Da ist sie also, die neue Between The Buried And Me Scheibe. Ein wenig skeptisch, ob der immensen Erwartungen nach dem Vorgängermeisterwerk Alaska, öffne ich die CD. Ich höre die jungfräuliche CD zum ersten Mal über Kopfhörer, damit ich auch in die Tiefe der Details abtauchen kann. Was nun passiert, das ist zum Teil nicht mit Worten zu beschreiben.
Eine Reise beginnt, nimmt mich mit seichten Klavierklängen und sanfter, hoher Stimme gefangen. Die Reise beginnt mit der Erkenntnis, dass es im Leben ständig auf und ab geht und, wie man da das Beste draus machen kann. Nach und nach entwickeln sich die Themen hin zu zur Selbstreflektion des Individuums in der Gesellschaft sowie der Rolle als Kunstschaffende Musiker im Spannungsverhältnis zwischen Anspruch, Business und Fanerwartungen.
Man hat hier also, auch wenn sämtliche Songs musikalisch gebunden sind, nicht unbedingt ein klassisches Konzeptalbum, aber alleine die Wiederkehr von bestimmten musikalischen Themen und Linien lassen durchaus die Vermutung nahe (so viel möchte ich nicht vorwegnehmen), dass es hier übergeordnet einen Sinn (neben der großartigen Musik) existiert. Dazu kann man auch die Bandhomepage besuchen, um weitere Interpretationen der einzelnen Songs einzusehen.
Musikalisch ist hier alles drin: Mathmetal, Queen, (Prog)Deathmetal (z.B bei dem Spastic Ink-Part in Foam b), King Crimson, Jazz bzw. Fusion, Klassik und alles, was in den letzten 20 Jahren an guter Musik rauskam. Auch harsche Wechsel machen hier immer Sinn. Die Songs sind noch einen Tick komprimierter als auf Alaska. Damit ist selbstverständlich nicht gesagt, dass sie leichter in den Kopf gehen. Wer das erwartet, soll Radio hören. Hier muss man sich, sollte man kein Musiker sein, der von der Genialität der Instrumentalisten zehren kann, den Genuss wirklich erarbeiten, da man hier alleine auf drei Songs trifft, die die magische 10-Minutenmarke locker überbieten. Bei progressiver Musik bedeutet das wirklich einige Hörarbeit. Aber das haben die großen Alben schätzungsweise gemeinsam. Wer hat schon beim ersten Hören die Tragweite von Dark Side Of The Moon oder ähnlichen Alben begriffen? Musikalisch haben sie durchaus ihre kleine eigene Nische gefunden: Den Song im Song. Irgendwie klingt das manchmal alles etwas nach Queen Bohemian Rhapsody . Diese Parts waren z.B. auch schon auf Alaska zu hören (das Ende von Selkies, den Ah Ah Ah Part in All Bodies). Ohne zu viel vorwegzunehmen (da hat man nämlich durchaus ein Schmunzeln auf den Lippen, weil sich die Musiker selbst nicht bis ins letzte Detail ernst nehmen): diese Parts wurden ausgebaut.
Soundtechnisch ergeben sich auch einige Neuerungen. Als Fan kann man sich quasi BTBAM Songs im Sound der The Anatomy Of-Coverplatte vorstellen. Natürlich ist die Produktion toll, es wurde auf Triggerschlagzeugsounds verzichtet (danke!), die Platte lebt und atmet, erdrückt einen nicht direkt, wie es so viele 0815 Produktionen tun. Hier steht wirklich die Musik im Vordergrund und nicht irgendein Soundtrend. Im Vergleich zu Alaska ist der Sound (noch) lebendinger geworden, kompakter, aber gleichzeitig auch eigener und ausgewogener, was hier nur vorteilhaft ist.
Kurzes Fazit: Wer auf harte, moderne Musik steht, musikalisch offen ist, wird das Album lieben. So einfach ist es. Was soll man noch sagen? Ich meine, sie haben hier ihr eigenes Meisterwerk geschaffen, etwas ähnliches wie z.B. das schon erwähnte Dark Side Of The Moon Album. Ich denke, man kenn es durchaus mit den Worten des letzten Songs White Walls beschreiben:
This is all we have when we die
It's what's left of us when we die
We will be remembered for this