Von den berühmten "Dornenvögeln" habe ich schon als Kind gehört.
Ich habe immer heimlich den Film mitgesehen und war von der verbotenen Liebe zwischen Priester und Mädchen fasziniert, in der Verfilmung zunächst von Rachel Wards roter Haarmähne und den Nachgesprächen meiner Familie über Danes tragischen Tod.
Mit elf, zwölf Jahren bekam ich das Buch dann in die Hände und habe es zum ersten Mal gelesen. Ich habe damals nie begriffen, was der Kauf der Puppe am Anfang des Buches für eine Bedeutung für den Gesamtverlauf des Werkes haben sollte. Im nachhinein wurde mir immer klarer, dass es sich auf Meggie Clearys Schicksal insgesamt beziehen musste: sie verlor das Kostbarste, das sie sich vorstellen konnte, indem andere Menschen sich in ihr Leben und in ihre Träume einmischten. - Je älter ich wurde, umso öfter habe ich das Buch gelesen. Ich konnte mich zunehmend mehr mit der Figur der Meggie Cleary identifizieren, bin sozusagen mit der Romanheldin selbst mitgewachsen. Vor allem das Motiv der unerfüllten Liebe und Sehnsucht zu einem für sie wunderbaren Mann, der alles andere über sie stellt und ihr (erst spät) trotz allem für kurze Momente auch seine körperliche Liebe schenkt, der Drang, gegen verschlossene Türen anzurennen, kam mir sehr bekannt vor. - Die Saga wird von vielen interessanten und auch liebenswerten wie auch kaltschnäuzigen Menschen bevölkert: Fiona, der Mutter, die ihr mögliches Glück mit ihrem Mann Paddy dem Gedenken eines vermeintlich größeren Liebe opfert und zu spät ihre Gefühle für Paddy erkennt; der gewalttätige jähzornige Frank, Fees "Einziger", der an Mutter und Schwester mit inniger Liebe hängt; der arbeitsame Paddy, der unter der Fuchtel seiner älteren Schwester steht und versucht, mit seiner Familie eine neue Existenz in Australien aufzubauen; die vielen Brüder Meggies wie auch ihr eigener Ehemann Luke O'Neill, deren Energie dem beruflichen Weiterkommen gilt; das liebenswerte Ehepaar auf "Himmelhoch", das Meggie aufnimmt, als sie aus unglücklicher Ehe kommend "Heilung" sucht; die Kinder Dane und Justine, die ihr Glück in Europa versuchen; Rainer, der Justine die Liebe geben will, die die Mutter ihr versagt... Dazu die ständigen Konflikte zwischen weltlicher und klerikaler Macht, gezeigt am Beispiel des ehrgeizigen Ralph und seines einfachen Lieblingsmädchens Meggie, der zuliebe er seine Zölibat einfach nicht aufgeben will/kann. Gegner des Zölibats werden einmal Grund mehr finden, diese eher überholte Regelung aus dem 11. Jahrhundert zu kritisieren. - Landschaft, Weltlage und verschiedene Gesellschaftsschichten werden geschildert - vom einfachen Schafscherer bis zu den Kirchenfürsten im Vatikan, der Zweite Weltkrieg, Buschfeuer, Kaninchenplage und immer wieder Staub, Fliegen und Hitze. Dazwischen das Idyll Matlock Island, das unerträglich feuchte Queensland und das von Dürre geplagte Neusüdwales. - Insgesamt ein faszinierendes Werk, das man immer wieder gut lesen kann, wenn man Hang zu Romantik vor gesellschafts- und weltpolitischem Hintergrund hat. - Außerdem ein persönliches Denkmal der Autorin an ihren verstorbenen Bruder, der in den 60er Jahren tatsächlich vor Kreta bei einem Rettungsversuch ums Leben kam.