Ich muß zugeben: ich habe mir den Film einzig und allein wegen der schlechten Kritiken gekauft und damit aus zwei Gründen: erstns, weil ich neugierig war, ob die Kritiken gerecht sind und zweitens, weil ich mir dachte: ein Film, der so gnadenlos verrissen wird, kann nur GUT sein.
Ich wurde einerseits enttäuscht, andererseits aber in meinen vorausgegangenen Gedankenspielen bestätigt. Der Film ist sicherlich keine "Perle", aber "einfach nur grottenschlecht" ist er auch nicht! Er ist eigentlich eine Mischung aus gut und schlecht, und zwar zu jeweils gleichen Anteilen.
50% für die schlechten Argumente:
und das beginnt eindeutig beim Ton. 5-Kanal ist es schon mal nicht. Nichtmal Stereo. Dazu kommt: alle gesprochenen Dialoge hallen wie die Worte eines Pfarrers, der in seiner leeren Kirche predigt, weil zu dem Schmarr'n eh keiner mehr hingeht. So eine schlechte Tonqualität habe ich fast noch nie erlebt.
Zwar hat meine Heimkinoanlage eine manuelle Tonumschaltung, in der ich volle 14 verschiedene Audiowiedergabemodi einstellen kann. Ich habe mich da krampfhaft durchgeschaltet immer in der Hoffnung, einen Tonkanal zu finden, der nicht nachhallt wie das Echo in einer Blechbüchse, mit der wir als Kinder "Telefon" gespielt haben (zwei Blechbüchsen verbunden mit einer straffgespannten Schnur). Aber auch als ich die beste Alternative gefunden habe, hörten sich die Dialoge der Schauspieler immer noch an wie die Stadiondurchsagen bei einem ausverkauften Spiel in der Allianz-Arena, wo gerade verkündet wird, alle Fans mit rotem Schal sollen schnellstens zu ihren Fahrzeugen kommen, die als Haustiere gehaltenen Nashörner der Fans mit blauem Schal testen soeben die Rückbänke, ob diese tauglich sind für die Nachwuchszeugung.
Die vielen Tanzeinlagen, welche der Film bietet, wären besser aufgehoben in "Strictly Ballroom", anstatt hier. Die Szene, wo die "Mischlingshure" (O-Ton) der "amerikanischen Schlampe" (O-Ton) eine Tanznummer beibringt und dabei die Aktion unverkennbare lesbische Züge annimmt, ist echt langweilig. Mein Tipp: fünf Minuten schneller Bildsuchlauf in Höchstgeschwindigkeit. Aber nach dem Umschalten auf Normalwiedergabe bitte nicht wundern, daß die Akteurin trotz des ultraschnellen 20-Sekunden-Gehopses nicht heftiger ins Schwitzen gekommen ist...
Gleich ziemlich am Anfang passiert ein gravierender Logikfehler. In der Antarktis herrschen bekanntlich ganzjährig Temperaturen von um die minus 50 Grad.
In der Wellblechhütte einer Forschungsstation ist davon nichts zu spüren: die Menschen darin laufen in Sweatshirts rum, auch kein eisiger Atem ist sichtbar. Also entweder haben die darin die ultimative Heizung, die den Winter abschafft, oder das Wellblech besteht aus einem neuartigen Isoliermaterial, das endlich die perfekte Wärmedämmung hinkriegt. Über Beides werden sich künftige Bauherren sicherlich sehr freuen, wenn sie nicht mehr durch die Wände heizen müssen.
Dann habe ich bei dieser DVD etwas erlebt, das hat es so noch nie gegeben: da meine Lauscher noch einwandfrei auf Empfang sind, benötige ich natürlich keine Untertitel und nutze diese Funktion folglich auch nicht.
Nach etwa 20 Minuten Filmansehens schalten sich plötzlich von selbst Untertitel hinzu. Ein paar Minuten lang wurden die Dialoge der deutschen Tonspur mit englischen Untertiteln garniert. Dann war das Phänomen wieder vorbei.
50% für die guten Argumente:
Die Bildqualität könnte zwar etwas gesättigter sein, ist aber sonst absolut einwandfrei. Schärfe und Kontrast stimmen wie es sich gehört und auch die Helligkeit überzeugt durch Ausgewogenheit.
Schnelle Bildabfolgen wie z. B. die Luftjagd zwischen Ufos und Abfangjägern am Anfang sind sehr detailreich und nicht unnötig verschwommen, wie das meistens sonst bei solchen Bildsequenzen der Fall ist.
Die DVD legt einen Super-Schnellstart hin. Rein mit der Scheibe in das Laufwerk, in 15 Sekunden ist das Startmenü da und es beginnt mit Drücken der Wiedergabe unverzüglich der Film. Also keine megalangweiligen Hinweise auf Rechtsbelehrungen, daß der Film u. a. auch in Gefängnissen und auf Bohrinseln nicht öffentlich vorgeführt werden darf, auf Hersteller und Vertreiber mit ihren animierten Logos und sonstigen Käse, den man im Regelfall nichtmal per Schnellvorlauf beschleunigen kann, sondern ihn über sich ergehen lassen muß wie ein Klinikpatient jeden Fraß, der in der dortigen Küche aus den ganzen Bioabfällen zusammengemantscht wird.
Auch nerven keine unerwünschten Vorschauen und Trailer, was ja meistens der Fall ist, wenn man den Silberling gestartet hat und endlich mit dem Hauptfilm beginnen möchte.
Die Splattereinlagen sind nicht viele, aber gut gemacht. Eine im Mixer zerhäckselte Hand, in das Auge geworfene Messer, gebrochene Genicke... das kann sich durchaus sehen lassen. Ebenso die Martial-Arts-Kampfszenen der beiden Amazonen, welche in der Macho-Männer-Welt so richtig aufräumen.
Den weinerlichen Wissenschaftler mit dem Mopsgesicht hätte man zwar genauso wenig gebraucht wie Jar Jar Binks in "Star Wars", aber der wollte sich halt auch ein bißchen Geld verdienen und mal zwei schönen Frauen auf der Leinwand näherkommen, als ihm das je vor der Leinwand im realen Leben gelingen würde. Also gönnen wir ihm dieses kleine harmlose Vergnügen.
Fazit:
Man muß den Film nicht gesehen haben. Es entsteht aber auch kein Schaden, wenn man ihn gesehen hat. Die beiden Krampfhennen, verzeihung... Kampfhennen!, sind wirklich schön anzuschauen, sind eine echte Augenweide. Aber es hätte nicht geschadet, etwas mehr auf Unsinniges zu verzichten wie die Tanzeinlagen, und dafür mehr Splatterszenen zu bringen.
Kaufempfehlung?
Jein. Ich finde, hier kann man echt nicht sagen, ob der Film den Kauf wert ist, oder nicht. Das muß hier tatsächlich jeder für sich selbst entscheiden. Wer gerne schöne Frauen sieht, die sich an der Stange und in einem überdimensionalen Papageienkäfig (!) räkeln, sollte zu diesem Film greifen.
Wer nur auf Stadiongeplärre abfährt, ist besser beraten mit einer Rasierplatzkarte im Fußballstadion. Die Preise weichen wohl voneinander ab, aber zumindest dauern sowohl der Film, als auch das Spiel (fast) gleich lange: 90 Minuten...