>>> ZU DEN FILMEN <<<
Slasher-Filme gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Seitdem das Genre in den 70ern begründet wurde und John Carpenter 1978 mit
Halloween - Die Nacht des Grauens einen Genre-Klassiker inszenierte, wurden unzählige Filme gedreht, die auf einem überschaubaren, sich immer wiederholenden Schema beruhen: Ein manchmal namen-, zumeist jedoch gesichtsloser Mörder hat es auf das Leben einer Gruppe Jugendlicher abgesehen. Nach dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip wird diese Gruppe dann effektiv dezimiert. Das typische Opfer ist entweder naiv oder extrem eingebildet, ein Pausenclown oder die Zicke der Gruppe. Als sexuell erfahrener oder gar freizügiger Teenager hat man in Slasher-Filmen generell eine sehr kurze Lebensdauer. Und gerade in US-Produktionen sind die potentiellen Opfer beinahe durchweg weibliche Highschool-Beauties und ihre männlichen Pendants. Tiefgang und Charakter? Fehlanzeige! Und falls einmal ein hässliches, keusches Entlein in der Gruppe vertreten ist, dann weiß der erfahrene Slasher-Freund: Die wird 100%ig überleben!
Die Filme der norwegischen COLD PREY-Reihe erfinden das Slasher-Genre nicht neu - was nach über 30 Jahren seines Bestehens auch nur schwer möglich ist - und sind doch so ganz anders als die zahlreichen Genre-Kollegen "made in USA".
COLD PREY
Der Film spielt sehr geschickt mit den seit Jahrzehnten scheinbar unumstößlichen Slasher-Gesetzen. Der Film bricht sie gar nach Belieben und hält dadurch, vor allem für erfahrene Fans des Genres, mehrere positive Überraschungen bereit:
- der Film nimmt sich viel Zeit, um die Charaktere einzuführen und die Geschichte in Gang zu bringen.
- die Zusammensetzung der Gruppe ist ausgewogen und nicht extrem, d.h. weder ist eine eingebildete Schönheit noch ein Dorfdepp dabei
- die Jugendlichen haben Charakter und durchweg Hirn
- Keuschheit ist keine(!) Überlebensgarantie
- das vermeintlich leichteste Opfer entwickelt eine große Stärke
Ausgestattet mit diesen Zutaten baut der Film eine extreme Spannung auf, da er über eine lange Zeit nur schwer berechenbar ist. Ich jedenfalls saß während des Films öfter überrascht vor dem Fernseher. Erst zum Ende hin verfällt COLD PREY in typische Genre-Klischees. Dies hinterließ bei mir einen etwas faden Beigeschmack. Wer dem Slasher-Film jedoch, wie ich an anderer Stelle gelesen habe, pauschal vorwirft, dass er nur ein brutaler Slasher-Film unter vielen wäre, dann ist das in etwa so aussagekräftig, wie wenn ich sagen würde, 2001 - A Space ODYSSEY sei ein Science-Fiction-Film wie viele andere auch - er spielt ja auch im Weltraum. COLD PREY ist insgesamt ein Film, der sich - im positiven Sinne - deutlich von den meisten seiner US-amerikanischen Genre-Kollegen abhebt.
COLD PREY 2
Meine Vorfreude auf COLD PREY 2 war daher groß - meine Enttäuschung nach dem Anschauen des Films jedoch auch umso größer. Nicht nur, dass der vermeintlich tote Mörder aus Teil 1 Michael Myers-artig wiederaufersteht. Auch die Begründung dafür - "Er war eine Totgeburt!" - wirkt mächtig an den Haaren herbeigezogen und lässt den Film - vollkommen unpassend - ins Phantastische abgleiten. Das Setting - ein beinahe leeres Krankenhaus - kann dem entlegenen, leerstehenden Hotel in den Bergen aus Teil 1 nicht das Wasser reichen. Immerhin werden die Regeln des Genres auch in Teil 2 wieder mutig gebrochen. Nur ist der Überraschungseffekt aus Teil 1 verflogen. Konnte dieser noch mit einer authentischen Story und einer überzeugenden Inszenierung aufwarten, so kann Teil 2 nur bedingt überzeugen. Zu konstruiert wirkt seine Geschichte, zu bemüht dessen Inszenierung.
>>> ZU DEN BLU-RAYS <<<
Die beiden Filme werden auf zwei getrennten Blu-Rays präsentiert. Das Doppel-Disc-Set kann dabei mit einer umfangreichen Ausstattung punkten. Auch technisch wird vieles richtig gemacht.
Die Bildqualität ist ausgesprochen gut, stellt jedoch keine Bestmarken auf. Hin und wieder gehen in den zahlreichen, dunklen Szenen Einzelheiten verloren. Der gelungene Sound unterstreicht die insgesamt überdurchschnittliche Bildqualität angemessen und trägt gekonnt dazu bei, dass der Zuschauer bei mehr als nur einer Szene erschrocken zusammenzuckt.
Die Extras können sich vor allem bei Teil 2 sehen lassen, da bei diesem neben den üblichen Trailern und dem Making Of noch einen sehr interessanten Audiokommentar zu bieten hat.
>>> FAZIT <<<
Teil 1 kann über weite Strecken inhaltlich und inszenatorisch begeistern, Teil 2 fällt hingegen spürbar ab. Da die Filme jedoch inhaltlich unmittelbar aneinander anschließen, kann man bei einem Double-Feature einen insgesamt recht gelungenen, kurzweiligen Abend mit beiden Filmen verbringen.