Bau-AG ist nicht das erste Spiel was sich mit dem Thema Buddeln&Bauen beschäftigt. Mit "Caterpillar Construction Tycoon" hat sich schon einmal ein Entwickler an dieses Szenario gewagt und ist kläglich gescheitert.
Mit einem starken Publisher (Codemasters) wollten es die Entwickler von Bau-AG besser machen. Fangen wir bei den schlechten Sachen an:
GRAFIK:
Die Grafik ist sicherlich eines der schwächsten Merkmale von Bau-AG. Zwar gibt es genug Detailreichtum, vorallem bei den Baumaterialien, aber alles fügt sich einer Art Raster wie man es aus vielen LowBudget-Tycoons kennt. Dass lässt das Spiel etwas "billig" erscheinen.
BUGS:
Ich stimme meinen Vorpostern zu. Es verkanten sich ab und an mal Fahrzeuge, vorallem der Bagger. Das hat zur Folge, dass bei einer Abbestellung des Baggers, dieser nicht abgeholt werden kann. Allerdings hat es keinen Einfluss auf das Spielgeschehen. Bestellt man den Bagger ein zweites Mal, ist er wieder funktionsfähig. Ich musste durch solche Fahrzeugbugs nicht einmal das Spiel neu laden oder starten.
Vorallem unter WinXP habe ich große Probleme gehabt. Bei fast jeder Krankmeldung stürzte das Spiel ab. Auch gelegentliches einfrieren trat auf. Unter Vista läuft das Spiel allerdings ohne einen Absturz.
Es gibt noch einige kleinere Fehler, die aber nie Einfluss auf den Spielverlauf oder das Endergebnis hatten. Somit kann man mit ihnen ganz gut leben.
Und nun zu den positiven Dingen:
START:
Ein Tutorial lehrt einen in 4 Missionen den Umgang mit Fahrzeugen, Arbeitern, Materialien, etc. Diesen Einstieg hat man auch bitter nötig. Das Spiel fängt schon auf einen sehr hohen Level an und ohne das Tutorial schiebt man viel Frust.
Hat man es erstmal bewältigt wartet auch schon die erste Mission auf einen, die mit einem kleinen Filmchen startet.
PLANUNGSPHASE:
Bevor man die Schauffel in den Boden rammt muss man als erstes eine komplette Zeichnung des Gebäudes anfertigen. Jedes Stockwerk hat bestimmte Anforderungen die eingehalten werden müssen:
Der Fahrstuhl muss an den Flur grenzen; Die Wohnung muss mindestens 50m² groß sein und dazu muss 20% der Wand an die Fassade grenzen; etc...
Beginnen tut man immer im Keller, muss aber bereits die anderen Stockwerke in Hinterkopf haben. Denn ist eine Etage einmal abgesegnet kann man sie nicht mehr verändern. Sehr ärgerlich, doch mit einem Speicherstand pro Etage und vorallem vor dem Absegnen(!) kann man Fehler noch korrigieren ohne gleich neu anfangen zu müssen.
Dabei wird es von Mission zu Mission immer kniffliger alle Bedingungen unter einen Hut zu bringen und man verbringt schon mal 1Std für die Planung des Gebäudes ohne einen einzigen Sandkorn bewegt zu haben. Ist es dann aber soweit hält der Maschienenlärm einzug...
BAUPHASE:
Untergeschoss ausbuddeln, Fundament legen, Wände hochziehen, elektr. Leitungen verlegen, Tapezieren, Fliesen und alles was dazu gehört. Für alle diese Schritte braucht man Maschienen, Arbeiter und natürlich die entsprechenden Materialien.
Zur richtigen Zeit Beton bestellen ohne das die Arbeiter stehen? Knifflig. Dazu noch die benötigte Menge bestellen? Und das alles 24h im Vorraus. Und den Beton nicht Hart werden lassen? Zwar wird einem angezeigt wenn etwas fehlt, doch dann ist es meist zu spät und man muss 1 Tag auf die Bestellung warten. Also muss man ein Gefühl entwickeln wann und wieviel etwas gebraucht wird. Am Anfang tut man sich damit schwer, später hat man es schon im Blut. Aber dadurch wird es nicht monoton. Baut man das Haus nicht mit Beton und Armierungen, sondern mit Stahl braucht man völlig andere Materialien und Mengen.
ARBEITSKRÄFTE:
Auch die Arbeiter haben Einfluss auf das Gebäude. Der eine mag nur mit Frauen zusammen arbeiten, der andere produziert viel Müll. Man muss sich die richtigen Leute aussuchen und kann diese in Teams aufteilen (zB. Team1 - Maurer, Team2 - Fahrer). Diese Teams kann man zusätzlich noch mit Ausrüstung austatten, die die Arbeitssicherheit erhöht, das Arbeitstempo steigert und so weiter.
Und man kann sehr wohl alle Teams gleichzeitig beschäftigen:
Sind die Maurer mit dem Dach beschäftigt, ziehen die Zimmermänner die Trennwände im 1. Stockwerk hoch. Die Dekorateure tapezieren während dessen im EG die Räume und der Techniker bringt den Müll zum Container oder verschliesst den Fahrstuhlschacht. Es wird einem immer angezeigt welche Berufssparte wo gebraucht wird. Solange man mit dem Keller nicht fertig ist, braucht man auch keine Dekorateure. Bin ich mit dem Ausheben vom Erdreich fertig, schicke ich die Fahrer nach Hause.
Habe ich mein Gebäude fertig gebaut, gehen die Arbeiter heim und man kann die Baustelle anschließend noch mit Parplätzen, Rasen, Büschen, Bäumen, etc. verschönern.
BEDIENUNG:
Es gibt viele Menüs und noch mehr Untermenüs. Am Anfang wird man mit Menüs erschlagen, doch man gewöhnt sich schnell an alles und findet sich bereits ab der zweiten Mssion zurecht.
LANGZEITMOTIVATION:
Der Ablauf ist in groben Zügen immer der Gleiche: Planen->Buddeln->Bauen. Doch je nach Art des Fundaments, der Aussenfassade, Inneneinrichtung und Bedingungen des Bauherren brauche ich andere Materialien, Arbeiter, Fahrzeuge. Vorrausschauend agieren ist das A und O in diesem Spiel. Jede Baustelle ist anders und man wird auch ab und an mit Problemen konfrontiert (Kran deckt nicht die komplette Baustelle ab, knifflige Bedingungen).
Zwar macht das Spiel für 40¤ einen LowBudget Eindruck, doch für mich hat sich die Investition gelohnt. Die Spielmechanismen sind gut durchdacht und ergeben auch alle Sinn. Nichts ist überflüssig. Es macht großen Spass zu zuschauen, wie die kleinen Arbeiter ein Haus hochziehen und das Bestellen just-in-time bestätigt einen.
Wer eine nette Aufbausimulation mit etwas Mikromanagement und viel Logistik/Beschaffung mag sollte zuschlagen. Das Spiel gibt viel mehr her als es den Anschein hat und ist in meinen Augen das erste "BAU"-Spiel, was wirklich gelungen ist.