Dickes Buch, netter Einband, schöner Rücken: "Collecting Contemporary" der griffige Titel. Denkst Du Dir kaufst Du Dir mal, auch die Kapitel schauen auf den ersten Blick noch recht vielversprechend aus: Zu Wort kommen 6 verschiedene "Personengruppen", die Kunst kaufen, verkaufen, sammeln, kritisieren, bewerten, versteigern, wissenschaftlich aufarbeiten, ausstellen. Der Autor Adam Lindemann führt Interviews mit einem Kunstkritiker, mit mehreren Galeristen, Kunstberatern, Kunstsammlern, Auktionaren sowie Museums-Leuten. Ergänzt werden diese Interviews mit "more useful information", einem Glossar sowie einer Miniübersicht an Kunstmagazinen und Websites. Das Buch kommt vom Styling her toll daher, schöne, ganzseitige Abbildungen, dickes, hochwertiges Papier, teuer gemacht alles. Eher ernüchternd ist allerdings der Inhalt. Das Buch besitzt eine Aussagekraft, die in einen gut recherchierten Feuilleton-Artikel passen würde. Hier ist das alles aufgeblasen auf 300 Seiten. Da der Autor nur die "Big Players" der Szene befragt hat, sind die Namen, die fallen leider öde: Damien Hirst, Cy Twombly, Martin Kippenberger, Paul McCarthey, John Currin. Fraglos alles große Künstler, bloß wohl schon lange kein Geheimtipp mehr. Die zentrale Person des/der KünstlerIn selbst kommt im Buch nicht zu Wort, was ich als recht paradigmatisch für den gesamten Stil des Autors halte. Man will sich nicht mit dem Kleingedruckten aufhalten. Oder mit etwas, das zu sehr nach Inhalt riecht. Wichtig ist, so erklärt uns Lindemann, der selbst aus einer Sammlerfamilie stammt und in New York City als deklarierter Bush-Sympathisant längst alles Schäfchen ins Trockene gebracht hat, Investment, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Da braucht man den Kommentar aus dem Herz der Kunstszene nicht. Schade. So kann das Ziel des Buches nämlich dann leider auch nicht erfüllt werden: Wenn man also anfangen will zu sammeln, dann sollte man wohl eher die Galerie ums Eck besuchen oder in der Nähe von Kunst-Unis herumlungern, als 25 ¤ in dieses Buch zu investieren. Und sich eine einzige riesen Selbstinszenierung des Befragers und der Befragten im Buch zu ersparen.