Angesichts von über 300 Seiten in Vollfarbe liegt es nicht an den technischen Einschränkungen. Das Papier ist teuer, zu teuer für das Gebotene.
Ja, auf ICC-Farbprofilen basierendes Farbmanagement ist inzwischen ausgereift und funktioniert. Die Steuerung der Farbmaschine in DTP- und EBV-Software ist mir aber nach der Lektüre des Buches trotzdem ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Farbmanagement funktioniert in vielen modernen DTP-Applikationen durchgängig, jedenfalls wenn man alle Schalter findet. Auch Acrobat 5 ist hier gut aufgestellt, dort fehlen nur Kleinigkeiten und Photoshop 7 bietet auch eine sehr gute Farbmanagementunterstützung, nur Illustrator ist - ähnlich wie Freehand - noch rundum enttäuschend. Das Buch leistet keine wirkliche Hilfe und hat mich kräftig enttäuscht.
Im Grunde ist es ein Buch zu Farbtheorie aus Skripten und Büchern zusammengekupfert. Meist ist nichts Falsches, aber auch nichts Neues. Anstatt nützliche und zeitgemäße Beispiele wurde praktisch nur reine Theorie aufgearbeitet. Seitenweise wird Theorie abgedruckt, konkret wird es aber nicht. Obwohl soviele farbige Seiten verschwendet wurden. Der Autor vermeidet sein Buch sinnvoll zu bebildern. Mit Abbildungen aus modernen Programmen. Fehlende Farbtreue beim Druck war der Kaufgrund. Enttäuscht bin ich, daß auf diesen Hochglanz-Schinken kein einziges Beispiel fand und so bin ich genauso klug wie zuvor.
Erschreckend, daß niemand sich um das Fachliche sorgt und so landet jeder Blödsinn in Buchform als "Profibuch" im Händlerregal. Genauso krass Quark Xpress 5 von Schuler. Wieder dasselbe wie beim Color Management mit ICC-Profilen in der Praxis. Hunderte von Farbseiten, in popig bunten Tönen (bezieht sich auf Quark Xpress 5 von Schuler) , Inhalt gibt es weit und breit nicht (trifft auf beide Werke zu). Naja, das Quark Xpress 5 habe ich auch nur einmal gesehen. Die Händler haben lieber den Hügli - ISBN 3898422690 - (statt Schuler) im Regal, der verkauft sich anscheinend recht gut.
Zurück zum Thema. Offensichtlich wurde das Buch aus Zeitmangel oder Kostendruck nie kritisch fachlich korrigiert. Anders kann ich mir nicht erklären warum soviele Plattitüden und Binsenweisheiten ins Buch gelangen konnte. Und die wenigen Stellen an denen es fachlich gut ist, hätten es auch vor 5 oder 10 Jahren geschrieben worden sein. CieLAB, RGB, CMYK ist ja keine neue Idee. Wohl aber die Applikationen für den Color-Workflow. Die sind im Schnitt 2 - 3 Jahre alt und entlocken einem Profi nur ein mitleidiges Lächeln. Schade um die viele Seiten und vor allem mein Geld. Aber man lernt dazu.