Irgendwie hat niemand mehr ein so ganz gutes und überzeugendes Album der Amis erwartet. Zu angestrengt jugendlich, zu ernsthaft oder einfach zu gekünstelt klangen die letzten Studioalben. Keines wirklich schlecht, aber auch keines das an ihre Großtaten wie ,Automatic' oder ,Green' hätte anschließen können. ,Collapse' aber zeigt eine Gruppe die ihre Lockerheit wieder gefunden hat und diese optimal nutzt.
Der opene ,Discoverer' rockt zwar ganz gut, aber so ein ganz großer R.E.M. song ist das noch nicht. Da kann das stürmische ,All The Best'mit seiner alternativ-Rock Attitüde schon mehr überzeugen und noch besser ist dann der Folk-Pop von ,ÜBerlin'. Klingt ein wenig als ob man ,The One I Love' mit ,Drive' verheiratet hätte, aber so Hitmelodie-mäßig hat man die Gruppe schon lange nicht mehr erlebt. Und es wird noch besser: ,Oh My Heart' ist fast purer irish-folk mit - endlich wieder - auch einem (zwar kurzem, aber dennoch) Mitsingrefrain. Beim sich schön steigernden und hymnischen ,It Happened Today' hängt der Himmel dann sowieso voller Gitarren und man sieht beim ,Ohhohhohh' Refrain am Ende förmlich die brennenden Feuerzeuge vor seinem geistigen Auge.
Wahrlich entzückend ist das, an eine Spieluhr-Melodie erinnernde, ,Every Day Is Yours To Win', mit einem Gitarrenlick, das sich unwiderstehlich im Gedächtnis festsetzt. Mehr Ohrwurmigkeit (im besten Sinne) geht kaum mehr - vielleicht einer ihrer besten songs bisher überhaupt.
Alternative Pop-Rock ist dann auf ,Mine Smell Like Honey' angesagt, auf dem Sie erstaunlich frisch und fast fröhlich und ungestüm klingen. Das ruhigere ,Walk It Back' hat auch so eine fast kindliche, aber wunderschöne Melodie. Auf ,Alligator....' Graben Sie gar wieder denn wavig-punkigen sound ihrer Anfangsjahre aus. Kompositorisch vielleicht nicht ein Glanzlicht, dafür aber mit recht viel ,angriness' und roh eingespielt.
Das kurze und flotte ,That Someone Is You' evoziert ein wenig den Schwung und den Geist von ,It's The End Of The World' und wird Live sicher ein guter Stimmungsanheizer. Mit ,Me Marlon Brando...', das ein sehr geschickt eingesetztes Schlagzeug hat, geht's dann wieder in die Folk-Balladen-Abteilung. ,Blue' läßt das Album mit Stipes Sprechgesang genauso ausklingen. Aus der Ferne erklingt eine singende E-Gitarre und man segelt auf dem R.E.M. Schoner auf's offene Meer hinaus und trifft dort noch mal den ,Discoverer'
Die Produktion ist klar, die Arrangements nie zu verspielt, soll heißen - R.E.M. variieren hier hauptsächlich über ihre angestammten Instrumente - es ist also ein Platte die sich wohl problemlos und überzeugend Live rüberbringen läßt und darauf kann man sich schon freuen. Eigentlich bekommt der R.E.M. Fan hier the best of both worlds - die frühen alternative-Rocker und die Pop-Hit Zauberer ihrer kommerziell erfolgreichsten Phase zwischen ,Green' und ,Automatic'.
,Collapse Into Now' ist wahrscheinlich das beste und stimmigste Album der Gruppe seit - zumindest - ,Monster' und weder der Fan noch der occasional R.E.M. listener wird hier enttäuscht, sondern erhält eine Platte die all die vergangenen Stärken der Band hier wieder in voller Blüte zeigt.