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Wie ein Zeitspiegel ist das nach dem Umbruch im Osten. Hören sollte man die hier eingespielten Stücke in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Die Spuren einer Entwicklung zeigen sich da, die man anfangs als eigenbrötlerisch, eklektisch zu interpretieren geneigt war. Zumal die Werke der 60er Jahre verkörpern den tiefen Wandlungsprozeß. Mit seinem Denken steht der 1935 in Estland geborene Komponist nicht bloß für sich. Schon 1964 macht Pärt mit "Collage sur BACH" die innere Zerrissenheit kenntlich von "reiner" Kunst-Schönheit als dünner Firnis einer häßlichen Wirklichkeit. Die zweite Symphonie (1966) zertrümmert aleatorische Moderne wie auch Tschaikowskysche Kinderstuben-Seligkeit; zugleich hakt sie aber das Beethovensche Symphonie-Modell "Durch Nacht zum Licht" ab, das ja die Ästhetik des sozialistischen Realismus reglementierte. "Credo" (1968) ist dann das Bekenntnis zu einer religiös fundamentierten Kunst. Beginnend wie eine Meßkomposition im Umfeld Mozart/Beethoven, zitiert es die Dreiklang- Brechungen des C-dur-Präludiums aus Bachs Wohltemperiertem Klavier und das alttestamentarische "Aug' um Auge"; gestreift wird Gounods "Ave Maria". Brucknerscher Vor-Imperessionismus wird ausprobiert in "Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte" (1976), mittelalterliche Organal-Musik in "Fratres" (1977/83), kanonisches Denken in "Festina lente" (1988). Als maßstäblich betrachtet werden dürfen die Interpretationen. Neeme Järvi ist mit Arvo Pärt eng befreundet.
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