidet hierbei die Hauptrolle des Bösewichtes. Er täuscht einen wetterbedingten Flugzeugabsturz vor, bei dem seine verhasste Ehefrau und ein Mädchen zu Tode kommen. Cash spielt den Charakter eines wenig beherrschten Stars, der ebenso jähzornig als auch liebreizend (vor allem zu Fans) sein kann. Wenn Cash am Ende des Films sagt, er wäre hin- und hergerissen und hätte den Mord früher oder später sowieso gestanden, dann nimmt man ihm diese plötzliche "Softheit" nicht wirklich ab. Zu kaltblütig und berechnend hat er dazu die ganze Zeit über gehandelt. Und Columbo, der dann (abschließend) noch ergänzt (als einer seiner Songs im Autoradio gespielt wird): "Jemand, der solche Songs schreibt, kann in seinem Inneren kein schlechter Mensch sein!", trägt dann noch zusätzlich dick auf, so, dass der Eindruck entsteht, man wolle am Ende das Gutmann-Image eines echten Johnny Cash (vor allem gegenüber seinen echten Fans) wahren. Lässt man diesen fahlen Beigeschmack jedoch weg, so ist es alles in allem doch noch eine ganz gute Folge geworden, vor allem, was die Art des Mordes betrifft. +++/++++
MEINE TOTE - DEINE TOTE: Diesmal darf/muss Columbo sogar seinen eigenen Chef überführen. Dieser hat nämlich einem Freund ein Alibi verschafft, damit ihn jener wiederum deckt. Fast hätte er damit sogar Erfolg gehabt, aber Columbo durchschaut das intrigenhafte Spiel... Eigentlich eine sehr pikante Folge, wenn man bedenkt, dass man sie auch (wenigstens) als indirekten Angriff auf das "System Polizei" sehen kann. Sehr gelungen und überraschend ist die letztliche Auflösung des Falles und die Überführung des Täters... +++++
Fazit: Insgesamt setzt die 3. Staffel (fast) nahtlos bei der sehr gelungenen Vorgängerstaffel fort. Columbo manifestiert in gewisser Weise seinen Charakter und ergänzt ihn fallweise durch (situationsbedingte) zusätzliche "Marotten". Die Kunst des Filmemachens tritt dafür ein bisschen (finde ich wenigstens) in den Hintergrund - wenngleich die eine oder andere Folge noch sehr stark von bestimmten filmischen Elementen Lebt, wie etwa EIN HAUCH VON MORD oder TEUFLISCHE INTELLIGENZ.
Extras gibt's (wie bei allen Teilen der Staffel) keine. Mir persönlich gehen sie aber auch nicht ab. Es reicht schon, bei Bedarf die Originalstimmen hören zu können (wenn man auf Englisch umstellt), wenn man darauf wert legt.
Das Besondere an Staffel 3 ist vielleicht die riesige Bandbreite an Milieus, die abgedeckt wird. Vom Schönheitsimperium zum Verlagsgeschäft, über Psychologie in der Massenunterhaltung bis hin zum Countrystar (um hier nur einige Beispiele zu nennen), werden viele (freilich noble) Gesellschaftsteile unter die Lupe genommen. Sogar die Polizei selbst bleibt diesmal nicht verschont...
Mehr braucht man eigentlich dazu nicht mehr sagen. Eine sehr gelungene Staffel, die den Kultinspektor (abermals) in HOCHFORM zeigt.
Fans sollten die 3. Staffel deshalb unbedingt besitzen! (Das wird aber wohl ohnehin für die Gesamtkollektion gelten, fürchte ich.)
Zu dargebotenem Preis können aber auch "Laien" bedenkenlos zugreifen.
KRIMIKULT vom Feinsten!