Was Frau Damrau auf dieser CD zu Gehör bringt, ist schon beeindruckend - sowohl technisch als auch von der Modulationsfähigkeit. Man fragt sich allerdings, ob und wenn ja, welches Konzept dem Ganzen zu Grunde liegt. In dem booklet, in dem auch alle Arientexte auf Deutsch abgedruckt sind, äußert sie sich dahin gehend, dass sie nicht nur Stratosphärentöne produzieren, sondern dazu beitragen will, durch die Koloraturen Emotionen zu vermitteln, die über den Text hinausgehen. (Ich meine, dass dafür ein gutes Beispiel die Arien der Königin der Nacht sind, mit denen Mozart sicher nicht nur einer "kehlengelenkigen" Sopranistin einen Erfolg verschaffen wollte. Leider bringt sie aber die nicht zu Gehör - aus welchem Grunde auch immer.)
Und ich bin auch der Ansicht, dass ihre Interpretationen über die reine Artistik weit hinausgehen. So ist sie zwar nicht ganz so komisch wie Natalie Dessay in der Arie "Glitter and be gay" wie bajazet30 m.E. richtig bemerkt, dafür gelingt ihr aber eine tragischere Sicht, was ich sehr beeindruckend fand.
Auch habe ich einige der Arien von anderen Sängerinnen schon perfekter (Ich vermeide bewusst das Adjektiv "besser"!) gehört, mit dem Wort Referenz gehe ich aber vorsichtig um. Oft ist das m.E. auch Geschmacksache: So finde ich das "O mio babbino caro" am schönsten von Frau Rothenberger gesungen, und das "Caro nome" der Damrau kommt an die Interpretation der Guberova auch nicht heran, wobei ich in diesem Fall sogar von einer Referenz-Interpretation sprechen würde.
Insgesamt finde ich die Leistung der Künstlerin aber wirklich ganz ausgezeichnet, und es macht Freude, diese CD zu hören. Weshalb ich trotzdem nicht die volle Sternenzahl vergebe, liegt daran, dass ich irgendwie die Seele in allem vermisse, die hinter dem Glanz durchscheinen müsste.