Im Sommer 1984 gab es für mich (14jährigen) an siebzehn Mittwoch Abenden in Folge einen unumstößlich festen Termin: 21 Uhr, ZDF, die erste Wiederholung nach 12 Jahren von „Die 2" mit Tony Curtis und Roger Moore! Diese Serie dürfte wohl das beste Beispiel dafür sein, dass eine gelungene Synchonisation zwischen Erfolg und Mißerfolg einer Fernseh-Produktion entscheiden kann. Bestach das englische Original durch gepflegte Langweile im Dialogbereich und mäßigem Erfolg 1972 im britischen TV, machte der deutsche Synchron-Regisseur Rainer Brandt, der in der Serie auch Tony Curtis sprach, mit der erstmalig in dieser Form eingesetzten „Schnodder-Syncho" aus der deutschen Fassung eine TV-Kultserie, die einzigartig blieb. Nach der deutschen Erstaustrahlung 1973 verabschiedete man sich von seinen Freunden plötzlich mit „Tschüssikowski", glänzte bei der Bestellungen eines Wodkas in der Kneipe damit, dass man „einen russischen Landwein" wünsche und antwortete einer Politesse, die darauf hinwies, dass man hier nicht parken dürfe, mit „na, so schnell rostet der doch nicht!"
Die beiden Hauptcharaktere könnten (außer Ihrem Reichtum) von ihrer Herkunft gegensätzlicher nicht sein: Roger Moore spielt den standesbewußten, aber keiner Keilerei abgeneigten Lord Brett Sinclair, während Tony Curtis als Tellerwäscher und anschließenden US-Öl-Millionär Danny Wilde seine handgreiflichen Erfahrungen aus der Bronx und den „American-Way-of-Life" zu Schau stellt. Beide ergeben so ein im wahrsten Sinne des Wortes unschlagbares Duo im Kampf gegen das mehr oder minder organisierte Verbrechen. („Eine Rückenmarkslosigkeit Sondershausen!!") Die Fälle lehnen sich oft stark aneinander an. Ständig werden die beiden mit irgendwelchen gesuchten Personen verwechselt, es taucht immer eine Frau in Not auf (von beiden selbstverständlich umworben) und meist bleibt es nicht bei einer Schlägerei - deren zwei pro Episode sind nicht unüblich. So vorhersehbar die Stories auch sind, durch die von Brandt verfassten Texte, die mit dem Original-Drehbuch kaum noch etwas gemein haben, kringelt man sich in einigen Szenen noch heute vor Lachen. Ein Beispiel: Danny Wilde läuft durch ein Hotel-Foyer und stößt mit einem Herren mit schulterlangem Haar zusammen. Im englischen Original sagt Tony Curtis: „Excuse me!". In der deutschen Syncho bemerkt er hingegen trocken: „Zum Friseur geht's da lang!" Kurios, dass dann noch die Gesichter und Gesten der agierenden Personen zu den vom Original völlig abweichenden deutschen Dialogen wie die Faust auf blaugeblümte Auge passen. (Das französische Fernsehen übernahm übrigens wegen des enormen Erfolgs in Deutschland die deutsche Synchonfassung als Vorlage für die eigene Übersetzung!) Noch einer, weil's so schön ist: Sinclair antwortet auf Wildes Frage, ob er sein Jackett selbst gehäkelt hätte: „Ja, katholisch Mufflon in karamellblau." Das ist einfach so originell dämlich, dass es eine wahre Kunst ist! Und um bei der Kleidung zu bleiben: Dem Zuschauer werden sämtliche Auswüchse und geschmacklichen Verirrungen der farbenfrohen Siebziger-Mode in Vollendung präsentiert. Da tränt dann manchmal das Auge nicht nur vom Lachen. Die wirklich brillante Titelmusik stammt - quasi als Vorgeschmack von Roger Moores künftiger Filmheldenrolle - vom 007-Haus-und-Hofkomponisten John Barry. Auffallend ist auch, wie automobillastig „The Persuaders", wie „Die 2" im Original heißen, ausgestattet sind. So bewegt sich Lord Sinclair ausschließlich in seinem „Bahama-Yellow"-farbenen Aston Martin DBS (der optisch auf DBS V8 getrimmt wurde, weil der eigentlich V8 von Aston Martin zu Drehbeginn nicht fertig wurde) von Verbrechen zu dessen anschließender Aufklärung. Sportlicher ist Danny Wilde in seinem knallroten Ferrari Dino 246 GT unterwegs. Für uns Auto-Enthusiasten wird es in den Folgen ohnehin nicht langweilig: Da tummeln sich Triumph Spitfire, Jensen Interceptor FF, diverse MINIs, MGBs, Citroen H, Ford Corsair, Rover P5B, Jaguar XJ, Rolls-Royce Silver-Shadow, Karmann Ghia, Mercedes 600, Land-Rover und andere Juwelen und Kieselsteine des damaligen Automobilbaus über den Bildschirm. Nachhaltig ist mir aber eine Verfolgungsjagd mit einem Range-Rover in Erinnung geblieben, die man wirklich nur brutal nennen kann. Da der Range-Rover während der Dreharbeiten gerade erst seine Weltpremiere feierte, wollte British-Leyland dem staunenden Fernsehpublikum vermutlich demonstrieren, wie sich eine „Fahrt übers Land" mit dem allerersten der Edel-Geländewagen auf die extremste Art bewältigen lässt. „Kinder, lasst mir doch die Knochen ganz!" würde Wilde ausrufen