Fans von "Band of Brothers" sollten nicht erwarten, mit "Colditz" etwas zu bekommen, das den vormals geformten Ansprüchen gerecht wird, auch wenn die Macher des Zweiteilers und die Vertreiber gern damit werben.
"Band of Brothers" spielt in einer anderen Liga, und wäre diese nicht schlicht und ergreifend unübertroffen und deshalb dort mit 5 Sternen dramatisch unterbewertet, wären die 4 Sterne hier im Vergleich nicht korrekt.
Doch steigt man ein wenig die Leiter herunter, findet man in "Colditz" einen unterhaltsamen Film mit einigem Realitätsanspruch, der des Sehens durchaus wert ist.
Nicht zum ersten Mal überzeugt darin Damian Lewis mit seiner verblüffend wechselfähigen schauspielerischen Leistung, auch wenn vermutlich jeder Zuschauer irgendwie immer den Major Winter aus "Band of Brothers" mit seiner rigiden, gleichzeitig unbestechlichen Moral erwartet. Doch spätestens seit "Die Forsyte-Saga" weiß an, Lewis kann mehr - sehr viel mehr, und wer ihn in "Dreamcatcher" gesehen hat, der weiß auch, dass Lewis einen Bösewicht hinzulegen vermag, dessen Humor unvergleichlich dämonisch rüberkommt.
In "Colditz" spielt er einen Schotten mit krimineller Energie, dem bereits zu Anfang des Krieges die Flucht aus deutscher Gefangenschaft gelingt und der jetzt beim MI9 dazu ausgebildet wird, Fluchthilfe zu leisten.
Es kommt eine Frau ins Spiel, die seine niedersten Instinkte zum Vorschein bringt, und so stehen sich am Ende entfernt zwei Männer gegenüber, die um die Liebe einer Frau kämpfen, die der eine frei errang, während sich der andere diese durch Lug und Betrug erstahl.
Man hat also ein Gefangenendrama, ein wenig Hintergrund über deutsche Gefangenenpolitik, man hat ein wenig 007, und man hat Romantik und das alles vor dem Hintergrund der Gefangenenfestung "Colditz" und dem London zur Zeit des 2. Weltkriegs.
4 Sterne dafür, dass der Film sehenswert ist, die Schauspielerei gut und die Geschichte zügig.
1 Stern Abzug für die deutsche Synchronisation, die bereits daran scheitert, den englischen Darstellern die richtigen Stimmen zu verleihen. Da hat man das Gefühl, in einem deutschen Kino der 70er zu sitzen und sich einen John-Wayne-Film anzusehen...