Ich bin der Meinung, dass das Buch ein ganz klein wenig unter den Möglichkeiten eines 300-Seiten-Anfängerlehrbuches mit zwei CDs bleibt, im großen und ganzen aber ein gelungener Ansatz ist.
Was mich stört:
1. Es ist ein an sich sehr schöner Ansatz, dass der Buch beiden Schriften Raum einräumt und es dem Leser auch nicht erlaubt, sich auf das lateinische Alphabet zurückzuziehen. Bei den Vokabellisten am Ende längerer Texte stört es allerdings dann doch, wenn erwartet wird, dass das bislang nur in kyrillischen Buchstaben wahrgenommene Wort jetzt auch wiedererkannt werden soll, wenn es das nächste Mal in Lateinischen Buchstaben wiedergegeben ist (umgekehrt natürlich auch). Vielleicht stört das jetzt nicht jeden, ich tue mir damit allerdings sehr schwer, da ich geschriebene Wörter erst einmal als eine Art Bild wahrnehme und auf diese Weise natürlich in der anderen Schrift nicht ohne Mühe wiederfinde. Platz sparen hin oder her, aber die Vokabellisten müssten gerade in dieser Sprache dreigeteilt sein.
2. Die Texte (sowohl "Cultural Life in Belgrade“ als auch "The Gang“ – das aufgrund der negativen Konnotation dieses Wortes im Deutschen in jedem Kapitel aufs Neue irritiert und einen harmlosen Kreis von Freunden zum Thema hat) verschenken viele Möglichkeiten. Sie sind relativ kurz (noch kürzer als in den Büchern der Assimil-Reihe, und das heißt was), nicht sonderlich interessant (in den ersten sechs Kapiteln beschränkt sich "the Gang“ auf "zusammensitzen und trinken“. Die Dialoge sind entsprechend flach.) Dazwischen geistern noch John und Angela Brown auf touristischen Pfaden durch Belgrad, und auch die eine oder andere isolierte Textpassage kommt noch dazu.
3. Ziemlich willkürlich ist es allerdings, für welche Texte/Dialoge im Anhang zu den Lektionen Übersetzungen angeboten werden. Auch in den Anfangslektionen gilt das keineswegs für alle. Zudem ist die Anordnung der Übersetzungen im Anhang suboptimal (die Texte zu "Cultural Life in Belgrade“ sind zusammengestellt, die zu "The Gang“ auch, dann gibt es ein Unterkapitel "Übersetzungen zu sonstigen Dialogen“ und eines zu "Lösungen“. Zusätzlich mit Wortverzeichnis und grammatikalischer Übersicht wird der Anhang auf diese Weise ziemlich unübersichtlich.
4. Warum nur wird auf den CDs permanent Englisch getextet? Das fängt bei einführenden Worten zu den Texten an, die wie auch schon im Buch dem serbischen Text gelegentlich die Pointe wegnehmen und dadurch didaktisch nicht ganz sinnvoll sind, und endet bei der englisch gesprochenen Anweisung, eine englisch gestellte Frage auf serbisch wiederzugeben. Ich kenne einige Sprachlehr-CDs von verschiedenen Anbierten zu verschiedenen Sprachen, diese hier ist die erste, in der ca. 40 % der Textanteile am gesprochenen Text in einer anderen als der zu erlernenden Sprache gehalten sind.
Gut allerdings ist die Aufbereitung der Grammatik (optimiert auf englische Benutzer, die selbstredend bei der Frage "wozu benötige ich einen Dativ?“ etwas mehr didaktische Erläuterung benötigen als die Sprecher deklinierender Sprachen) sehr schön und geht auch ziemlich in die Tiefe. Ich würde mir noch ein paar Erklärungen wünschen, warum ein grammatisches Phänomen so ist, wie es ist, auch Querverbindungen zu anderen slawischen Sprachen wären nicht schädlich, trotzdem kann ich das Buch weiterempfehlen.
Wenn ich es mit dem unbrauchbaren, da komplett in Lautschrift gehaltenen Band "Kauderwelsch Serbisch“ vergleiche, ist das hier nicht nur Silber, sondern Gold!