Seit Wochen lese ich die neuesten Fantasy-Romane, doch nur bei wenigen wollte bei mir ein guter Lesespaß aufkommen, wie z.B. bei der Trilogie "Die Gilde der Schwarzen Magier", das Buch "Der Name des Windes" u. "Das Lied der Dunkelheit". Wobei ich beim Letzteren die Grundidee etwas plump fand. Naja, trotzdem waren alle sehr gut zu lesen!
Nun zu Codex Alera:
Was mir hier besonders gefällt ist, dass Jim Butcher oder auch der dt. Übersetzer es hervorragend schafft mit bildhafter Sprache die Ereignisse darzustellen! Es gab mir das Gefühl, als würde ich in einem Kino sitzen und die Bilder würden nur so auf mich einstürmen...
Auch kann ich meinem Vor-Rezensenten Dany recht geben, dass die eingebauten "Cliffhanger" (dies steht für den hängenden Ausgang einer Handlung) am Ende eines jeweiligen Kapitels, wahrlich gut gemacht sind und nicht zu fies gesetzt oder übertrieben wirken. Das Buch liest sich flüssig und man kann, trotz der Cliffhanger, schnell wieder an das vorige Geschehen anknüpfen!
Zu den Hauptcharakteren:
Da wären gleich mehrere - die wesentlichen sind sicher Amara, Tavi, Bernard, Isana, Fidelias, Odiana und Faede. Doch Tavi wird auch mal über ein paar Kapitel hinweg nicht erwähnt bzw. zur Seite gestellt. D.h. auch wenn er die Hauptfigur darstellt, empfand ich es als erfrischend hier u. da auch andere Charaktere erleben zu können - in diesem Buch gibt es gleich mehrere davon, jeder macht Spaß (auch die Bösen) und sind gut aufeinander abgestimmt!
Aber ich muss leider ein wenig Dany widersprechen, der meint, dass die Helden hier alle zu stark wirken. Sicher halten die hier ne Menge aus, aber es gibt ja auch die Wasserwirker, die über Heilzauber verfügen und die Leute wieder fit machen können etc. Aus meiner Sicht für eine Fantasy-Welt nicht übertrieben und an manchen Stellen dachte ich, warum schöpft er denn nicht mal sein volles Repertoire aus, doch die Magie strengt eben auch an u. so sind die Akteure schnell mal erschöpft - also für mich alles soweit ganz normal und logisch.
Zum Thema "römische Anlehnung":
Da möchte ich dem Rezensenten Rabenpack in der Sicht widersprechen, dass die Anlehnung an Begriffe, Lebensweisen der römischen Zeit für mich keineswegs unglücklich rüberkommt. Butcher bedient sich vorwiegend der römischen Begriffe für die Einteilung der militärischen Ränge. Ich gebe zu, dass ich anfangs ganz kurz gedacht hatte, dass der Autor es damit hoffentlich nicht all zu sehr übertreibt, doch ich kann sagen, das hat er nicht! Je weiter man liest, desto weniger wird es denjenigen stören, dem das römisch Militärische nicht so sehr liegt bzw. der Leser nimmt es schnell in den Lesefluss mit auf. Außerdem hat es auch seine Vorteile, da einem schnell die einzelnen Ränge verschiedener Nebenfiguren im Buch klar werden. Und ist es auch nicht so, dass es geradezu überall im Buch vorkommt...
Wo mich so eine Anlehnung mal mächtig gestört hatte war im Buch: Grenzlande - Die Verpflichtung. Da kam mir alles vor wie bei den US-Marines (Sir! Jawohl Sir! etc.) - das war einfach nur schlecht u. nervig!!!
Zur Grundidee:
Butcher nimmt in der Geschichte die sechs Elemente auf und lässt seine Akteure damit stärker sein und magische Dinge vollbringen. Auch wenn es schon viele Bücher, Filme oder Geschichten gibt die sich immer wieder der Elemente u. ihrer Kräfte bedienen - was ja auch ok ist, denn kaum einer erfindet das Rad neu u. in diesem Genre hat es einfach schon sehr vieles gegeben - muss ich sagen, dass es in diesem Buch besonders gut gemacht ist!
Man kann förmlich in das Geschehen eintauchen und miterleben wie der einzelne Kämpfer seine Kräfte wirkt und wie sie funktionieren. Es kommt sogar so gut rüber, dass man sich am Ende des Buches wünscht, auch wenn man es bereits vor seinem geistigen Auge erlebt hat, diese Szenen einmal visuell dargestellt zu bekommen. Eine Verfilmung wäre es alle mal wert und könnte, dank heutiger Technik, einen perfekten Augenschmaus ergeben!!!
Zur Brutalität/Gewalt für die, die das Buch evtl. verschenken wollen:
Bisher war hier niemand auf dieses Thema näher eingegangen und ich möchte hierzu nur sagen, dass das Buch zwar sicher noch zum "All-Age-Fantasy" (also ab 12 Jahren) gezählt werden kann, aber manche Szenen doch auch sehr düster bzw. fies rüber kommen - was hier sehr ausgewogen gelungen ist! Das heißt nicht, dass der Autor hier ganze Blutbäder ausformuliert, nein!, doch werden manche kämpferische Details u. erniedrigende Szenen durchaus näher beschrieben. Es kommt eben auf die Entwicklung des jugendlichen Lesers an.
Alles in Allem kann ich sagen, dass ich an keiner Stelle im Buch gelangweilt war und auch kein Thema zu sehr in die Länge gezogen wurde. Die rund 600 Seiten hat man zügig durch und ich kann sagen, dass ich mich auf die dt. Fortsetzung von Codex Alera sehr freue!!!
Es gibt ja mittlerweile schon sechs engl. Vorlagen, doch zugleich hoffe ich auch, dass es nicht so viele Bücher werden, wie bei der Reihe: Das Schwert der Wahrheit, wo es insg. 17 Bücher wurden - was ich einfach übertrieben finde - u. leider jeden verängstigt, der mit so einer Reihe gern anfangen würde.
=> Klare Kaufempfehlung! Eine schlüssige Geschichte mit tollen Figuren!