Nachdem ihr Vater, ein ehemaliger Banker, bei einer Weltwirtschaftskrise seinen Job verloren hat, heißt es für die 17-jährige Lilly Koffer packen! Denn die ganze Familie muss von New York nach Harts umziehen, eine Kleinstadtstadt in West Virginia, in der Lillys Vater nun arbeitet. Und zwar als Vampire Police Officer! Dass es Vampire gibt, ist in "Cold Belt - Feuerblut" eine Tatsache, die den Menschen seit dem 21.12.2012 bekannt ist (Aha, das ist also der Maya-Weltuntergang! ^-~). Neben dem Umstand, dass Lilly in der neuen Umgebung erstmal Fuß fassen muss, sind da auch noch Ben und Caleb, die sie kennen- und mögen lernt und die Faszination, die von den Vampiren ausgeht...
Die Geschichte spielt im Jahr 2027 und seitdem die Vampire ihre Existenz bekannt gegeben hatten, gab es Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den Menschen, die dazu führten, dass alle Vampire (eigentlich) in den titelgebenden Cold Belts leben müssen. Die ganzen Hintergründe, wie es zu diesen Reglungen gekommen ist, erfährt man als Leser übrigens im Geschichtsunterricht, dem man mit Lilly an deren neuer Schule beiwohnt. Die Idee, so die 'trockenen Fakten' umzusetzen, finde ich ziemlich gut. Was die Erzählwelt angeht, entspricht sie abgesehen von den real existierenden Vampiren im Groben doch der heutigen. Die Technik hat sich weiterentwickelt (von besonderer Bedeutung sind hier vor allem die Warm Shelter genannten Grenzen der Cold Belts), in Schulen sind Kreide und Tafel z.B. passé, alles funktioniert elektronisch, aber sonst erinnert das meiste doch an heute: Autos, Fernseher, Computer. Das scheint mir aber ganz passend für das Jahr 2027 sein.
Winters Vampire zerfallen übrigens bei Tag weder zu Asche noch glitzern sie fröhlich vor sich hin. *Ironiean* Aber es sind Vampire! Die eine kalte Haut haben und Blut trinken müssen! Mein Gott, die Autorin hat sooo sehr von "Twilight" abgekupfert! *Ironieaus* Ernsthaft betrachtet gibt es wohl bei allen Vampirbüchern gewisse Ähnlichkeiten, das liegt in der Natur der Sache (oder in der Natur des Vampirs *g*). Trotzdem fallen beim Lesen ein paar Parallelen zu Meyers Bestsellern auf, die ja scheinbar in diesem Genre das Maß aller Dinge sind. Als da beispielsweise wären: Vampire können nicht schlafen und träumen, haben spezielle Fähigkeiten (z.B. Teleportation oder das Erzeugen von Feuer) und wie Edward spielt Caleb Klavier. Aber im Gegensatz zu Bella ist Lilly ihm insofern ebenbürtig, als dass sie auch ein klassisches Instrument zu spielen vermag: die Violine. Wie die Autorin die Momente beschreibt, in denen musiziert wird, finde ich interessant. Sicher könnte man diese Szenen mit Fachausdrücken und Verhaltensvorgängen bis ins Detail beschreiben, aber Winter konzentriert sich bei der Darstellung aufs Gefühl, das das Spielen erzeugt. Inwiefern Lilly sich gegenüber Caleb behaupten können wird, wird sich wohl noch zeigen, doch scheint sie mir jetzt schon etwas aktiver zu sein, als es Bella in "Twilight" ist.
Erzählt wird die Geschichte in der sie-/ er-Form, je nachdem, aus wessen Sicht sie gerade wiedergegeben wird. Meist erlebt man das Geschehen aber aus Lillys Perspektive, was gut so ist. Ich persönlich mag das 'Charakterspringen' nämlich nicht so sehr, da es Erzählungen erheblich die Spannung nehmen kann, wenn man sofort weiß, was im Gegenüber vor sich geht. Zum Glück ist das bei "Cold Belt - Feuerblut" nicht so drastisch, Spannungspotential bleibt durchaus erhalten. Das liegt unter anderem an den Akteuren und deren Beziehungen zueinander, die neugierig auf die Fortsetzung machen. Allerdings gibt es sehr viele Figuren, sodass bisher nur die wenigsten genauer beleuchtet werden konnten. Entweder folgt hier in den kommenden Büchern eine Konzentration auf eine feste Entourage oder auf die einzelnen Personen muss noch genauer eingegangen werden, sonst werden sie sicher zu blass und eindimensional bleiben. Bezüglich der Charaktere ist die Namensgebung noch ziemlich interessant: Während die Menschen 'normale' Namen wie Joshua oder Maria haben, gibt es bei den Vampiren Namenskreationen, die sehr fantastisch anmuten (Gruuve, Pheru), sodass man annehmenden könnte, die Blutsauger treten hier alle mit Künstlernamen auf.
Das Erzähltempo finde ich passend. Zuerst geht es recht langsam los, was dem Leser Zeit gibt, Lilly und Co. kennenzulernen und mit den Akteuren warm zu werden. Nachdem man auch über die Erzählwelt im Bilde ist, geht dann alles etwas schneller und zum Ende hin bekommt die Geschichte richtig Tempo, was gut zur sich zuspitzenden Handlung passt und dafür sorgt, dass die Geschichte die Spannung nicht verliert, sondern diesbezüglich sogar immer mehr zulegt. Das hängt auch mit einigen Plotwendungen zusammen, die man nicht unbedingt erwartet hat, obwohl andere 'Offenbarungen' sicher weniger überraschend sind (zumindest für Leser, die schon einige Vampirgeschichten gelesen haben).
Das Cover ziert eine schöne, im realistischen Stil gezeichnete Illustration von Lilly mit ihrer Violine und dem blauschimmernden Warm Shelter sowie dem Haus von Lillys Familie im Hintergrund. Am Anfang wird auf Vampirbestände eingegangen und es findet sich ein Glossar. Eigentlich bin ich Glossare zum Schluss eines Buches gewöhnt, aber hier ist die Platzierung zu Beginn in Ordnung, da man gleich mit ein paar wichtigen Begrifflichkeiten vertraut gemacht wird, z.B. Cold Belt oder Warm Shelter. Was ich persönlich nicht so sehr mag, ist die steckbriefmäßige Vorstellung der Figuren. Aber das ist Geschmackssache und die Zeichnungen der Akteure, diesmal im Comicstil, sind ein nettes Gimmick. Abschließend wäre bei mir noch zu erwähnen, dass ich eine Version habe, bei der die Formatierung zerhauen ist. Aber das ist mittlerweile wohl behoben worden, sodass ich das bei der Bewertung mal vernachlässige.
Insgesamt ist "Cold Belt - Feuerblut" ein guter Auftakt, der mit einer spannenden Idee und interessanten Personenkonstellationen aufwartet. Zwar ist die Umsetzung für meinen Geschmack nicht ganz perfekt, aber dennoch bietet die Geschichte kurzweilige Unterhaltung und macht neugierig auf den weiteren Fortgang.