Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte vom Pulp-Gitarristen Richard Hawley, aber das nicht: ein mondänes Album zwischen getragener Orchestermusik und Country, eine eigenwillige Mischung aus Frank Sinatra, Elvis Presley, Johnny Cash und Morrissey. Doch gerade das macht Platten so reizvoll: das Unerwartete. Dies ist der Soundtrack für eine endlose nächtliche Autofahrt durch Berlin oder Hamburg, ist der Soundtrack für den ersten Abend zu zweit. Und tatsächlich: Coles Corner war ein beliebter Treffpunkt in Sheffield, an dem sich Liebespaare verabredeten. In den 60ern wurde ein Neubau an seine Stelle geklotzt, doch die Erinnerung daran blieb vielen Sheffieldern (einiges davon ist im Booklet abgedruckt). Und genau so klingt die CD: in den 60ern stehengeblieben, wartet Hawley noch immer vergeblich bei Coles Corner auf sein Mädchen: "I'm going downtown where there's people / The loneliness hangs in the air. / With no-one there real waiting for me, / No smile, no flower nowhere." Spielen kann er (ziemlich viele Instrumente sogar), und singen kann er, und produziert wurde seine Stimme passend antiquiert mit leichtem Hall. Fazit: Die CD ist eine Empfehlung, auch wenn Hawley bei den letzten beiden Titeln leider die Luft ausgeht.