Die Firma Codemasters war mir seid meinem kurzen Antesten von "Dungeons & Dragons Online" ein Begriff und daher habe ich mich auch für Archlord interessiert. Die Teilnahme an der Beta über die Pre-Order-Box hat mich ausreichend motiviert, die Vollversion zu kaufen, um dem Spiel eine Chance zu geben. Leider bin ich jetzt nach Release nur mäßig begeistert, wenn nicht gar ein wenig enttäuscht. Bei Codemasters gilt im Bereich MMORPGs wohl eher Masse statt Klasse und das ist bei Archlord deutlich zu merken. All zu üppig ist die Auswahl für einen eigenen Charakter bei gerade mal 3 Rassen und insgesamt 8 Klassen (3 für Menschen und Orks, nur zwei für die Mondelfen) nicht gerade aber das soll nicht weiter stören. Archlord ist ein koreanisches Spiel und dies ist im Design und anderen Details zu merken, was aber völlig ok ist. Es war auch ok, dass in der Beta etliche Bugs vorhanden sind, nur sind diese scheinbar in der Release-Version nicht behoben worden.
Es gibt für mich daher einige schwerwiegende Kritikpunkte an dem Spiel. Die Steuerung funktioniert nur mit der Maus per Klick. Die sonst übliche und angenehme Tastensteuerung (WASD) ist zwar vorhanden, aber völlig unbrauchbar. An die Maus-Steuerung gewöhnt man sich jedoch recht gut, schöner wäre es aber auf jeden Fall mit den Tasten.
Es gibt einen sehr störenden Sound-Bug, der ein rauschendes Hintergrundgeräusch verursacht. Das war schon in der Beta so und hätte meines Erachtens nach unbedingt für den Release behoben werden müssen!
Die Übersetzung ins Deutsche ist auch mehr als dürftig. Die Lokalisierung in World of Warcraft ist ja schon teilweise haarsträubend, aber "Orks" als "Eiche" zu übersetzen - da fällt mir nichts mehr zu ein... (Eiche heißt übrigens "Oak", klingt ähnlich wie Ork, ist es aber nicht)
Kleinere Details wie fehlende Chatchannels (Spieler müssen im Spiel "schreien" um Gruppen zu suchen), grafisch unfertige Monster und teilweise monotone Computerstimmen von NPCs wecken nicht gerade Begeisterung. Und das alles für einen wie ich finde sehr stolzen Preis für das Spiel aus dem Laden und dann noch mal für die monatlichen Gebühren!
Aber es gibt auch schöne Sachen in Archlord! Zunächst einmal gefällt mir die Idee, dass es ein Spieler / eine Spielerin schaffen kann, der Herrscher der Welt zu werden. Das hat es so noch nicht gegeben und Codemasters versucht mit dieser Idee, sich von anderen Online-Spielen abzuheben. Die Umgebung ist grafisch schön dargestellt, richtig gut finde ich die Kampfanimationen der Monster und Charakter. Das ist in der Tat ebenso gut gelungen, wie die hochwertige Musik. Hier bekommt man kein billiges Geklimper, sondern klangvolle Musikstücke. Leider passt sich die Musik nicht der Umgebung oder Rassen an, daher wirkt die Musik beispielsweise für die Orks etwas zu "kuschelig", aber das ist reine Geschmackssache.
Das Questsystem wirkt durchdacht und ist sehr gut spielbar. Mit einem vorgegebenen Höchstlevel von 100 zeigt Codemasters, dass sie zumindest eine Regel für Online-Games verstanden haben: Spieler müssen beschäftigt werden. Während World of Warcraft mit seinem Add-On nachträglich das Levelcap erhöht, beugt Archlord dem von Anfang an vor. Es gibt also viel zu tun und es ist ein langer Weg bis zum Maximum. Das macht aber nichts, denn das so genannte "leveln" oder "questen" ist im Allgemeinen und für Gelegenheitsspieler mit wenig Spielzeit im Speziellen gut zu bewältigen.
Bemerkenswert ist auch das PvP-System, bei dem Archlord ebenfalls einen Mangel beim Online-Riesen World of Warcraft erkannt hat. Kaum hat man eine sichere Stadt verlassen, ist man in Archlord angreifbar, sogar von Spielern der eigenen Rasse! Damit ist Archlord definitiv realistisch und erhöht den Spannungsfaktor. Die Gefahr, von hochstufigen Spielern andauernd ins Jenseits befördert zu werden, ist dadurch natürlich recht hoch, aber auch das Online-Leben ist "hart" und wer mal auf einem PVP-Server eines anderen Online-Spiels gespielt hat, weiß, dass es dort nichts anderes ist.
Fazit:
Archlord steht und fällt mit dem nächsten Patch. Wenn hier nicht die teils gravierenden Mängel behoben werden, werden Viele nicht über den Probemonat hinauskommen und sich über die ausgegebenen 50,00 Euro ärgern. Ansonsten hat Archlord gute Chancen, mit einer neuen Spielziel-Idee, einer neuen Online-Welt und einem attraktivem PvP-System sich zum Geheimtipp zu mausern. Und wenn nicht, wird das Codemasters nicht sonderlich stören. Das nächste Online-Game ist bereits in den Startlöchern (Lord of the Ring Online) und wird wieder ein paar Kunden einfangen. Vielleicht wäre es mal sinnvoll, sich mehr auf ein Spiel zu konzentrieren, anstatt zig Verschiedene unausgegoren zu betreiben. Masse statt Klasse, Archlord?