Nun, um DiRT 3 richtig bewerten zu können, muss man verstehen, was DiRT 3 ist und sein möchte.
Man liest immer wieder Sätze wie Als Colin McRae noch am Leben war....früher das waren noch richtige Rallye Spiele..." und im gleichen Atemzug kommt ein Spiel wie DiRT 3 dann im Vergleichen zu den alten Colin McRae Teilen natürlich schlecht weg. Das liegt dann meistens daran, dass ein Offroad Rennspiel/Funracer mit einer knallharten Rallye-Spiel Serie verglichen wird. Sowas ist schlicht weg falsch und wird meiner Meinung weder DiRT 3 noch den alten Colin McRae Teilen wirklich gerecht.
Wenn man sich die Entwicklung von DiRT bis DiRT 3 ansieht, erkennt man deutlich, wo Codemaster (Entwickler) mit der Serie hin wollte und nun auch ist. DiRT 3 ist ein Offroad Funracer, der Einsteigerfreundlich, dabei aber nicht anspruchslos ist und hat nichts mehr mit den alten Colin McRae Rallye Spielen zu tun. Colin McRae" ist sogar aus dem Name verschwunden. Deutlicher kann man sich, glaube ich, nicht von einer Spiele-Serie abgrenzen.
Aber nun zum Spiel selbst.
Im Vorfeld hat Codemaster verlauten lassen, dass man sich der Kritik und dem Feedback der Community angenommen hat und Rallye Events ein wesentlicher Bestandteil von DiRT 3 sein soll. Und in der Tat gibt es im Rahmen der einzelnen Meisterschaften, in die der Singleplayer unterteilt ist, zahlreiche Rallye Events. Hier setzt dann auch die Kritik der alt eingesessenen Colin McRae Fans an, denn die einzelnen Etappen sind in der Tat recht kurz geraten und die Strecken könnten ruhig etwas anspruchsvoller sein (Streckeninfos und detailierte Einstellungen am Fahrzeug gibt es nicht). Aber die Rallye Events sind eben nur ein Teil von DiRT 3 im Stile eines Funracers, deswegen ist die Kritik bzw. das Niedermachen des Spiels auf Grund der Rallye Events einfach ungerechtfertigt.
Des weiteren gibt es die Spielmodi Trailblazer, wo man auch Etappen fährt und wer die beste Zeit hat gewinnt. Der Unterschied zu den Rallye Events besteht darin, dass die Strecken breiter und weiterläufiger sind und man Wagen mit 500 PS aufwärts unterwegs ist (unter anderem der berühmt Audi Quattro Pikes Peak). Dann gibt es noch Ralley Cross und Landrsuh. Beides sind Rundenrenn mit 7 Gegnern auf der Strecke. Bei Rallye Cross ist man mit Rallye Wagen unterwegs, während es bei Landrush mit Buggies und Trucks etwas härter zur Sache geht und die Strecken von vielen Sprüngen durchzogen und meist von grobem Untergrund geprägt sind. Ein weiterer Modus ist Hed2Head. Hier fährt man parallel gegen einen Kontrahenten einen Rundkurs und zu guter letzt ist als neuer Modus Gymkhana dazu gekommen, welches einen hohen Stellenwert im Spiel hat. Gymkhana ist vielleicht am besten als eine Art Hindernislauf mit dem Auto zu bezeichnen (dazu später mehr). Am besten einfach mal bei Youtube eingeben um sich ein Bild davon machen zu können.
Grafisch weiß DiRT 3 zu überzeugen. Die Wagen sind sehr detailiert und die Umgebung wirkt sehr lebendig und organisch. Mir sind weder Tearing noch Pop Ups aufgefallen. Auch die Wettereffekte sind gut gelungen und wurden im Vorfeld ja auch groß angepriesen. Da sollte man meiner Meinung nach aber den Ball etwas flacher halten, denn Wettereffekte sind inzwischen keine Besonderheit mehr und gehören einfach dazu.
Der Sound lässt auch keine Wünsche offen. Die Motoren klingen satt und auch unterschiedlich. Die Stimme des Copiloten kann separat eingestellt werden. Es gibt sogar 3 unterschiedliche Stimmvarianten. Auch der Soundtrack ist gut gelungen und bietet eine große Bandbreite.
Technisch ist DiRT 3 ebenfalls sehr gut. Das Gameplay geht gut von der Hand, das Schadensmodell sieht sehr gut aus (hier kann gewählt werden, ob der Schaden nur optisch sein soll, oder sich auch auf das Fahrverhalten auswirken soll). Das Handling ist von Wagen zu Wagen unterschiedlich und auch die verschiedenen Straßenbeläge (Asphalt, grober Schotter, feiner Schotter/Sand, Wasserdurchfahrten, Schnee) wirken sich spürbar auf die Steuerung aus und die Fahrphysik ist ziemlich realistisch. Der Schwierigkeitsgrad kann individuell eingestellt werden, ebenso wie die Fahrhilfen und auch das HUD. Auch die Rennlinie, die es ja inzwischen fast bei jedem Rennspiel gibt, ist in 3 Stufen einstellbar. Komplett, nur an Bremspunkten oder ganz aus. Hier sollte also jeder seine optimale Einstellung finden, um den größtmöglichen Spaß zu haben.
Gymkhana:
Gymkhana ist eine Trendsport, der vor allem durch die Youtube Videos von Ken Block bekannt geworden ist und sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Im Grunde geht es darum, an vorgegebenen Stellen Donuts, Spins, Drifts und Sprünge zu absolvieren. In einem Gymkhana Event hat man ein abgesperrtes Areal wo diese Tricks an bestimmten Stellen zeigen muss, allerdings in keiner bestimmten Reihenfolge. Ziel ist es, dadurch in einer bestimmten Zeit so viele Punkte wie möglich zu erzielen.
Das Handling ist dabei nicht einfach, denn die Gymkhana-Wagen haben extrem viel Power sind kurz übersetzt und der Grip geht gegen Null. Man fährt also fast permanent im Drift. Um die Events zu meistern bedarf also einiger Übung, aber wenn man den Bogen raus hat, macht es einen riesen Spaß Trick an Trick zu reihen und die Punktzahl dadurch hoch zu treiben. Desweiteren gibt es für Gymkhana noch eine eigene Sektion, wo man ohne Zeitlimit fahren und üben kann. Auch dort kann man bestimmte Missionen erfüllen, die aber keine Auswirkungen auf den Karrierefortschritt haben.
Während der Karriere sammelt man durch Podestplatzierungen, Zusatzziele während eines Rennens (z.B. erreiche eine Geschwindigkeit von xy km/h", oder beende das Rennen, ohne Schaden zu nehmen") und das Nichtnutzen der Rückblenden (diese kann man nach einem Fahrfehler einsetzen, um einfach zurück zu spulen und so beispielsweise einen Unfall ungeschehen machen) Rufpunkte. Sammelt man genug davon, steigt man im Rang auf und schaltet somit neue Teams und wagen frei.
Den Multiplayer habe ich bisher nur kurz angespielt. Einige Modi sind ganz witzig und der MP macht auf mich einen soliden Eindruck. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen.
Kritik:
So viel Spaß mir DiRT 3 auch macht, gibt es doch auch ein paar Sachen, die es zu verbessern gilt, bzw. die mir störend aufgefallen sind.
Das sind vor allem die Austragungsorte. Kenia, Norwegen, Michigan und Aspen sind die Haupt-Locations. Das ist nicht viel, vor allem wenn man bedenkt, dass es bei DiRT 2 mehr oder weniger um die ganze Welt ging. Man könnte sogar fast sagen, dass es nur 3 unterschiedliche Umgebungen gibt (lässt man L.A. Colosseum und Monte Carlo, die nur für ein paar Gymkhana und Rallye Cross Events zur Verfügung stehen, mal weg). Man hat Kenia mit einer eigenen Vegetation. Michigan und Norwegen ähneln sich sehr (Schotterpiste mit Wald) und auch Norwegen und Aspen ähneln sich sehr (Schotterpiste mit Wald und Schnee). Das ist schon sehr dürftig und ein bisschen Abwechslung hätte dem Spiel sicher gut getan.
Auch die Streckenauswahl ist nicht sehr groß. Man merkt deutlich, dass die Strecken (egal ob Rallye Etappe oder Rundkursrennen) aus verschieden Streckenabschnitten zusammengesetzt sind. Leider gibt es von diesen Abschnitten nicht sonderlich viel. Man fährt also recht schnell immer wieder das gleiche. Des Öfteren hat es sich Codemaster auch einfach gemacht und lässt einen die Strecke einfach Rückwärts fahren.
Was mir auch nicht so gut gefällt, sind die DC Challenges. Diese sind immer wieder in die Karriere eingebaut. Die Challenges sind einzelne Events. Mal ein Drift Event, mal muss man in einer bestimmten Zeit Papproboter kaputt fahren, oder einen vorgegebenen Kurs abfahren wo immer wieder Gymkhana-Elemente wie Donuts und Spins eingebaut sind. Hier kämpft man nicht um eine Platzierung, sondern um eine Medaille. Bronze ist eigentlich bei jedem Event locker machbar und die Events halten einen somit auch nicht in der Karriere auf, aber die Challenges sind meiner Meinung nach nicht nötig und wären gesondert (vielleicht bei Gymkhana) besser aufgehoben.
Fazit:
Auch wenn es DiRT 3 etwas an Abwechslung bei den Locations und Streckenabläufen fehlt und die Rallye Events gerne etwas mehr Tiefe und Komplexität haben könnten, macht mir DiRT 3 bisher einen riesen Spaß, ist sehr schön anzusehen und offenbart auch sonst eigentlich keine technischen Schwächen. Wer einen Offroad Funracer mit Abwechslung und eben kein reinrassiges Rallye-Spiel oder gar eine Simulation sucht, ist bei DiRT 3 genau richtig. Neueinsteiger werden sich schnell zurecht finden und durch die recht umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten von HUD, Schwierigkeitsgrad und Fahrhilfen, kommen auch geübte Gamer auf ihre Kosten.