...es wurde nicht enttäuscht. "I will love you Monday (365)" war ja schon vielversprechend, aber was Ms Dione hier ablegt, wird ihrem Namen gerecht: Songs mit einer eigenen Aura. Unkonventionell soft und zerbrechlich beginnt das Album mit "Glass bone crash", obwohl der Titel es ja eigentlich vermuten ließe. Stimmlich eine wunderbare Nummer. "Little Louie" steigert das Tempo ein wenig. Untermalt wird der tolle Text von einem leise-dängelden Banjo und spherischen Piano-Klängen. "Something from nothing" erinnert stilistisch an ihr Erstlingswerk "Song for Sophie", emotional und fantastisch zerbrechlich interpretiert - teilweise hatte ich das Gefühl Dolores O'Riordan zu lauschen, wenn das Lied nicht so wahnsinnig poppig wär. Angenehme Überraschung bietet der Rap im Mittelteil. "Stay the same" fällt auch wieder bestens aus dem Rahmen, mit dem Gitarrenriff am Anfang, dem Reggae-Rhythmus und wieder einer unverkennbaren Aura-Stimme. Das dreckig-schrottige Trompetensolo rundet die Sache zu einer angenehm-eigenständigen Nummer ab. "Picture of the moon" klingt vielversprechend, ist textlich auch nicht schlecht, braucht musikalisch aber mit seinen spherischen Balladenklängen noch ein wenig bis es komplett auf mich einwirkt. Faszinierend finde ich auf jeden Fall schon einmal die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme. "You are the reason" klingt ja textlich eher kitschig, wird aber von Aura mit so einer Inbrunst dargeboten, dass man ihr die textliche Klischeehaftigkeit für diesen Song auch gleich wieder verzeiht. Die Akustikgitarren-Schnörkel sind wieder orginell und lassen den Song nicht so in der Dramatik versumpfen. "Song for Sophie" ist schon einige Zeit bekannt, überrascht aber nach langem Nichthören wieder angenehm den Gehörgang und lädt zum Mitsummen ein. Es ist ja schon interessant, dass manche Lieder, die als Single ausgekoppelt werden, das Album so wenig repräsentieren. "I will love you Monday" ist zwar qualitativ sehr hochwertig, tatsächlich aber in Emotionalität und Tiefe das flachste Lied der Scheibe. Man könnte es geradezu als das Party-Lied der Platte abtun. Was keineswegs abwertend gemeint ist. Bei "Clean hands" bin ich wieder komplett in meinem Element. Wie schon der Starter "Glass bone crash" kommt hier eine Fragilität zum Tragen, die selten auf einer Popscheibe erreicht wurde. Ein fantastisches Kleinod einer Ballade und eine tolle Überleitung zu meinem Lieblingslied dieses Albums: "Are you for sale". Textlich und stimmlich einfach nur das Non plus ultra für mich momentan. Leider mit nur zwei Minuten unverschämt kurz. Das könnte man noch stundenlang weiterhören. Aber wozu gibt's schließlich den REPEAT-Button? "Antony" hat das Zeug zur nächsten Single, auch wenn es dann vielleicht kein Hit in den konventionellen Charts werden sollte. Mit ihrem Tracy-Chapman-Timbre auf diesem Song hätte sie die Chance auf die Independent-Pop-Krone. Abschluss der Scheibe - wie sollte es auch anders sein? - ist das "Lulla Goodbye" mit Spieluhreinleitung. Man fühlt sich zwischenzeitlich - nur von Auras Stimme getragen - wie in Watte gepackt und muss sich zwingen bei so einem Schlaflied einzuschlafen, denn das kann man aufgrund der fesselden Darbietung nun wirklich nicht. Das Lied strahlt zuguterletzt soviel Wärme und Optimismus aus, dass man mit einem Gut-fühl-Gefühl schließlich doch entschlummert. Aber erst, nachdem die Platte schon längst zu Ende ist. Aus vollem Herzen 5 Sterne. Großartiges Album!